Wohnen

Deutschland hat die niedrigste Eigentumsquote der EU – diese Generation ist besonders betroffen

Der Anteil der Haushalte in Deutschland, die im eigenen Zuhause leben, ist auf den niedrigsten Wert seit über zwei Jahrzehnten gefallen. Damit liegt die Bundesrepublik im EU-Vergleich am Ende.

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Deutschland hat die niedrigste Eigentumsquote der EU.

Deutschland hat die niedrigste Eigentumsquote der EU.

© Werner Dieterich

Der Anteil privater Haushalte in Deutschland, die im eigenen Zuhause wohnen, ist im vergangenen Jahr auf 43,5 Prozent gesunken. Das teilte das Pestel-Institut für Wohnungsmarktforschung mit. Es handelt sich um den niedrigsten Wert seit mehr als 20 Jahren und zugleich um die geringste Quote aller EU-Staaten. Die Untersuchung wurde von der Unternehmensstiftung der Bausparkasse Schwäbisch Hall in Auftrag gegeben.

Besonders die jüngere Generation lebt der Studie zufolge selten in den eigenen vier Wänden. Von den 25- bis 45-Jährigen wohnen nahezu drei Viertel zur Miete. Diese Gruppe sei von den hohen Immobilienpreisen besonders betroffen.

Regional zeigen sich klare Unterschiede: Die niedrigsten Eigenheimquoten finden sich in Großstädten und Ballungsräumen, allen voran im Ruhrgebiet. Zudem gibt es ein Ost-West- sowie ein Nord-Süd-Gefälle. Im Westen ist der Anteil der Eigentümerhaushalte tendenziell höher als im Osten, die höchsten Quoten weist Süddeutschland auf. Zwischen Ost und West beobachtet das Pestel-Institut allerdings eine Angleichung.

Deutschland auf dem vorletzten Platz in Europa

Im europäischen Vergleich rangiert die Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz. Nur in der Schweiz, die nicht der EU angehört, ist der Anteil noch geringer. Auch Österreich weist einen eher niedrigen Wert auf, liegt aber über dem deutschen Niveau. Ebenfalls unterdurchschnittliche Werte verzeichnen Dänemark, Frankreich, Luxemburg und Schweden. Die höchsten Quoten – teils mehr als 90 Prozent – erreichen osteuropäische Staaten wie die Slowakei, Rumänien, Kroatien, Ungarn, Polen und Litauen.

„Die hohen Wohneigentumsquoten in einigen osteuropäischen Ländern beruhen sicher noch immer auf den umfangreichen Verkäufen von staatlichen Wohnungen an die bisherigen Mieter nach der Auflösung des Sowjetimperiums um 1990“, erklärte das Institut. Einen klaren Zusammenhang zwischen Wohneigentumsquote und Wirtschaftskraft eines Landes sehen die Forschenden nicht.

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Baukosten und Politik als Ursachen

Als Ursache für den Rückgang in Deutschland nennt das Pestel-Institut zum einen die stark gestiegenen Herstellungskosten für Wohnungen. Seit dem Jahr 2000 hätten sich diese um 160 Prozent erhöht, während die allgemeinen Verbraucherpreise nur um 64 Prozent gestiegen seien. Zum anderen kritisiert Studienautor Matthias Günther die Regierungspolitik – etwa die Abschaffung des Baukindergelds im Jahr 2021 sowie die steuerliche Bevorzugung von Immobilienkrediten für vermietetes Eigentum gegenüber selbst genutzten Immobilien.

Instituts-Leiter Günther bewertet die Entwicklung als problematisch. „Selbst dort, wo die Kaufpreise für Immobilien stagnieren oder sinken, sind sogar Doppelverdiener mit Durchschnittseinkommen kaum in der Lage, sich eigene vier Wände zuzulegen“, so Günther. Auch Mike Kammann von der Schwäbisch-Hall-Stiftung sprach von einem „Alarmsignal, das der Staat nicht länger ignorieren darf“.

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