Südkorea hat im Mai im Handel mit China einen Überschuss von 3,8 Milliarden US-Dollar erzielt. Das berichtete die in Hongkong erscheinende Zeitung South China Morning Post am Mittwoch unter Berufung auf Daten des südkoreanischen Ministeriums für Handel, Industrie und Ressourcen. Noch im Dezember 2025 hatte Südkorea gegenüber seinem größten Handelspartner ein Defizit von 764 Millionen Dollar verbucht. Im Februar schlug die Bilanz erstmals in einen Überschuss von 1,1 Milliarden Dollar um.
Treiber der Entwicklung sind nach Angaben des Ministeriums die Halbleiterausfuhren. Die Lieferungen von Chips nach China legten im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 243 Prozent zu. Südkoreas gesamte Halbleiterexporte in alle Länder stiegen nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap im selben Zeitraum um 169,4 Prozent auf 37,16 Milliarden Dollar.
Rekordausfuhren durch Nachfrage nach KI-Speichern
Insgesamt erreichten Südkoreas Exporte im Mai laut Ministerium einen Rekordwert von 87,75 Milliarden Dollar, ein Plus von 53,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Halbleiter machten damit erstmals mehr als 40 Prozent der Gesamtausfuhren aus. Wie die englischsprachige Tageszeitung Korea JoongAng Daily berichtete, überschritt der kumulierte Handelsüberschuss in den ersten fünf Monaten bereits die Marke von 100 Milliarden Dollar und übertraf damit den bisherigen Jahresrekord.
Die weltweite Nachfrage nach Speicherchips für Server mit Künstlicher Intelligenz hat laut South China Morning Post zu deutlichen Preissteigerungen geführt. Unter Berufung auf die US-Bank Morgan Stanley berichtete die Zeitung, die Preise für 16-Gigabit-DDR5-Speicherchips seien um 682 Prozent gestiegen, jene für NAND-Flash-Speicher um 807 Prozent. Auch die Computerausfuhren legten um 290,7 Prozent auf 4,18 Milliarden Dollar zu, getragen von der Nachfrage nach SSD-Speichern für KI-Server.
Konkurrenz aus China rückt näher
Südkoreas Lage hebt sich nach Darstellung der South China Morning Post von anderen ostasiatischen Volkswirtschaften ab. Japan habe inzwischen ein Rekorddefizit im China-Handel von 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, schrieb Marcel Thieliant vom Wirtschaftsforschungsinstitut Capital Economics in einer Analyse vom 18. Mai. Auch Taiwans Handelsbilanz mit Festlandchina sei in diesem Jahr ins Minus gerutscht.
Troy Stangarone vom Korea Economic Institute of America, einem auf Korea spezialisierten Forschungsinstitut in Washington, sagte der Zeitung, der Vorsprung Südkoreas dürfte mittelfristig durch heimische chinesische Anbieter wie ChangXin Memory Technologies schmelzen. Diese würden voraussichtlich Marktanteile von südkoreanischen Lieferanten übernehmen.
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