Ukraine-Krieg

Trotz Unterstützung für Ukraine: Russland bekommt offenbar Kraftstoff aus Südkorea

Eine Recherche zeigt umfangreiche Kraftstofflieferungen aus südkoreanischen Häfen nach Russland. Einige Tanker gaben zuvor andere Reiseziele an.

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Der Hafen von Yeosu in Südkorea. Vor der Küste wurde laut Guardian Kraftstoff auf einen sanktionierten Tanker umgeladen, der anschließend nach Russland fuhr.

Der Hafen von Yeosu in Südkorea. Vor der Küste wurde laut Guardian Kraftstoff auf einen sanktionierten Tanker umgeladen, der anschließend nach Russland fuhr.

© Dreamstime Advenshot/imago

Aus südkoreanischen Häfen sind laut einer Recherche des britischen Guardian große Mengen Kraftstoff auf teils sanktionierten Tankern nach Russland gelangt. Im Juli und August wurden demnach mehr als 176.000 Tonnen, überwiegend Diesel, auf sieben Schiffe verladen. Diese absolvierten laut der Auswertung von Hafenunterlagen und Schiffsbewegungen 14 Fahrten in den russischen Fernen Osten. Drei der Tanker standen nach Angaben der Zeitung unter britischen und europäischen Sanktionen.

Die Lieferungen erfolgen vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien, die Moskaus Kraftstoffversorgung beeinträchtigen. Südkorea unterstützt zugleich die Ukraine mit humanitärer Hilfe und militärischer Ausrüstung wie Schutzwesten und Minenräumfahrzeugen.

Bericht: Tanker meldeten Japan und Singapur als Ziele

Der sanktionierte Tanker Layla transportierte laut Guardian auf zwei Fahrten von Ulsan nach Wladiwostok insgesamt 57.000 Tonnen Diesel. Bei der ersten Abfahrt am 19. Juli gab er Wladiwostok als Ziel an. Bei der zweiten am 10. August meldete er dagegen den japanischen Hafen Niigata, fuhr aber erneut nach Russland.

Auch der unter russischer Flagge fahrende Tanker Astoria habe Japan als Ziel angegeben, bevor er nach Wladiwostok fuhr. Er lud dem Bericht zufolge am 1. August in Ulsan knapp 11.000 Tonnen Kraftstoff.

Der Tanker Chongchon übernahm dem Guardian etwa 26.000 Tonnen von einem anderen Schiff an einem Ankerplatz vor Yeosu. Anschließend fuhr er laut der Recherche nach Wladiwostok, obwohl er Singapur als Ziel angegeben hatte. Solche Umladungen auf See können die Herkunft einer Fracht verschleiern. Wer den Kraftstoff besaß oder verkaufte, geht aus den Hafenunterlagen nicht hervor. Eigentümer und Betreiber der beteiligten Schiffe beantworteten die Anfragen der Zeitung nicht.

Frühere Recherche bestätigt Lieferweg

Bereits am 7. August hatte Reuters über knapp 30.000 Tonnen raffinierte Kraftstoffe berichtet, die Ende Juli in Südkorea für Russland geladen wurden. Die Agentur stützte sich auf Daten der Schiffsanalysedienste Kpler und Vortexa sowie Angaben aus Handelskreisen. Zwei Quellen nannten Diesel, eine zusätzlich Flugzeugtreibstoff.

Das Centre for Research on Energy and Clean Air beschreibt in seiner August-Analyse ebenfalls steigende russische Kraftstoffimporte aus Südkorea und Indien. Ukrainische Raffinerieangriffe zwängen Russland dazu, Produkte einzuführen, die es zuvor selbst hergestellt habe. Dadurch entstünden zusätzliche Transport- und Versicherungskosten.

Kritik an Südkoreas Umgang mit den Sanktionen

CREA-Analyst Isaac Levi kritisierte die Lieferungen gegenüber dem Guardian. Dass EU-sanktionierte Tanker in südkoreanischen Häfen Kraftstoff laden und nach Russland bringen konnten, untergrabe das Sanktionssystem und Südkoreas Unterstützung für die Ukraine.

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Nach Einschätzung des Guardian scheinen die Transporte allerdings nicht gegen südkoreanisches Recht zu verstoßen. Die Maßnahmen Seouls gegen Russland bestehen vor allem aus Exportkontrollen für Güter, die militärisch genutzt werden könnten. Westliche Sanktionen gegen ein Schiff bedeuten nicht automatisch, dass dessen Nutzung auch in Südkorea verboten ist.

Das südkoreanische Außenministerium ging gegenüber der Zeitung nicht auf die konkreten Lieferungen ein. Es erklärte, Seoul unterstütze internationale Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs und setze seine Exportkontrollen strikt durch.

Streit über nordkoreanische Kriegsgefangene

Die Beziehungen zwischen Seoul und Kiew sind derzeit bereits durch einen Streit über zwei nordkoreanische Kriegsgefangene belastet. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung warf der Ukraine vor, deren Überstellung nach Südkorea entgegen einer Geheimhaltungsvereinbarung öffentlich gemacht zu haben.

Am Freitag drohte er auf X mit weiteren Maßnahmen, sollte Kiew die Vereinbarung weiterhin bestreiten und eine öffentliche Entschuldigung verweigern. Ukrainische Vertreter bestreiten laut Reuters, dass eine solche Absprache existierte. Außenminister Andrij Sybiha sprach von einem diplomatischen Missverständnis und bemühte sich um eine Entschärfung.

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