ZEHLENDORF. Zehn Millionen Euro fordert das Land für das Studentendorf Schlachtensee. Den potenziellen Käufern ist dieser Preis zu hoch. Sie wollen nur 7,7 Millionen Euro zahlen. "Wir können das Angebot des Senats nicht akzeptieren", sagt Johannes Prüßner von der "Arbeitsgemeinschaft Studentendorf Schlachtensee". Durch den mehr als zwei Jahre dauernden Leerstand seien viele Gebäude beschädigt und der Wert gemindert. Um die Gebäude wieder voll vermieten zu können, müssten zunächst 4,3 Millionen Euro investiert werden. Die Studenten fordern weitere Verhandlungen.Seit mehr als vier Jahren geht das Gerangel um das Dorf. Weil das Areal 1998 verkauft werden sollte und keine Mietverträge mehr geschlossen wurden, verließen fast alle Studenten das Gelände an der Wasgenstraße. Nur noch 31 Studenten leben auf dem Gelände - und kämpfen für den Erhalt ihres Dorfes. Im Jahr 2000 hatte sich die Arbeitsgemeinschaft an einer Ausschreibung des Landes beteiligt, war aber abgelehnt worden. Doch die Verhandlungen mit dem damaligen potenziellen Käufer scheiterten, die Studenten bewarben sich erneut. Mit Erfolg. Sie bekamen den Zuschlag. Um das Vorhaben finanzieren zu können, setzen die Studenten auf zwei Wege: einen Bankkredit und eine Genossenschaft. In letzterer können Berliner Anteile erwerben und gleichzeitig vom Staat gefördert werden. Rund tausend Genossen brauchte die im Oktober 2002 gegründete "Genossenschaft Studentendorf - Berlin" - doch davon ist sie noch weit entfernt. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Finanzsenator Tilo Sarrazin wäre auch mit knapp sieben Millionen Euro zufrieden gewesen. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (beide SPD) habe jedoch auf zehn Millionen bestanden. Laut Senatsbeschluss müssen die Studenten bis zum 30. Juni eine Bankbürgschaft vorlegen. Das, so Johannes Prüßner, sei nicht zu schaffen. "Um die Bürgschaft zu bekommen, will die Bank von uns den Nachweis, dass das Dorf wieder vermietet werden kann." In der Wissenschaftsverwaltung ist man dennoch optimistisch, dass das Dorf an die Studenten verkauft wird. "Wir unterstützen die Arbeitsgemeinschaft ausdrücklich", sagt Sprecher Torsten Wöhlert. Seine Behörde habe großes Interesse, dass das Studentendorf erhalten bleibt. "So ein Objekt in Campus-Nähe der Freien Universität ist ideal." Damit der Vertrag zwischen dem Land und den Studenten zu Stande komme, müssten sich jedoch beide Seiten "bewegen", so Wöhlert. "Uns ist klar, dass das Land das Geld braucht." Verhandeln könne man aber über die Bedingungen. Beim Liegenschaftsfonds, der die Kaufverhandlungen im Auftrag des Landes führt, will man sich nicht äußern. "Zu Details der Verhandlungen geben wir keine Auskunft", erklärte Sprecherin Irina Dähne. Nur so viel: "Der Beschluss des Senats über die Höhe des Kaufpreises ist bindend."Geschenk an Berlin // Geschichte: Das Studentendorf Schlachtensee wurde zwischen 1958 und 1964 gebaut und war ein Geschenk der US-Regierung an Berlin. Zu Spitzenzeiten lebten mehr als 1 060 Studenten in den Häusern.Gegenwart: 1998 wollte das Land das Dorf erstmals verkaufen, um den Umzug der Berlinischen Galerie zu finanzieren. Daraus wurde nichts. Dennoch wurden seit drei Jahren keine neuen Mietverträge geschlossen. 31 Studenten leben noch im Dorf.Weitere Infos im Internet unter www. studentendorf. de
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