Soziale Medien

Steuerfahndung im Netz: Thüringer Taskforce nimmt Influencer ins Visier

In Thüringen durchforstet eine Taskforce des Finanzministeriums die sozialen Medien nach Influencern. Das Land erhofft sich Steuernachzahlungen in Millionenhöhe.

OAZ
4 Min
Eine Thüringer Steuer-Taskforce nimmt nun Influencer ins Visier. (Symbolbild)

Eine Thüringer Steuer-Taskforce nimmt nun Influencer ins Visier. (Symbolbild)

© Unai Huizi/imageBROKER/IMAGO

Was haben „Fibi Pfeiffer“, „Dr. Emkus“ und „Survival Siglinde“ gemeinsam? Bei ihnen handelt es sich um mehr oder weniger bekannte Influencer aus Thüringen – und alle drei könnten nun in den Fokus einer Taskforce des Thüringer Finanzministeriums geraten sein. Der Freistaat will es Influencern nun schwer machen, ihre Einnahmen im Internet am Fiskus vorbei zu manövrieren.

Es gebe mehr hauptberufliche Influencer mit Sitz in Thüringen als gedacht, erklärte Finanzministerin Katja Wolf (BSW) in Erfurt. Mehr als 500 hauptberufliche Content-Ersteller mit Sitz im Freistaat habe eine eigens eingerichtete Expertengruppe der Finanzverwaltung bislang aufgespürt – einige davon mit über einer Million Followern. Das Land will nun sicherstellen, dass deren Einkünfte korrekt versteuert werden, und rechnet mit zusätzlichen Einnahmen in einstelliger Millionenhöhe.

Das 15-köpfige Team aus Fachleuten der Finanzverwaltung, Steuerfahndern und Betriebsprüfern durchforstet derzeit systematisch Social-Media-Kanäle und Plattformen nach in Thüringen ansässigen Influencern. „Es darf im digitalen Bereich kein Steuerdefizit geben“, sagte Wolf. Von den identifizierten Influencern könne man „durchaus gut leben“, so die Ministerin. Wie viele Personen nebenberuflich in der Branche tätig seien, lasse sich derzeit noch nicht konkret beziffern.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Die Experten werten nach Angaben des Ministeriums mehr als 100.000 Datensätze unter anderem von Instagram und YouTube aus. Im Fokus stehen Einnahmen aus Werbung, Produktempfehlungen, Abo- und Bezahlsystemen sowie vermeintlichen Spenden. Auch Sachleistungen und sonstige Vorteile können als steuerlich relevante Einkünfte gelten. „Unwissenheit schützt nicht vor der Besteuerung von Einnahmen“, betonte Wolf.

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Erste Betriebsprüfungen haben laut Ministerium bereits stattgefunden. Bei mehreren bekannten Influencern seien die steuerlichen Verhältnisse in Ordnung gewesen. Geprüft wird zunächst der Zeitraum 2021 bis 2023. Verlässliche Gesamtergebnisse erwartet das Ministerium bis Jahresende. Eine genauere Schätzung der möglichen Mehreinnahmen sei beim derzeitigen Erkenntnisstand noch Spekulation, sagte Wolf.

Der aus Gera stammende Influencer Markus Hanschke, der unter dem Namen „Dr. Emkus“ auftritt, musste selbst erst 500 Euro nachzahlen und begrüßt laut einem Bericht des MDR die Aufklärungsarbeit. Man müsse sich aber auch selbst informieren, sagte er:

Und wenn dann einmal die Taskforce vor der Tür steht, dann wird’s auch kritisch.

Markus Hanschke

Dann merke man erst, wie viel man steuerlich nicht auf dem Schirm gehabt habe. „Unwissenheit schützt da auch vor Strafe nicht“, so Hanschke.

Die Recherche der Taskforce gestaltet sich laut Wolf aufwendig, da Influencer häufig nicht unter ihrem bürgerlichen Namen auftreten und teilweise Auslandsbezüge bestehen. „Es gibt noch erhebliches Grau in diesem Bereich“, sagte die Ministerin.

Ministerium veröffentlicht „Steuerguide“

Um vor allem jüngere Influencer über ihre Pflichten zu informieren, hat das Finanzministerium einen Flyer als „Steuerguide“ veröffentlicht, der die wichtigsten Pflichten bei der Steuererklärung erläutert. Darüber hinaus bietet die Finanzverwaltung Hilfsangebote an – bis hin zur Möglichkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige bei bislang nicht erklärten Einkünften. „Je eher man sich meldet, umso leichter wird es, das Ganze aufzuarbeiten“, sagte Wolf.

Thüringen steht mit seinem Vorgehen nicht allein da. Auch andere Bundesländer nehmen die Branche verstärkt in den Blick. Große Länder prüfen laut Wolf sogar die Einrichtung eigener Steuerbereiche für Influencer-Einkünfte, da bundesweit von jährlichen Umsätzen im hohen dreistelligen Millionenbereich – zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro – ausgegangen werde.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte das Thüringer Finanzministerium mitgeteilt, dass die Finanzbehörden bis dahin 22 Ermittlungen gegen Influencer geführt hatten. Bei zehn abgeschlossenen Fällen habe es zwei Aufforderungen zu Steuernachzahlungen gegeben. Insgesamt sei es um 30.000 Euro gegangen. (mit dpa)

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