STROMPREISE - Verbraucherschützer rufen die Kunden zum Wechsel des Anbieters auf. Der Umstieg ist ohne Risiko möglich.

Grundversorger oft am teuersten

Daniel Freudenreich
4 Min

BERLIN. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) macht mobil gegen die hohen Strompreise. Heute starten die Verbraucherschützer eine Plakat-Kampagne in den Hauptstädten aller Bundesländer, mit der die Bürger zum Wechsel ihres Stromanbieters oder des bisherigen Tarifs bewegt werden sollen. Das Ziel sei, eine Million Haushalte in den kommenden sechs Monaten zum Wechsel zu motivieren, sagte der neue VZBV-Vorstand Gerd Billen gestern in Berlin. Zugleich warnte er davor, Lockangebote beim nächstbesten Billiganbieter anzunehmen: "Die Verträge und die Preisgestaltung müssen transparent sein."Preiswerte Öko-AnbieterBillen bezeichnete es als frappierend, wie leicht sich die Bürger derzeit noch das Geld von den großen Stromkonzernen aus der Tasche ziehen ließen. "Das muss nicht sein", sagte er und verwies auf einen Preis-Check des Verbands in den 100 größten deutschen Städten. Demnach gibt es an jedem Ort die Möglichkeit, zu einem billigeren Versorger zu wechseln. "In aller Regel sind die Grundversorger am teuersten", sagte Billen und warnte vor falsch verstandener Kundentreue zum bisherigen Anbieter.Je nach Verbrauch und Region variieren die Einsparpotenziale. Demnach kann der Single in Berlin jährlich 108 Euro sparen, wenn er vom Grundversorger Vattenfall zum preiswertesten Anbieter wechselt. Im Zwei-Personen-Haushalt macht sich der Tausch mit bis zu 113 Euro bezahlt. Für den Vier-Personen-Haushalt rechnet sich nach der Erhebung ein Tarifwechsel innerhalb von Vattenfall. Damit lasse sich der Strompreis um rund 128 Euro senken.In den ersten beiden Fällen - beim Ein-Personen- und beim Paar-Haushalt in Berlin - liefert das günstigste Angebot keine Energie aus dem Atomreaktor, sondern Ökostrom. Dies ist offenbar keine Ausnahme. In zwei Drittel der überprüften Städte sei sogar der Ökostrom-Lieferant preiswerter als der jeweilige Grundversorger, sagte Billen. So unterbietet das günstigste Ökostromprodukt in Freiburg im Breisgau den lokalen Versorger um ganze 130 Euro, gerechnet auf einen Vier-Personen-Haushalt. Der Strom aus erneuerbaren Energien sei nicht so teuer, wie oftmals behauptet werde, sagte Billen."Es ist höchste Zeit, dass sich die Stromkunden nicht nur auf die Politik verlassen, sondern selber aktiv werden", forderte der VZBV-Vorstand. Seit der Jahrtausendwende seien die Strompreise um fast 50 Prozent gestiegen. Doch nur sechs Prozent, also 2,5 von 40 Millionen Haushalten in Deutschland, hätten einen neuen Anbieter genommen, sagte Billen. Bei weiteren acht Prozent sei eine hohe Wechselbereitschaft gegeben, wie diverse Studien in letzter Zeit ergeben hätten.Um all die Wankelmütigen zu erreichen, soll die Kampagne eine zentrale Botschaft transportieren: Ein Umstieg ist einfach und ohne Risiko möglich. Man müsse nur die Vertragsunterlagen anfordern, ausfüllen und zurückschicken. sagte Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter für Energie im VZBV. Die Sorge, bei einem Anbieterwechsel plötzlich ohne Strom dazustehen, bezeichnete Krawinkel als völlig unbegründet. "Selbst wenn der Anbieter pleite macht, gibt es automatisch den Strom vom Grundversorger", sagte er.Allen Wechselwilligen riet Billen, keinen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von über zwölf Monaten zu unterschreiben. Auf dem Strommarkt werde sich noch einiges tun. Er gehe davon aus, dass die Preise weiter fallen würden.Intelligente ZählerNach Ansicht des VZBV-Vorstands sind die Möglichkeiten, die Energiekosten weiter zu drücken, bei weitem noch nicht ausgereizt. Seiner Meinung nach solle es intelligente Stromzähler geben, die dem Verbraucher ganz genau sagen, zu welcher Tageszeit die Energie aus der Dose zum kleinen Preis fließt.Doch auch ohne den cleveren Stromzähler bringt allein der Tarif- oder Anbieterwechsel offenbar einiges: "Würden alle 40 Millionen Haushalte in Deutschland ihr Sparpotenzial von durchschnittlich etwa 60 Euro nutzen, käme dies einem Einspar- und Konjunkturprogramm von über zwei Milliarden Euro gleich", rechnete Billen vor.------------------------------Günstige Anbieter in BerlinAnbieter/Produkt Kosten AnmerkungenSingle (1 790 kWh/Jahr)eprimoPrimaKlimaB 308,17¤ inkl. 110 Euro Bonus, inkl. Sonderbonus bei Abschluss bis 30.09.07; 3 Mon. PreisgarantieNuonStrom 330,09¤ inkl. 50 Euro Bonus bei Abschluss bis 31.08.07; 12 Monate PreisgarantiePaar (3 030 kWh/Jahr)eprimoPrimaKlimaB 542,41¤ inkl. 110 Euro Bonus, inkl. Sonderbonus bei Abschluss bis 30.09.07, 3 Mon. PreisgarantieVattenfall Bln. Easy 554,16¤ inkl. 30 Euro BonusVier-Personen-Haushalt (4 430 kWh/Jahr)Vattenfall Berlin Easy 797,62¤ inkl. 30 Euro BonuseprimoPrimaKlimaB 806,87¤ inkl. 110 Euro Bonus, Sonderbonus bei Abschluss bis 30.09.07, 3 Mon. Preisgarantie------------------------------Foto : Anti-Atom-Protest des BUND vor der Vattenfall-Hauptversammlung

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