Steven Spielberg besuchte die Gedenkstätte Sachsenhausen begleitet von vielen Schülern

"Es ermutigt mich, junge Menschen hier zu sehen"

Meike Bruhns
3 Min

Günter Morsch hat schon viele Prominente durch das frühere Konzentrationslager Sachsenhausen geführt. Doch von wenigen war der Gedenkstättenleiter so überrascht wie von Steven Spielberg. "Der macht nicht nur Filme, der hat sich wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt", sagte Morsch. Der Besuch des amerikanischen Regisseurs am Mittwoch morgen sei keine Führung gewesen, sondern ein "permanentes Gespräch. Es war erstaunlich, wieviel er über die Geschichte weiß", sagte Morsch. Es war das erste Mal, daß Spielberg ein ehemaliges Konzentrationslager in Deutschland betrat. "In Polen habe ich viele Lager besucht", sagte der Regisseur, dessen jüdische Vorfahren aus Polen stammen. Früher hätte ihm Berlin als Sinnbild für die Geschehnisse in den 30er Jahren immer Furcht eingeflößt, sagte Spielberg, der heute abend von Bundespräsident Roman Herzog für seinen Film "Schindlers Liste" mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird. Heute sehe er die Lage entspannter.Vor allem die Schülergruppen auf dem Gelände der Gedenkstätte hatten Steven Spielberg beeindruckt. "Es ermutigt mich, die vielen jungen Menschen hier zu sehen, die, genauso wie ich, alles auf sich wirken lassen und sich für immer daran erinnern werden", sagte er. Still waren viele Schüler dem Regisseur auf seinem Weg durch das ehemalige KZ gefolgt. Sie seien nur wegen Spielberg gekommen, erzählten einige dem Gedenkstättenleiter Günter Morsch, "aber sie waren so beeindruckt, daß sie sich auch noch den Rest ansehen wollten", sagte Morsch. Eine kleine Gruppe Teenager sah ergriffen zu, wie Kantor Estrongo Nachama und Rabbiner Yitshak Ehrenberg an der Station Z den Kaddish, das jüdische Totengebet zelebrierten. Als Spielberg erfuhr, daß Nachama als Gefangener einst gezwungen wurde, in der Station Z der einstigen Vernichtungsstätte des Lagers zu arbeiten, war er den Tränen nahe.Die Gruppe ging auch zu der Baracke 38, die 1992 bei einem Brandanschlag von Rechtsextremisten teilweise zerstört worden war. Spielberg diskutierte mit seinen Begleitern über die Rolle des instrumentalisierten Antifaschismus in der DDR und dem wachsenden Rechtsextremismus unter ostdeutschen Jugendlichen. "Wir waren uns einig, daß hier eine enge Verbindung besteht", sagte Morsch. Am Mittwoch nachmittag traf sich Spielberg zu einem Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) im Roten Rathaus. Diepgen versprach, sich auf der Kultusministerkonferenz dafür einzusetzen, daß Spielbergs neue CD-ROM mit Interviews Holocaust Überlebender an deutschen Schulen eingesetzt wird. Danach wurde Spielberg von Debis-Vorstandschef Klaus Mangold im neuen Debis-Gebäude am Potsdamer Platz empfangen. "Spielberg wollte das neue Berlin sehen, am liebsten von oben", sagte Sprecher Christian Schubert. Heute morgen will Spielberg mit Schülern in der Sophie-Charlotte-Schule über den Holocaust diskutieren.

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