Kulturgut

Stiftung übereignet Benin-Bronzen, Leihgaben vereinbart

Benin-Bronzen in deutschen Museen stehen im Zentrum der Debatte um koloniales Raubgut. Seine große Sammlung der wertvollen Kunstobjekte überträgt Berlin nun ...

Gerd Roth dpa
3 Min
ARCHIV - Die Benin-Bronzen am Rande der Unterzeichnung einer Absichtserklärung für Eigentumsübertragungen.

ARCHIV - Die Benin-Bronzen am Rande der Unterzeichnung einer Absichtserklärung für Eigentumsübertragungen.

© Britta Pedersen/dpa/Archivbild

Erste Objekte sollen noch in diesem Jahr nach Nigeria zurückgeführt werden, nach Angaben Parzingers vermutlich zusammen mit Stücken aus anderen deutschen Museen. 168 der übereigneten Objekte sind eine Leihgabe für zunächst zehn Jahre, ein Austausch ist angestrebt. Die Stiftung verfügte zuletzt über 512 Objekte aus dem Königreich Benin, das heute zu Nigeria gehört.

Das Ethnologische Museum der von Bund und Ländern getragenen Stiftung will Benin-Bronzen auch im Berliner Humboldt Forum ausstellen, dessen letzter Teil im September eröffnet wird. Ursprünglich sollten dort mehr als 200 der wertvollen Kunstwerke zu sehen sein. Nun sollen es in den zwei vorgesehenen Räumen noch etwa 40 Objekte sein, um die Bandbreite der höfischen Kunst Benins aufzuzeigen.

Gegenübergestellt werden soll zeitgenössische Kunst aus Nigeria, die auch heute noch traditionelle Techniken nutze. Lars-Christian Koch, Direktor des Ethnologischen Museums, will alle Facetten zeigen. „Gemeinsam mit den nigerianischen Partnern haben wir die ursprünglich geplante Präsentation komplett überarbeitet.“

Für Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat die Rückgabe „Vorbildcharakter für alle Museen in Deutschland, die Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten besitzen“. In den nächsten Monaten sollten weitere Rückgabevereinbarungen kommen, kündigte die Grünen-Politikerin in einer Mitteilung an.

Parzinger sprach von der größten Rückgabe von Objekten mit kolonialem Hintergrund, damit sei „koloniales Unrecht anerkannt“. Die Vereinbarung mit Nigeria habe Modellcharakter. Er sieht darin „ein tragfähiges Fundament für langfristige und vielfältige Kooperationen in der Zukunft“. Von nigerianischer Seite sprach Tijani von einer Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Museen, „in der den legitimen Forderungen anderer Nationen und traditioneller Institutionen Respekt und Würde entgegengebracht werden“. Er forderte Museen außerhalb Deutschlands auf, dem Beispiel nachzueifern.

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Deutschland und Nigeria hatten im Juli mit einer „Gemeinsamen Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen“ den Weg frei gemacht für die Rückführung der Kunstobjekte. Einzelheiten etwa auch zu möglichen Leihgaben müssen die Museen und ihre Träger vereinbaren.

Etwa 1130 der kunstvollen Stücke aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin, das als Edo State heute zu Nigeria gehört, sind in rund 20 deutschen Museen zu finden. Die Objekte, die meist aus Bronze, aber auch aus Elfenbein und Holz gefertigt sind, stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897.

Über die umfangreichsten Sammlungen verfügen nach dem Ethnologischen Museum in Berlin das Linden-Museum in Stuttgart, das Museum am Rothenbaum (Hamburg), das Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln) sowie das Völkerkundemuseum Dresden/Leipzig.

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