Der Iran hat nach eigenen Angaben Kleinst-U-Boote in der Straße von Hormus stationiert, um die strategisch wichtige Meerenge zu kontrollieren. Zugleich häufen sich Hinweise auf eine zunehmende Störung von Schiffsortungssystemen in der Region.
Die staatsnahe iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete den Einsatz der U-Boote der Ghadir-Klasse als „unsichtbaren Wächter“ der Meerenge, wie der Finanzdienst Bloomberg berichtete. Nach Angaben des auf Sicherheitsfragen spezialisierten Londoner Instituts International Institute for Strategic Studies verfügt der Iran über mindestens 16 dieser Mini-U-Boote. Jedes Boot hat demnach eine Besatzung von weniger als zehn Personen und kann zwei Torpedos oder zwei Anti-Schiffs-Marschflugkörper vom chinesischen Typ C-704 tragen.
Eine interne Quelle sagte Bloomberg, die Boote seien im Vergleich zu modernen U-Booten laut, die Besatzungen unerfahren und die Fahrzeuge wartungsanfällig. Die Ghadir-Klasse sei eine Kopie nordkoreanischer Konstruktionen. Laut Tasnim ist das Modell speziell für die geringen Wassertiefen der Meerenge konzipiert, die an ihrer tiefsten Stelle nur etwa 100 Meter misst.
Emma Salisbury von der US-Denkfabrik Foreign Policy Research Institute sagte gegenüber Bloomberg, das größte Risiko bestehe im Verlegen von Seeminen. Bei einem Großangriff könnten die U-Boote in Verbindung mit Schnellbooten und Drohnen gegen US-Kriegsschiffe eingesetzt werden.
Schiffsdaten zeigen unmögliche Positionen
Bloomberg berichtete unter Berufung auf eigene Auswertungen von Schiffsdaten zudem, am Montag hätten rund 120 Schiffe Positionen im Landesinneren der Vereinigten Arabischen Emirate angezeigt – etwa eine Autostunde von Abu Dhabi entfernt – bei Geschwindigkeiten von bis zu 100 Knoten.
Solche unplausiblen Werte deuteten auf eine Störung der Funksignale hin, das sogenannte Signal Jamming. Mark Douglas vom Dienst Starboard Maritime Intelligence sagte Bloomberg, die Golfstaaten hätten nach jüngsten iranischen Angriffen vermutlich elektronische Abwehrsysteme aktiviert. Die Emirate hatten in der Vorwoche nach eigenen Angaben ihre Luftabwehr gegen iranische Raketen und Drohnen eingesetzt.
Tanker fahren mit abgeschalteten Transpondern
Trotz der Lage versuchen Produzenten am Persischen Golf weiter zu exportieren. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Daten der Analysefirmen Kpler und LSEG berichtete, passierten am Sonntag die Großtanker „Agios Fanourios I“ und „Kiara M“ die Meerenge mit deaktivierten Transpondern.
Beide Schiffe hatten Berichten zufolge je rund zwei Millionen Barrel irakisches Rohöl an Bord. Bereits Anfang Mai hatte die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) laut Reuters mehrere Tanker mit ausgeschalteten Ortungssystemen losgeschickt. Adnoc äußerte sich dem Bericht zufolge nicht zu den Vorgängen.
US-Präsident erwägt erneut Marineeskorten
US-Präsident Donald Trump sagte dem US-Sender Fox News zuletzt, er erwäge erneut, das US-Militär zur Eskorte ziviler Schiffe durch die Meerenge einzusetzen. Zuvor hatte er die Geleitmission „Project Freedom“ nach nur kurzer Zeit auf Eis gelegt. Am Dienstag beraten zudem die Verteidigungsminister von 40 Staaten auf britische Initiative über einen möglichen Einsatz, um den Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen.
Seit den ersten US- und israelischen Angriffen am 28. Februar ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert. Vor Kriegsbeginn passierten dort rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases.
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