Nahost

Straße von Hormus: Trump verhandelt nicht mehr – verliert Teheran die Kontrolle über die Meerenge?

Der Iran erklärt die Straße von Hormus für gesperrt. Doch über 80 Prozent der Schiffe fahren offenbar einfach an Teherans Route vorbei. Verliert der Iran die Meerenge?

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Ein kleines Boot segelt an Frachtschiffen und anderen Handelsschiffen vorbei, die in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Iran vor Anker liegen.

Ein kleines Boot segelt an Frachtschiffen und anderen Handelsschiffen vorbei, die in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Iran vor Anker liegen.

© Amirhosein Khorgooi/ISNA/AP

Die Straße von Hormus bleibt der zentrale Streitpunkt im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag in einem Social-Media-Post auf seiner Plattform Truth Social, es gebe keinerlei Gespräche mit Teheran – und gab zugleich an, die Meerenge sei offen und in Betrieb. Seeminen seien entfernt worden.

Der Iran widerspricht dem entschieden: Die Wasserstraße bleibe für den Schiffsverkehr gesperrt. Durch die Straße von Hormus lief vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases. Die widersprüchlichen Ansagen ließen den Ölpreis erneut steigen, Aktienmärkte gaben nach.

Die Ölsorte Brent schloss laut Reuters am Dienstag bei gut 91 US-Dollar pro Barrel. Im Verlauf des Krieges hatte der Preis zeitweise 126 US-Dollar erreicht – rund 75 Prozent über dem Niveau vor dem Krieg.

Wer kontrolliert die Straße wirklich?

Die Lage vor Ort ist unübersichtlich. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler, auf die sich CNN beruft, nahmen zuletzt mehr als 80 Prozent der Schiffe die von den Vereinten Nationen genehmigte Route entlang der omanischen Küste – ein Weg, den der Iran ablehnt. Noch einen Monat zuvor verzeichnete Kpler dort praktisch keinen Verkehr.

„Es sieht zunehmend so aus, als hätte der Iran zumindest teilweise die Kontrolle über die Meerenge verloren“, sagte Homayoun Falakshahi, Leiter der Rohöl-Analyse bei Kpler.

Vollständige Kontrolle beanspruchen können aber weder Washington noch Teheran: Der Schiffsverkehr liegt weiter deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg.

Trumps Absage steht in Widerspruch zu Signalen von Kushner

Trumps Aussage zu nicht stattfindenden Verhandlungen steht im Widerspruch zu Signalen aus seinem eigenen Umfeld. Sein Schwiegersohn und Sondergesandter Jared Kushner hatte Anfang der Woche gegenüber dem Sender Fox News von laufenden und „sehr positiven und aktiven“ Gesprächen mit verschiedenen Teilen der iranischen Regierung gesprochen.

Hintergrund ist eine im Juni geschlossene Absichtserklärung. Sie setzte ein Zeitfenster von 60 Tagen für ein umfassenderes Abkommen. Diese Frist lief am Montag aus. Trump kündigte an, sie nicht zu verlängern.

Trumps Idee vom „neuen US-Territorium“

Zusätzlich befeuerte Trump zuletzt den Streit mit einer weitreichenden Forderung. Auf Truth Social veröffentlichte er eine Karte der Meerenge mit dem Schriftzug „New U.S. Territory" – neues Territorium der USA. Die Idee hatte er erstmals am Freitag ins Spiel gebracht: Nach einem Sieg über den Iran werde er die Straße von Hormus „schon bald" zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären, zitierte ihn die Nachrichtenagentur AFP.

Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte gegenüber dem Wall Street Journal zunächst, es habe sich um einen Scherz gehandelt. Am Montag bekräftigte Trump im Oval Office jedoch seine Haltung. Laut dem Portal The Hill sagte er: „Wir kontrollieren sie mit der Blockade, und mir gefällt die Idee, sie zum Territorium zu erklären.“

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Iran: Meerenge bleibt an Bedingungen geknüpft

Teheran macht eine Öffnung der Straße von Hormus derweil von klaren Forderungen abhängig. Chefunterhändler Mohammad Baqer Ghalibaf erklärte laut Staatsmedien vor dem Parlament, die Meerenge bleibe gesperrt, bis die USA die im Juni vereinbarten Bedingungen erfüllten.

Dazu zählen laut Ghalibaf ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, die Aufhebung von Ölsanktionen sowie ein Stopp militärischer Operationen.

Gesprächsbereit zeigt sich der Iran dennoch. Mohammad Mokhber, Berater des obersten Führers, sagte laut der Nachrichtenagentur Fars, das Land verwechsle Verhandlungen nicht mit Kapitulation. Militärischer Druck und Sanktionen würden die Entschlossenheit nicht brechen.

Abu Dhabi setzt Handel mit Iran aus

Parallel spitzt sich die Lage am Golf zu. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten zwei aus dem Iran abgefeuerte ballistische Raketen, die auf den Seeverkehr gezielt hätten und ins Meer fielen. Der Iran wies dies zurück.

Die Emirate setzten daraufhin sämtlichen Handel mit dem Iran bis auf Weiteres aus.

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