Internetpersönlichkeiten

Streamer Marli Mihm und Papa Jan: „Zahlen definieren nicht, wer du bist“

Marlon und sein Vater Jan Mihm über Erfolg, Erwartungen und darüber, warum ein Mensch immer mehr ist als das, was andere in ihm sehen. Ein Familienporträt.

Gina Wendt
Gina Wendt
10 Min
Das Vater-Sohn-Duo: zwei, die sich gut kennen und trotzdem noch viel voneinander lernen

Das Vater-Sohn-Duo: zwei, die sich gut kennen und trotzdem noch viel voneinander lernen

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

An Jan Mihms Jackett steckt eine Rose. Keine besonders große, keine, die erklärt werden müsste. Sie ist einfach da – wie immer. Neben ihm sitzt sein Sohn Marlon. Wer die beiden aus ihren Streams kennt, erwartet vielleicht Lautstärke, Tempo und Durcheinander. Auch hier reden sie viel, lachen, fallen sich ins Wort. Und trotzdem entsteht ziemlich schnell etwas anderes: das Gefühl, zwei Menschen zuzusehen, die sich nicht beweisen müssen, wer sie füreinander sind.

Marlon Kadir Mihm ist 27 und ist im Internet besser bekannt als Marli. Hunderttausende folgen ihm, er gehört zu den bekanntesten Streamern Deutschlands, macht Musik und hat mit „Freedom“ eine eigene Marke aufgebaut.

Jan Mihm ist 58 und hat in ein Leben mehrere gepackt: Er hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert, in der Werbung gearbeitet, zehn Jahre in New York gelebt, mit Marlons Mama die Nagellackfirma Uslu Airlines aufgebaut, Unternehmen gegründet, gekellnert und Skiunterricht gegeben. Heute ist er selbst Teil der Social-Media-Welt seines Sohnes. Und nun will er in die Politik: Jan tritt parteilos an und möchte Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg werden.

Dass sein Vater anders ist als die Väter seiner Freunde, merkt Marlon Mihm schon in der Grundschule. Jan Mihm kommt mit Nagellack oder Rennfahrerhandschuhen, manchmal holt er seinen Sohn in einem komplett mit Werbung beklebten Einser-BMW von der Schule ab, „als wäre es ein Formel-1-Auto“.

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