Die Schafhaltung für die Herstellung von Wolle hat in England bereits im frühen siebten Jahrhundert an Bedeutung gewonnen - und damit früher als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch in der Fachzeitschrift PLOS One erschienene Studie. Ausgewertet wurden 701 Bestände an Tierknochen aus 460 Fundorten in England für den Zeitraum von 400 bis 1400 unserer Zeitrechnung.
Die Autoren um Matilda Holmes von der Universität Leicester nutzten dafür Daten des Forschungsprojekts „Feeding Anglo-Saxon England“. Sie konzentrierten sich auf Rinder und Schafe, da diese Tiere nach Angaben der Studie die größte Rolle in der damaligen Tierhaltung spielten.
Römische Praxis hielt sich lange
Einzelne Höfe setzten die römischen Bewirtschaftungsmethoden noch das gesamte fünfte Jahrhundert hindurch fort, heißt es in der Untersuchung. Ein Zuwachs bei der Wollerzeugung sei dann ab dem frühen siebten Jahrhundert erkennbar.
Der Einsatz eigens zum Ziehen von Pflug und Wagen gehaltener Rinder lasse sich ab dem neunten Jahrhundert nachweisen und habe im elften und in der Mitte des zwölften Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht.
Danach ging die Nutzung von Rindern als Zugtiere den Autoren zufolge zurück. Grund seien eine steigende Nachfrage nach Milch und Rindfleisch sowie der verstärkte Einsatz von Pferden im Ackerbau gewesen.
Bevölkerung wuchs auf sechs Millionen
Die Forscher ordnen die Veränderungen in eine Zeit starken Bevölkerungswachstums ein. Nach ihren Angaben stieg die Einwohnerzahl Englands von rund einer Million Menschen in der nachrömischen Zeit auf etwa 1,7 bis 2,5 Millionen im elften Jahrhundert und rund sechs Millionen im 14. Jahrhundert.
Der wachsende Bedarf an Nahrung habe eine Anpassung der Tierhaltung erzwungen, um Fleisch, Fett und Milch bereitzustellen und den Ackerbau auszuweiten.
Bisherige Auswertungen archäologischer Tierknochenfunde hätten sich meist auf einzelne Regionen oder kurze Zeitabschnitte beschränkt, schreiben die Autoren. Für die neue Analyse setzten sie ein statistisches Verfahren ein, das Fundbestände nicht starren Epochen zuordnet.
Damit ließen sich Übergänge in der Nahrungsproduktion genauer datieren, ohne auf Begriffe wie „frühes Sachsen“ oder „hohes Mittelalter“ zurückgreifen zu müssen.
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