BERLIN/WARSCHAU. Die finanzielle Entschädigung ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter könnte mit einem Eklat, wenn nicht mit Schlimmerem, enden. So wenigstens stellte es die konservative Warschauer Zeitung Rzeczpospolita Anfang dieser Woche dar. Nach ihrem Bericht sollen sich der Vorsitzende der Stiftung "Deutsch-polnische Aussöhnung", Jerzy Sulek, und zwei weitere Vorstände auf Kosten der Opfer bereichert haben. Konkret geht es um Erfolgsprämien bis zu 30 000 Euro, die sich die Funktionäre angeblich selbst bewilligt haben sollen.Die neue konservative Regierung, die im Wahlkampf einen schonungslosen Kampf gegen Korruption versprochen hatte, griff die Anschuldigungen unverzüglich auf. Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz selbst kündigte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft an. Sulek solle wegen Untreue entlassen werden. Dieser wies die Vorwürfe kategorisch zurück und will nun rechtliche Schritte gegen die Zeitung einleiten. Er bestätigte die Prämien, erklärte jedoch, sie seien von der früheren Regierung bestätigt worden und somit völlig legal.Auch aus Sicht der in Berlin ansässigen Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" sind die Anschuldigungen unbegründet. Der deutschen Stiftung lägen keine Erkenntnisse über Veruntreuung von Geldern in Polen vor, die für ehemalige Zwangsarbeiter gezahlt worden seien, teilte Vorstandsmitglied Günter Saathoff der Berliner Zeitung mit. Dies gelte sowohl für die Auszahlungen von Leistungsberechtigten als auch für die Verausgabung von Restmitteln für humanitäre Projekte und die Verwaltungskosten.Wirtschaftsprüfer seien den in der polnischen Presse genannten Prämienzahlungen nachgegangen. Diese beruhten auf einer entsprechenden Rechtsverordnung des zuständigen polnischen Schatzministeriums, so Saathoff. Der Vorstand habe sie sich also keineswegs selbst bewilligt. Der Vorstand der Bundesstiftung habe in den letzten Jahren ein differenziertes Prüfsystem bei den Partnerorganisationen entwickelt, das sich bewährt habe.
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