Die Diskussion um den Neubau der Carolabrücke in Dresden spitzt sich erneut zu. Während der Stadtrat bereits eine Brücke mit vier Fahrspuren beschlossen hat, fordert die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e. V. (GHND) eine umfassende Prüfung von Kosten und Risiken. Die GHND warnt vor möglichen finanziellen Belastungen für die Stadt sowie rechtlichen Konflikten.
Nach Ansicht der GHND sollten die finanziellen Möglichkeiten Dresdens im Mittelpunkt der Planung stehen. Eine breitere Brücke als das eingestürzte Original könnte Klagen nach sich ziehen. Als alternative Finanzierungsmöglichkeiten schlägt die GHND Grundstücksverkäufe und städtebauliche Nachverdichtungen, etwa am Terrassenufer, vor. Die GHND betont: „Politik und Verwaltung müssen die Bürger vor finanziellen Lasten schützen, die durch unüberlegte Entscheidungen entstehen könnten.“
Veith Böhm, Verkehrsexperte der CDU, hält die Forderungen der GHND für verfrüht und wenig zielführend. „Es ist anmaßend, noch bevor die Entwürfe der vier beauftragten Büros vorliegen, ihnen schon Schönheit und Einordnung in die Stadtsilhouette abzusprechen“, erklärte Böhm. Die CDU verweist darauf, dass der Stadtrat lediglich die Funktionsanforderungen – nicht aber die Breite der Brücke – beschlossen habe. Die Entwürfe der Planungsbüros sollen am 18. März vorgestellt werden, bevor am 26. Mai eine Entscheidung fällt.
SPD begrüßt ergebnisoffene Prüfung
Im Gegensatz dazu spricht sich die SPD für eine ergebnisoffene Prüfung aus. Stadtrat Stefan Engel fordert, die Bedenken der GHND ernst zu nehmen: „Die Brücken-Wünsche müssen mit der finanziellen Realität abgeglichen werden.“ Engel plädiert für eine Kombination aus verkehrlicher und städtebaulicher Analyse und kritisiert ideologische Vorfestlegungen. Er unterstützt zudem den Vorschlag, durch städtebauliche Nachverdichtung am Terrassenufer zusätzliche Mittel zu generieren. Als Beispiel nennt Engel den möglichen Wiederaufbau des Venezianischen Hauses.
Die Gestaltung der neuen Carolabrücke bleibt ebenfalls umstritten. Bereits im Januar hatte die Gestaltungskommission den Wunsch geäußert, den Planungsbüros mehr kreativen Freiraum zu gewähren. „Eine Brücke dieser Bedeutung muss nicht nur funktional sein, sondern sich auch harmonisch in die Stadtsilhouette einfügen“, so die Kommission. Ob diese unterschiedlichen Ansätze bis Mai zu einem Konsens führen, bleibt abzuwarten.
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