Stiftung Warentest deckt zahlreiche Schwächen auf / Erhebliche Qualitätsunterschiede in Berlin / Kritik an Untersuchungsmethode

Apotheken beraten oft schlecht

Christian Lipicki
3 Min

BERLIN, 26. Februar. Die Beratung in Apotheken lässt nach einer Erhebung der Stiftung Warentest in den meisten Fällen stark zu wünschen übrig. "Das Ergebnis der Untersuchung stellt dem Apothekenpersonal ein miserables Zeugnis aus", sagte der Chefredakteur der Zeitschrift Test, Hubertus Primus, am Donnerstag in Berlin. "In fast 90 Prozent der getesteten Apotheken wurden bei Beratung und Verkauf zum Teil erhebliche Schwächen festgestellt." Nur eine von 50 in Berlin, Köln und München getesteten Apotheken erfüllte alle Prüfkriterien. "Auffällig ist auch, dass die getesteten Apotheken in Ost-Berlin eine bessere Beratung aufweisen, als es in West-Berlin der Fall ist", sagte Primus. Er erklärte das mit der "offenbar nicht so voran geschrittenen Kommerzialisierung der Ost-Apotheken".Selbstmedikation nimmt zuBei der Untersuchung nahmen zwei Testpersonen die Beratungsqualität und die Auswahl von in Apotheken empfohlenen oder verkauften Mitteln unter die Lupe. Dabei ging es ausschließlich um Schnupfen- und Abführmittel. In beiden Fällen handelte es sich um frei verkäufliche Präparate, die ohne Rezept abgegeben werden."Es gab eklatante Verstöße gegen die selbst verordneten Beratungsstandards", kritisierte Primus. "Sehr häufig wurden auch nicht geeignete Arzneimittel abgegeben." Vor dem Hintergrund der durch entsprechende Gesetzesregelungen wachsenden Bedeutung der Selbstmedikation sei das Ergebnis sehr bedenklich: Da die Krankenkenkassen die Kosten für viele Medikamente nicht mehr erstatten, bekomme die Beratung durch den Apotheker noch mehr Gewicht. Davon betroffen seien beispielsweise etliche Schmerzmittel oder einige pflanzliche Mittel gegen Schlafstörungen oder Wechseljahresbeschwerden, die nicht mehr auf Rezept verschrieben werden und auf eigene Kosten erworben werden müssen."Es wird erwartet, dass sich durch die Regelungen der Gesundheitsreform die Zahl der verkauften Präparatspackungen zur Selbstmedikation pro Jahr von 650 Millionen auf 800 Millionen erhöhen wird", erklärte Primus. "Das sind dann die Hälfte aller verkauften Packungen auf dem Arzneimittelmarkt."Der Apothekerverband kritisierte die Untersuchung. Er rügte vor allem die Vorgehensweise der Tests und bezweifelte die Aussagekraft des Ergebnisses. "Bei 21 000 Apotheken in Deutschland ist eine Stichprobe bei 50 Apotheken nicht unbedingt repräsentativ", sagte Verbandschef Hans-Günter Friese. "Offensichtlich gibt es eine Diskrepanz zwischen einzelnen, punktuell erhobenen Ergebnissen und der breiten Erfahrung von täglich drei bis vier Millionen Apothekenkunden."Die Stiftung Warentest räumte ein, dass die Prüfung nicht repräsentativ sei. Primus betonte aber, "dass die Ergebnisse den Beratungsalltag in den Apotheken zutreffend widerspiegeln".Nachfragen // Die Stiftung Warentest rät Apothekenkunden, offensiv nachzufragen. Patienten sollten ihre Beschwerden möglichst genau beschreiben und sich nach Alternativen zu empfohlenen Mitteln erkundigen.Außerdem sollten die Kunden nachhaken, wie lange sie ein Medikament einnehmen müssen. Wichtig: Auch die Häufigkeit von Nebenwirkungen sollte man sich in der Apotheke erklären lassen.Grafik: Die Spanne bei den Umsätzen geht weit auseinander.Foto: Die Warentester raten: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Apotheker lieber zweimal.

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