Süße Hüpfer

Birgitt Eltzel
2 Min

Bei Frank Ochmann kommen nicht nur Steaks und Filets in die Pfanne, sondern auch Riesenmehlwürmer, Heimchen, Grillen und Heuschrecken. Der 37-Jährige ist Küchenchef vom Restaurant Soda in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg.Wie wird man denn Insektenkoch?Eine spezielle Ausbildung dafür gibt es nicht. Ich bin seit 20 Jahren Koch, war weltweit in der gehobenen Gastronomie tätig. Ich bereite alle gängigen Gerichte. Das mit den Insekten habe ich von einem früheren Kollegen übernommen. Dann habe ich ein wenig experimentiert und vor kurzem die Speisekarte um vier Gerichte erweitert.Warum sollte man Insekten essen?Etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung haben Insekten fest auf ihrem Speiseplan. Sie sind nährstoffreich, enthalten viele Eiweiße und Proteine. Und weil sie wenig Kalorien haben, wird man auch nicht dick davon.Aber sie sind eklig.Nur für den, der sie noch nie probiert hat. Grillen und Grashüpfer sind sauber. Sie ernähren sich nur von frischen Pflanzen, beispielsweise von Gurken und Tomaten. BSE oder Schweinepest ist da kein Thema, auch keine Futtermittelskandale. Unsere Insekten sind außerdem Zuchttiere aus einem geprüften Handel.Trotzdem ist die Vorstellung, Riesenmehlwürmer zu verzehren, nicht angenehm.Haben Sie s schon mal probiert? Die sind richtig lecker, haben so einen nussigen Geschmack. Aber für den Einsteiger empfehlen sich eher die Heuschrecken, entweder als Bounty in einem Kokos-Knuspermantel frittiert oder als "süße Hüpfer" im Schokomantel. Das verlangen auch die meisten unserer Gäste.Wollen denn viele Leute das Krabbelzeug?Etwa 15 bis 20 Prozent unserer Kunden. Und die Nachfrage steigt. Immerhin sind wir deutschlandweit mit diesem Angebot fast konkurrenzlos. Sogar aus Hamburg kommen Reservierungswünsche.Hat schon mal jemand das Gericht zurückgehen lassen?Nein. Wer Insekten bestellt, weiß schon, worauf er sich einlässt. Es muss nur vorher durch den Kopf - schließlich isst man ja auch Austern, also rohe Muscheln, und Shrimps.Kommen die Tiere lebend in die Pfanne?Natürlich nicht, da hätten wohl auch Tierschützer etwas dagegen. Sie werden tiefgefrostet. Da schlafen sie erst ein und dämmern dann dem Tod entgegen. Erst dann werden sie für die Zubereitung fertig gemacht. Bei Heuschrecken beispielsweise müssen die Sprungbeine entfernt werden. Die haben nämlich Widerhaken, das könnte beim Schlucken Probleme geben.Essen Sie selbst auch Insekten?Ja, wie meine ganze Familie. Aber nur im Restaurant. Zu Hause kommen sie nicht auf den Tisch. Wir bevorzugen schlichte Hausmannskost. Da gibt es auch mal Fischstäbchen mit Pommes oder Spagetti für die Kinder. Das Gespräch führte Birgitt Eltzel.BLZ/LAUTENSCHLÄGER Frank Ochmann Küchenchef

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