Stüler statt Schnäppchen

Jan Thomsen
2 Min

JAN THOMSENglaubt fest an den hochentwickelten Kunstsinn des Berliners an sich.------------------------------An diesem Wochenende kann der Berliner an sich endlich belegen, dass er nicht nur ein Konsumwesen ist - ein Schnäppchenjunkie, ein homo mediamarktus. Denn daran lag es doch, dass alle immer in die Konsum- statt in die Kulturtempel hetzen: In Berlin eröffnet ein Einkaufszentrum nach dem nächsten, aber das Gute und Schöne, nach dem wir so lechzen, kommt zu kurz: Die Staatsoper bröckelt, das Humboldt-Forum ist nur eine Idee, die Museumsinsel harrt ihrer Vollendung.Was bleibt einem denn da auch anderes übrig als Frustkäufe in den Malls dieser Stadt - wie vorige Woche in der "Alexa"? Mit Platzangstanfällen und Kreislaufzusammenbrüchen, mit zerstörten Glastüren und ruinierten Rolltreppen. Derlei Massenauflauf kann doch nur zustande kommen, weil der an sich feinsinnige Berliner sein hochentwickeltes Kulturinteresse immer noch nicht ausreichend befriedigen kann. Doch es gibt Hoffnung.Sie lautet: Stüler und Chipperfield statt Hennes und Mauritz. Von Sonnabend bis Montag wird das Neue Museum auf der Museumsinsel, das soeben Richtfest gefeiert hat, für Besucher von zehn bis 18 Uhr geöffnet. Und das sind die Schlagzeilen, die wir nächste Woche lesen wollen: Stüler-Bau von Kulturenthusiasten gestürmt - Andrang schlägt alle Rekorde - Berliner erobern Neues Museum zurück - Kritische Rekonstruktion fasziniert Tausende. Im Übrigen: Die Malls haben am Montag auch nach 18 Uhr noch geöffnet. Seite 20

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