Sie sollte die erste Shopping-Adresse im Ostteil der Stadt werden und sogar dem Kudamm Konkurrenz machen. So hatten sich das die Händler in der Friedrichstraße vorgestellt, doch die Entwicklung ist anders gelaufen. Statt in der Friedrichstraße gehen die Leute eher am Alexanderplatz einkaufen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des FfH-Instituts für Markt- und Wirtschaftsforschung, die der Berliner Verlag in Auftrag gegeben hat. 4 000 Berliner wurden von Mai bis Juli 2000 zu ihren Einkaufsgewohnheiten befragt. Sie sollten bei jeder der für die Untersuchung ausgewählten Straßen sowie jedem Einkaufszentrum angeben, ob sie dort häufig, gelegentlich, selten oder nie einkaufen. Danach ist der Kurfürstendamm mit der Tauentzienstraße immer noch die am meisten besuchte Einkaufsstraße in Berlin, 47 Prozent der Befragten kaufen hier ein, 56 Prozent der West-Berliner und 34 Prozent der Ost-Berliner. Auf Platz zwei folgt der Alexanderplatz mit 39 Prozent. Bei den Bewohnern der östlichen Bezirke steht er mit 64 Prozent sogar an der Spitze. Die Friedrichstraße erzielt hinter der Schloßstraße, der Wilmersdorfer Straße und dem Potsdamer Platz mit 26 Prozent nur den sechsten Platz. Dass der Alexanderplatz auf dem zweiten Platz gelandet ist, hat den Institutsleiter Rolf Spannagel selbst überrascht. Schließlich gebe es auf dem Platz praktisch nur ein Kaufhaus und in den östlichen Bezirken mangele es auch nicht an Einkaufsflächen. Der Marktforscher versucht, das Ergebnis mit der günstigen Lage des Platzes zu erklären. "Er ist ein Verkehrsknotenpunkt. Jeder, der dort umsteigt, kauft etwas ein." Außerdem sei der Alex mit dem früheren Zentrum-Warenhaus über die Jahre zu dem Einkaufsplatz der Ost-Berliner geworden. Eine weitere Überraschung war für Spannagel der fünfte Platz, den der Potsdamer Platz erreicht hat. Dies sei ein beachtlicher Erfolg, wurden die Potsdamer Platz Arkaden doch erst Ende 1998 eröffnet. Spannagel vermutet daher, dass die Leute nicht in erster Linie zum Kaufen, sondern zum Gucken an den Potsdamer Platz kommen. Dass die Friedrichstraße nur Platz Nummer sechs einnimmt, hatte Spannagel hingegen erwartet. Mit einer Verkaufsfläche von 45 000 Quadratmetern könne die Friedrichstraße nicht mit dem Kudamm und der Tauentzienstraße konkurrieren, die 200 000 Quadratmeter aufweisen. "Außerdem ist die Friedrichstraße keine echte Einkaufsstraße, in der es alles gibt." So würden die Galéries Lafayette kein Vollsortiment anbieten. Das sagt auch Dorothee Stöbe, die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Friedrichstraße. "Wir haben kein Kaufhaus, wo sich die Leute jeden Tag ihre Brötchen kaufen." Die Berliner würden regelmäßig in die Friedrichstraße kommen. Aber nicht jede Woche. "Wer den Anzug für 4 000 Mark verkauft, ist nicht auf so viele Kunden angewiesen", sagt sie. Die Händler in der Friedrichstraße haben ihr Konzept geändert. Anstatt dem Kudamm den Rang abzulaufen, soll sich die Friedrichstraße als Shoppingmeile mit hochwertigen Geschäften profilieren. Als Kunden sollen auch die Touristen der umliegenden Grand Hotels angesprochen werden. Spannagel hält dieses Konzept für erfolgreich. "Die Friedrichstraße hat ihre Marktnische gefunden", sagt er. Dass sich dort demnächst weitere Designer wie Boss und Hermès niederlassen, bestätigt diese Einschätzung.Die Friedrichstraße mag ihre Nische gefunden haben, andere Einkaufsstraßen wie die Schloßstraße oder die Wilmersdorfer Straße werden es in Zukunft schwer haben, sagt Spannagel. "Die Einkaufszentren werden ihnen die Kaufkraft abziehen." Sie sind in der Studie ebenfalls untersucht worden. Das Ergebnis: In Berlin werden das Forum Steglitz sowie das Europa-Center am häufigsten besucht, jeder Dritte der Befragten kauft dort ein. Im Umland ist bei den Berlinern das Einkaufszentrum in Waltersdorf (18 Prozent) am gefragtesten. Einzig Kudamm und Alex müssten diese Konkurrenz nicht fürchten. Der Kudamm habe sich über die Jahrzehnte hinweg etabliert, und der Alex würde durch die geplante Bebauung als Einzelhandelsstandort aufgewertet. Spannagel: "Kudamm und Alex sind zum Erfolg verurteilt." Die Studie kann im Berliner Verlag, 10171 Berlin, angefordert werden.Je näher, desto besser // Das FfH-Institut für Markt- und Wirtschaftsforschung ist aus der Forschungsstelle für den Handel hervorgegangen und fertigt Standort- sowie Grundsatzuntersuchungen, etwa über Einkaufsflächen in den neuen Bundesländern, an. Auftraggeber sind die Senatsverwaltungen, der Einzelhandelsverband oder private Unternehmen.Die Studie über die beliebtesten Einkaufsstraßen zeigt nach Angaben von Institutsleiter Rolf Spannagel, dass die Nachwende-Erkenntnis "West-Berliner kaufen nicht in Ost-Berlin" nicht mehr uneingeschränkt stimmt: 39 Prozent der West-Berliner besuchen Einkaufstraßen in den östlichen Bezirken, während 71 Prozent der Ost-Berliner im Westteil einkaufen.Die Mehrzahl der Berliner gibt den Einkaufsstätten den Vorrang, die für sie gut zu erreichen sind. Eine Ausnahme bilden in der City West der Kudamm und in der City Ost der Alexanderplatz. Die Anziehungskraft dieser Standorte ist ungebrochen.BLZ/KARL-HEINZ DÖRING; QUELLE: FFH-INSTITUT Die beliebtesten Einkaufsstraßen in Berlin: In der Steglitzer Schlossstraße kaufen mehr Berliner ein als in der zentral gelegenen Friedrichstraße.
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