Brandschutz

Stiftsberg in Quedlinburg erhält neue Hightech-Löschanlage

Eine innovative Löschanlage schützt das Weltkulturerbe auf dem Quedlinburger Stiftsberg. Sie nutzt Schaum statt Wasser.

OAZ
3 Min
Hat nun eine neue Hightech-Brandschutzanlage: Der Stiftsberg in Quedlinburg.

Hat nun eine neue Hightech-Brandschutzanlage: Der Stiftsberg in Quedlinburg.

© Matthias Bein/dpa

Auf dem historischen Stiftsberg in Quedlinburg wird eine hochmoderne Löschanlage installiert, um das UNESCO-Weltkulturerbe vor möglichen Bränden zu schützen. Die Anlage, die bis Ende Februar fertiggestellt werden soll, wurde speziell für die baulichen Herausforderungen des mittelalterlichen Ensembles entwickelt. „Besonders macht die Anlage, dass sie mit minimalem Wassereinsatz eine hohe Löschwirkung erzielt“, erklärte Ralf Kopatz, Geschäftsführer der DK Brandschutz GmbH, die für die Installation verantwortlich ist.

Herzstück des Systems sind sogenannte Schaumgeneratoren, die in den ungenutzten Dachräumen der historischen Gebäude installiert wurden. Im Brandfall wird ein Schaum erzeugt, der die betroffenen Bereiche umschließt, Sauerstoffzufuhr unterbindet und gleichzeitig kühlt. „Aus einem Liter Wasser entstehen 600 Liter Schaum“, erklärte Kopatz. Somit ist die Anlage deutlich ressourcenschonender als herkömmliche Sprinklersysteme und minimiert zugleich das Risiko von Wasserschäden an den darunterliegenden Kulturschätzen.

Der verheerende Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris im Jahr 2019 hatte auch in Deutschland zu einer Neubewertung von Brandschutzkonzepten geführt. Diese Entwicklungen flossen maßgeblich in die Planung der Quedlinburger Anlage ein, wie Sabine Bahß von der Stadtverwaltung erläuterte. „Die Ereignisse in Paris haben uns gezeigt, dass wir besser vorbereitet sein müssen“, sagte sie. Auf dem Stiftsberg, der Stiftskirche, Schloss und Domschatz beherbergt, gab es bislang keine Brandmauern in den Dachräumen, was eine schnelle Ausbreitung von Flammen begünstigen könnte.

Brandschutz neu gedacht

Die Anlage wurde in einem langwierigen Prozess konzipiert, um den besonderen Gegebenheiten des Areals gerecht zu werden. Neben der hohen kulturellen Bedeutung der Gebäude stellte auch die eingeschränkte Erreichbarkeit durch Feuerwehrfahrzeuge eine Herausforderung dar. „Die mittelalterlichen Tore sind zu schmal für normale Einsatzfahrzeuge“, erklärte Melanie Schade, Architektin der Stadtverwaltung. Der Schaum soll daher im Ernstfall den entscheidenden Schutz bieten, bevor die Feuerwehr eingreifen kann.

Die Installation der Heißschaumlöschanlage, die auch in der Industrie nur selten zum Einsatz kommt, ist Teil eines umfassenden Sanierungs- und Restaurierungsprojekts auf dem Stiftsberg, das vor sechs Jahren begann. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 1,25 Millionen Euro dürften am Ende voraussichtlich überschritten werden. Genauere Angaben dazu machte die Stadtverwaltung jedoch nicht.

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Im Frühjahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sodass Besucher ab März wieder Rundgänge durch das Ensemble genießen können. Neben der Stiftskirche und den historischen Gebäuden bietet der Stiftsberg auch Einblicke in die Gärten und die Geschichte von König Heinrich I., der hier 936 bestattet wurde. (mit dpa)

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