Was für ein Bild von Ehrlichkeit und Staatstreue. Was für ein Kontrast zu den Bildern der vergangenen Tage, auf denen zu sehen war, wie Polizeibeamte Ex-Postchef Klaus Zumwinkel aus seinem Wohnhaus führten. Ob der Post-Manager seine Steuererklärung auf elektronischem Wege ans Finanzamt geschickt hatte oder eher nicht?Im Ring Center an der Frankfurter Allee standen am Sonnabend Mitarbeiter der Berliner Finanzämter und warben den ganzen Tag für die elektronische Steuererklärung mit Namen Elster. Auch in Spandau waren sie an diesem Tag im Kaufhaus unterwegs. Das Ganze wirkte wie die große Aufklärungskampagne der Finanzämter nach dem Steuerfall Zumwinkel: "Einfach, schnell und sicher zu Hause am PC" könnten Steuerzahler ihre Erklärungen ausfüllen und absenden. "Jetzt auch papierlos" stand auf einer Werbetafel. An Tischen standen Beamte am Laptop, sie hatten Luftballons aufgeblasen, verteilten Kugelschreiber, Schlüsselbänder, grüne Beutel und die CD mit der aktuellen Version des Steuerprogramms Elster. Überall prangte der grüne Schriftzug. Es war keine Reaktion auf den Fall Zumwinkel, es war der alljährliche Aktionstag der Finanzverwaltung. So schnell kann die Behörde nun doch nicht reagieren."Wir stellen das Elster-Programm allen vor, die es noch nicht kennen", sagte Karsten Strelow vom Technischen Finanzamt. Die Mitarbeiter der Finanzverwaltung wunderten sich, wie viele Besucher sich vom Geld ausgeben in den Läden abhalten ließen, um über Steuererklärungen und Steuerprogramme zu reden. "Und niemand sagte etwas Negatives über uns", stellte eine Finanzbeamte erfreut fest. 1 600 CDs mit dem Elster-Programm verteilten die Beamten bis zum Abend. Wirklich nett waren die vier Beamten, sie sprachen die Passanten an, erklärten ihnen, dass in Berlin etwa ein Drittel aller Steuererklärungen schon auf elektronischem Weg an das Finanzamt gesendet werden und dass die Verwaltung diese Erklärungen auch bevorzugt bearbeite, im Durchschnitt dauere das 40 Tage. Die Beamten wussten, welche Steuerfristen es gibt für Einkommen, Gewerbe und Umsatz. Sie sagten, Salz- und Sektsteuer müssten nur Hersteller von Salz und Sekt berücksichtigen, Tabak- und Mineralölsteuer sei schon im Preis enthalten. Sie kannten auch alle Zusatzformulare, wie Anlage Kap (Kapitaleinkünfte), Aus (ausländische Einkünfte) GSE (Gewerblich-selbständige Einkünfte) und So (sonstige Einkünfte). So einfach können Steuererklärungen sein.Viele Besucher waren vom Angebot der Finanzverwaltung echt überrascht. "Ich hätte nicht gedacht, dass die sich am Wochenende hier hinstellen und beraten", sagte Sebastian Müller. "Die haben ja nun auch nicht so oft Kontakt zu anderen Menschen." Der 24-jährige ist Angestellter einer Fastfoodkette. Einen Steuerberater könne er sich nicht leisten, doch seine Freundin fordere ihn ständig auf, sich um seine Steuererklärung zu kümmern. Nun hat er den Anfang gemacht. "Wenn man nicht ganz blöd ist, muss man´s doch kapieren", sagt er.Detlev Israel hat seinen Laptop aufgebaut. Bisher scheiterten alle Versuche des Geschäftsmannes, darauf die Software zu installieren. Nun hat ihm Karsten Strelow geholfen, das Programm funktioniert.Auch Siegfried Marose, 64-jähriger Rentner aus Lichtenberg, will sich jetzt mit der Software beschäftigen. "Dann muss ich nicht mehr zum Finanzamt laufen", sagte er. Seine Frau ist berufstätig, er müsse eine Steuererklärung einreichen.Über die Steuern von Klaus Zumwinkel redete am Sonnabend niemand. Wozu auch, wenn man mit dem Finanzamt im Kaufhaus mal über seine Steuern reden kann.------------------------------Foto: Druck von der Freundin: Sebastian Müller (l.) soll sich endlich um seine Steuern kümmern. Karsten Strelow hilft.
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