Das kommt schon mal vor, dass einem ein Theaterabend die Stimmung verhagelt. Wenn nur das nervt, was auf der Bühne geschieht, sollte man sich auf die vierte Wand besinnen und emotional entziehen können. Eine andere Beklommenheit, vor der man kein Reißaus nehmen kann, entsteht aber, wenn das Publikum das Gebotene in unangebrachter Weise goutiert.
Dann sitzt man schutzlos in dieser Masse und hat als Einziger recht und ist wütend und ganz allein. Solchen Geisterfahrer-Gefühlslagen hat der hier schreibende Theaterkritiker Rekordzeiten für den Heimradelweg zu verdanken.
Bernd Stegemann, Professor an der Ernst-Busch-Hochschule, beschreibt in seinem neuen Buch „Meine deutschen Dämonen“ einen solchen Moment. Er war 2015 Dramaturg an der Schaubühne und beobachtete eine gespenstische Reaktion des Publikums bei der Premiere von Falk Richters „Fear“. Darin ging es um Rechtspopulisten und AfD-Politikerinnen, die als untote Nazi-Wiedergänger ihr Unwesen trieben (unter anderen erkannte sich Beatrix von Storch in einem der Zombies wieder und klagte ohne Erfolg gegen das Stück, aber das tut nichts zur Sache).
Bekenntnis
Der Kriegsenkel Bernd Stegemann: „Angst bestimmt mein Leben“
Die eigene Kindheit als Maßstab der Nation: Bernd Stegemanns Bekenntnisse „Meine deutschen Dämonen“ sind ehrlich, aber auch gewagt und ungerecht. Die Kritik.
6 Min
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Der Autor, Dramaturg und Theaterprofessor Bernd Stegemann
© Emmanuele Contini
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