Mode

Stilkritik der Woche: Königin Camilla lässt Deutschlands First Lady Elke Büdenbender alt aussehen

Die Briten können's, die Deutschen können's nicht – das zeigt sich auch während des Berlin-Besuchs von Charles III. und seiner Frau.

Manuel Almeida Vergara
Manuel Almeida Vergara
5 Min
Auf dem Weg zum Wannsee? Was anderes lässt Büdenbenders Sommerhütchen kaum vermuten. Chapeau dagegen für ihre hell bestrumpften Beine in Pumps.

Auf dem Weg zum Wannsee? Was anderes lässt Büdenbenders Sommerhütchen kaum vermuten. Chapeau dagegen für ihre hell bestrumpften Beine in Pumps.

© Imago

Ich kann mich noch sehr genau an seinen Händedruck erinnern. Damals, vor etwa dreieinhalb Jahren, als ich Charles III. einmal persönlich traf. Fest und behutsam zugleich war er, der Handschlag, perfekt austariert zwischen bestimmter Autorität und einladender Freundlichkeit. So ein Handschlag, denke ich jetzt, ist auch ein Stil-Statement.

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Tatsächlich hatte ich King Charles, damals noch Prinz, auch in einem Modekontext kennengelernt. Er hatte eine kleine Delegation von etwa 30, 40 Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Modebranche eingeladen, um sich bei einer Privataudienz in einem seiner schottischen Anwesen über Fragen der Nachhaltigkeit auszutauschen. Sein Herzensthema, das wissen wir.

Schon bei dem Treffen im Oktober 2019, organisiert durch den Fashion Council Germany und die Prince's Foundation, war mir Charles' Garderobe aufgefallen. Nicht, weil sie, rein oberflächlich betrachtet, besonders spannend gewesen wäre, auch wenn das fliederfarbene Hemd und die graue Tweedjacke mit den rostroten Webstreifen zumindest farblich überraschten. Es war der Schnitt, der mir ins Auge fiel – und der sich mit keinem anderen Wort als „perfekt“ beschreiben lässt.

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Adel verpflichtet. Britischer Adel sowieso. Er verpflichtet dazu nämlich, auch das traditionsreiche Schneiderhandwerk des Landes nach außen zu repräsentieren. Eine Herren-Maßschneiderei, die weltweit ihresgleichen sucht und deren Dreh- und Angelpunkt nach wie vor die Savile Row ist. Dass sich auch Charles III. in dieser Londoner Straße, genauer bei der dortigen Maßschneiderei Anderson & Sheppard bedienen lässt, ist bekannt. „King of Savile Row“ wurde er im britischen Boulevard bereits genannt, als die echte Krone noch in weiter Ferne schien.

Auch die Rückenansicht spricht Bände: Camilla dank Wollbouclé im Schulterbereich völlig faltenfrei, Büdenbenders roter Seidenmantel sitzt nur halb so gut.

Auch die Rückenansicht spricht Bände: Camilla dank Wollbouclé im Schulterbereich völlig faltenfrei, Büdenbenders roter Seidenmantel sitzt nur halb so gut.

© Imago

Und auch bei seinen Auftritten in Berlin überzeugte der nun endlich fast Gekrönte vor allem mit dem tadellosen Sitz seiner ansonsten eher unaufgeregten Garderobe. Da wäre zum Beispiel mal sein double-breasted overcoat, den er am Mittwoch zum Bad in der Menge am Brandenburger Tor trug. Ein Herrenmantel für die Ewigkeit. Ein bubihafter Stutzer, der über dem Knie endet und die Figur unglücklich staucht? Wie bei so ziemlich jedem deutschen Politiker, von Scholz bis Lindner? Nicht bei Charles!

Sein Mantel endet wenige Zentimeter über der Wadenmitte – eine ausgesprochen elegante Länge, die seine Körperformen streckt. Auch die schwarze, eher schmal als gerade geschnittene Hose liegt den perfekten halben Zentimeter auf dem glänzenden Schnürschuh auf. Ein bisschen ratlos machte lediglich das Einstecktuch, das in seiner blütenweißen Reinheit doch ein bisschen arg an ein verirrtes Tempo erinnerte.

Changierend wie ein Rosenkäfer: Das Organza-Bolerojäckchen hätte sich unsere First Lady sparen sollen.

Changierend wie ein Rosenkäfer: Das Organza-Bolerojäckchen hätte sich unsere First Lady sparen sollen.

© Imago

Charles' Krawatte war zu diesem Anlass blau. Karibikblau. Das passt zum etwas heller getünchten Kostüm seiner Gattin. Die wiederum sah in ihrer Garderobe an diesem Tag ein wenig verkleidet aus. Eigentlich verbindet man mit der Jetzt-Königsgemahlin doch Naturtöne von Braun bis Beige, robustere Materialien, eine auch modische Natürlichkeit, die zum frischen Charme der Britin passt. 

Das türkisblaue Complet – zu dem Camilla eine Blütenbrosche aus Türkisen und immerhin fast Berghain-taugliche schwarze Lederboots ausführte – wirkte indes kühler, verschlossener, aristokratischer und erinnert zu sehr an ihre verstorbene Schwiegermutter, Queen Elizabeth II. Der Wunsch, selbst modisch in die Fußstapfen der vorigen Königin zu treten? Auch durch die vertraute Ästhetik die Gunst des Volkes zu gewinnen? Womöglich. Camilla aber täte besser daran, ihrem eigenen Stil, der sonst auch schwingende Kleider und selbst Hosen einschließt, treu zu bleiben.

Sitzt alles tadellos: Camilla schwarz ummantelt und Charles im feinen Nadelstreifen im Reichstag.

Sitzt alles tadellos: Camilla schwarz ummantelt und Charles im feinen Nadelstreifen im Reichstag.

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Besser waren da schon ihre späteren Berlin-Auftritte. Zum Staatsbankett im Schloss Bellevue trug Camilla ein beinahe luftiges schwarzes Kleid mit feingliedrigem Rankenmuster; zum Reichstag-Besuch überzeugte sie im schmalen schlichten Mantel. Und Charles? Der trug Frack beim Bankett und einen marineblauen Nadelstreifenanzug im Reichstag. Beides bestens geschnitten, natürlich.

Das lässt hoffen, dass sich auch die Stil-Beauftragten der Gastgeber, vor allem der Gastgeberin, ein paar Notizen machen. Elke Büdenbender nämlich, die Frau des Bundespräsidenten, konnte mit dem Look der britischen Besucherin so gar nicht mithalten. Am Brandenburger Tor trug sie einen feuerroten Mantel, dazu ein Sommerhütchen, als wäre sie gerade auf dem Weg zum netten Nachmittag am Wannsee.

Für eine Gastgeberin ist schon die Farbwahl ein echtes Unding – erst recht auf dem Niveau, auf dem sich dieses Staatstreffen doch bewegen soll. Die gute Gastgeberin kleidet sich zurückhaltend, eben so, dass sie ihre Gäste keinesfalls modisch in den Schatten stellen kann. Das ist eine Benimm-Binse, die an Büdenbender offenbar vorbeigegangen ist.

Das zeigte sich auch am Mittwochabend des Staatsbanketts. Da trug die Frau des Bundespräsidenten ein Taft-Missgeschick in beinahe kreischendem Fliederviolett, darüber wurde noch hastig ein Organza-Bolerojäckchen gezogen, das wie ein Rosenkäfer im Licht changierte. Gar kein guter Look – schon gar nicht für einen historischen Abend. We're really not amused.


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