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Kinderbetreuung

Studie: In Berlin fehlen 2023 bis zu 17.000 Kitaplätze

Laut Berechnungen der Bertelsmann Stiftung werden zusätzliche Personalkosten von rund 174 Millionen Euro pro Jahr benötigt. Zudem ist die Ausstattung sehr oft nicht kindgerecht.

Team News dpa/AFP
4 Min
Kinder spielen in einer Kita mit einer klingenden Murmelbahn. 

Kinder spielen in einer Kita mit einer klingenden Murmelbahn. 

© dpa/Christian Charisius

Trotz des massiven Kita-Ausbaus fehlen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung im kommenden Jahr in Berlin rund 17.000 Kita-Plätze. Um den Betreuungsbedarf zu decken, müssten weitere 3800 Fachkräfte eingestellt werden, wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Dadurch entstünden zusätzliche Personalkosten von rund 174 Millionen Euro jährlich. Betriebs- und mögliche Baukosten für die neuen Kita-Plätze kämen hinzu. Für Kinder unter drei Jahren fehlten 15.000 Plätze, für Kinder ab drei Jahren seien es 2000 Plätze.

Doch fehlende Plätze sind nicht das einzige Problem. Laut Studie werden 77 Prozent der Kita-Kinder in Berlin in Gruppen betreut, deren Personalausstattung nicht kindgerecht ist - bundesweit liegt der Wert bei 68 Prozent. In den Krippengruppen liegt der Personalschlüssel bei 1 zu 5,1. Das bedeutet, dass eine Kita-Kraft in Vollzeit für mehr als fünf Kinder verantwortlich ist. Das sei deutlich ungünstiger als der Bundeswert von 1 zu 3,9 und verfehle auch das von der Bertelsmann Stiftung empfohlene Verhältnis von 1 zu 3.

Berlin: Für die fehlenden Kita-Plätze sind weitere 20.400 Kräfte nötig

In den Kindergartengruppen sei der Personalschlüssel mit 1 zu 7,7 besser als der Bundeswert von 1 zu 8,4 und nah an dem empfohlenen Wert der Bertelsmann Stiftung (1 zu 7,5). Um die empfohlene Betreuung zu gewährleisten, seien zusätzlich zu den 3800 Kräften für die fehlenden Kita-Plätze weitere 20.400 Kräfte nötig. Die entstehenden zusätzlichen Personalkosten für alle 24.200 Fachkräfte bezifferte Bertelsmann auf rund 1,1 Milliarden Euro jährlich.

„Die größte Hürde auf dem Weg zu genügend Plätzen sowie kindgerechten Personalschlüsseln in den Kitas bleibt der Fachkräftemangel“, sagt Kathrin Bock-Famulla, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung. Das aktuelle Ländermonitoring zeige, dass auch im nächsten Jahr in Berlin viele Familien Schwierigkeiten bei der Betreuung ihrer Kinder haben werden: „Schon das fehlende Personal für den notwendigen Platzausbau ist bis 2023 nicht zu gewinnen und zu qualifizieren.“ Für eine bessere Personalausstattung seien noch mehr Fachkräfte zusätzlich erforderlich.

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Rechtsanspruch auf Kitaplatz lässt sich vielerorts nicht einlösen 

Den Berechnungen zufolge fehlen deutschlandweit bis zu 383.600 Kitaplätze. Vor allem westdeutsche Länder könnten den Betreuungsbedarf noch nicht decken, teilte die Bertelsmann-Stiftung in einer am Donnerstag veröffentlichten Berechnung für das sogenannte Ländermonitoring frühkindliche Bildungssysteme mit. Demnach fehlen im Westen 362.400 Plätze, im Osten 21.200. Um den Betreuungsbedarf zu decken, müssten im Westen zusätzliche 93.700 Fachkräfte eingestellt werden, im Osten 4900.

Am größten ist der Mangel mit 101.600 fehlenden Plätzen in Nordrhein-Westfalen. In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen hingegen ist kein Platzausbau nötig. In den Stadtstaaten ist die Situation sehr unterschiedlich. Während die Unterversorgung in Berlin sieben Prozent beträgt, liegt sie in Bremen bei 13 Prozent und in Hamburg bei drei Prozent.

„Trotz des massiven Kitaausbaus in den vergangenen Jahren finden noch immer zu viele Eltern keinen Platz für ihre Kinder“, erklärte Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung. Das sei in doppelter Hinsicht untragbar. Denn auch Kindern werde ihr Recht auf professionelle Begleitung in der frühen Bildung vorenthalten. „Schon jetzt ist abzusehen, dass sich der gesetzlich verankerte Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung auch 2023 vielerorts nicht einlösen lässt“, erklärte Stein.

Mehr Personal für bessere Arbeitsbedingungen

Die Bertelsmann-Stiftung forderte Länder und Kommunen dazu auf, den Kitaplatzausbau voranzutreiben. Die zusätzlichen Mittel aus dem Kitaqualitätsgesetz reichten nicht aus. Der Bund müsse in größerem Umfang in die dauerhafte Finanzierung des Kitasystems einsteigen. Zudem müssten schnell mehr Fachkräfte gewonnen werden. „Mit mehr Personal verbessern sich die Arbeitsbedingungen für alle“, erklärte Stein.

Damit mittelfristig eine bessere Personalausstattung möglich sei, brauche es eine verbindliche Strategie, wie zukünftig mehr und qualifiziertes Personal hinzukommen werde. Hilfreich dafür könnten nach Ansicht der Stiftung verankerte Stufenpläne sein. Sie schlug zudem die zusätzliche Beschäftigung von Hauswirtschaftskräften vor, um das Personal in Kitas zu entlasten. Die Anforderungen an das Personal ließen sich nicht mit der aktuellen Personalbemessung umsetzen.

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