Ist Ihnen der Job als Moderatorin des "Nachtjournals" angeboten worden oder haben Sie "Hier" gerufen?Gerufen habe ich nicht. Ich habe nur vor einiger Zeit signalisiert, dass ich gerne mal etwas anderes machen würde. An das "Nachtjournal" habe ich aber nicht gedacht. Dann bin ich gefragt worden und habe mich gefreut.Was hat Sie gereizt, diese Sendung zu moderieren?Ich habe jetzt sieben Jahre lang gern bei "RTL aktuell" gearbeitet, aber im Hinterkopf behält man natürlich immer den Wunsch, Themen etwas genauer, tiefer anzugehen. Mit zu entscheiden, welche Aspekte einer Nachricht in den Vordergrund gerückt werden sollten.Der damalige RTL-Chef Helmut Thoma hat zu Heiner Bremer einst gesagt "Sie sind mein Hajo Friedrichs. " Hat Hans Mahr nun zu Ihnen "Sie sind meine Anne Will" gesagt?Er hat gesagt: "Sie sind meine Frau Kronzucker" Das war damals ein guter Slogan - ich komme jetzt ohne.Die Kollegin Anne Will hat gesagt, in dieser Funktion würde man viel lernen, aber wenig erleben - fürchten Sie diese Erfahrung?Ich bin da ganz die Tochter meines Vaters. Der hat die Sendungen aus dem Studio gerne gemacht, aber immer nach einiger Zeit gesagt: "Ich kann das nicht mehr, ich muss jetzt wieder raus!" Das bleibt abzuwarten, aber als Mutter von zwei Kindern bin ich erstmal ganz zufrieden, dass ich einen Schreibtischjob habe.Haben Sie Schnuppertage beim Kollegen Bremer absolviert?Das habe ich in den letzten Wochen verstärkt getan. Der Heiner ist ein großer Journalist. Was viele andere kritisiert haben, gefiel mir gerade immer an ihm, nämlich diese puristische Art, mit Nachrichten umzugehen.Wie persönlich darf denn eine News-Moderatorin sein?Man kann seine Persönlichkeit ja nicht vollständig vor der Studiotür ablegen. Ich habe auch eine Mimik, die ich nicht aufgebe, wenn eine Kamera vor mir steht. Da werde ich mir auch erlauben, mal etwas ironisch zu blicken. Was ich nicht mag, ist der Moderator, der seine Souveränität verliert.Träumen Sie davon, in zehn Jahren eine eigene politische Talkshow zu haben?Nein, gewiss nicht. Ich träume davon, irgendwann mal gar kein Fernsehen zu machen, sondern zu schreiben. Aber nicht Bücher oder Essays, sondern für eine Wochenzeitung.Wie lange werden Sie denn Gefallen am "Nachtjournal" finden?In meinem Berufsleben war es bisher zum Glück so, dass etwa alle drei Jahre eine neue Aufgabe auf mich zukam, die ich auch wirklich wollte. Ich bin gerne mit einer Sache vertraut, aber ungern an eine Sache gewöhnt oder gar gefesselt. Die Ratschläge von Karrierestrategen sind mir da herzlich egal.Das Interview führte Helge Hopp.Foto: Susanne Kronzucker (38) moderiert von diesem Montag an, 0 Uhr, das "RTL-Nachtjournal". Sie löst Heiner Bremer ab, der die Sendung in zehn Jahren zu den quotenstärksten Spätnachrichten gemacht hat.
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