Memoiren

Sylvester Stallone gesteht mit 80: Bulimie und Steroide für den perfekten Rocky-Körper

Sylvester Stallone über den Tod seines Sohnes Sage und seine Rivalität mit Arnold Schwarzenegger – offene Worte zur Autobiografie „The Steps“.

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Sylvester Stallone 2019 bei der Abschlussgala der Filmfestspiele in Cannes. In seinen Memoiren „The Steps“ erzählt der heute 80-Jährige von Bulimie und einem gewalttätigen Vater.

Sylvester Stallone 2019 bei der Abschlussgala der Filmfestspiele in Cannes. In seinen Memoiren „The Steps“ erzählt der heute 80-Jährige von Bulimie und einem gewalttätigen Vater.

© Imago

Sylvester Stallone war bulimisch, als er „Rocky III“ drehte. Das erzählt der 80-Jährige jetzt im Interview mit der New York Times, fast beiläufig, zwischen zwei Anekdoten über seinen Vater.

Er sei damals so besessen von seiner Form gewesen, dass er kaum etwas bei sich behalten habe. Auch Steroide gibt er offen zu. Ohne solche Mittel komme niemand zu so einem Körper, behauptet er.

Anlass ist seine Autobiografie „The Steps“, benannt nach der Museumstreppe in Philadelphia, die Rocky 1976 hinaufsprintete. Sie erscheint am 29. September auf Englisch, eine deutsche Ausgabe ist angekündigt.

Neun Rücken-OPs: Stallones Preis für die Muskeln

Die Rechnung bezahlt er bis heute. Neun Rückenoperationen hat er hinter sich, dazu Eingriffe an Schulter und Halswirbelsäule.

Er werde nur noch von Draht zusammengehalten und schlucke viele Tabletten, um weiterzumachen. Seine Stunts würde er heute anderen überlassen.

Aufhören will er trotzdem nicht. Im Frühjahr drehte er die vierte Staffel seiner Mafia-Serie „Tulsa King“. Und noch immer steht er um fünf Uhr auf, um Text zu lernen, den er erst in einem Monat braucht.

Stallones Vater: Prügel wegen Brotaufstrich

Woher dieser Hang zur Selbstquälerei kommt, führt Stallone auf seine Kindheit zurück. Die Mutter verließ die Familie, als er etwa elf war. Er klammerte sich an ihr Bein, sie zog es einfach weg.

Der Vater, ein Polospieler mit großen Händen, schlug zu, sobald ihm etwas nicht passte. Einmal brachte der Junge Brotaufstrich statt Brot aus dem Laden mit. Der Vater trat ihn in den Bauch und fuhr zur Kirche.

Interviewerin Lulu Garcia-Navarro hält ihm vor, er nenne das alles hart, dabei klinge es schlicht kaputt. Stallone gibt ihr recht.

Noch finsterer wird es an der Devereux-Schule in Pennsylvania, einem Internat für schwierige Jugendliche. Wer sich nachts davonschlich, kam laut Stallone zur Strafe in eine geschlossene Psychiatrie-Abteilung. Dort sei er von einem Mitinsassen angegriffen worden.

Die Einrichtung ließ der Zeitung ausrichten, sie kenne das Buch nicht, nehme seine Schilderung aber ernst und bedaure jedes Trauma, an das er sich erinnere. Stallone zog damals seine eigene Lehre: Sein Herz könne man brechen, seinen Willen nicht.

Rocky-Dreh: Der Vater verpatzt den Gong

Hollywood wollte ihn zunächst nicht als Rocky. Seit einer Zangengeburt ist ein Teil seines Gesichts gelähmt, er nuschelte. Das Studio bot ihm immer mehr Geld, wenn er das Drehbuch ohne sich selbst verkaufe. Stallone hatte weniger als 100 Dollar auf dem Konto und lehnte ab.

Für den Schlusskampf besetzte er dann ausgerechnet seinen Vater als Zeitnehmer. Er habe gehofft, der Alte werde endlich stolz auf ihn sein.

Der Vater läutete die Glocke nicht rechtzeitig. Stallone und Filmgegner Carl Weathers boxten eine exakt einstudierte Runde immer weiter, bis die Szene im Streit endete.

Die Mutter Jackie schlug die Einladung zur Oscarverleihung aus und trat später als Promi-Wahrsagerin mit Turban auf. 1992 stritten sich die geschiedenen Eltern live in der Radioshow von Howard Stern.

Als er seine Mutter fragte, ob sie irgendetwas bereue, habe sie verneint. Stallone sagt über sich: „Aus all dem, was ich bereue, könnte ich eine Burg bauen.“

Schwarzenegger: Stallone träumte von seinem Rivalen

Ganz oben auf der Liste steht der Umgang mit Arnold Schwarzenegger. In den 80ern habe er es nicht ertragen, mit ihm im selben Raum zu sein. Der Österreicher sei ihm zu selbstsicher und zu gerissen gewesen.

Stallone vergleicht die Fehde mit Ali gegen Frazier und gibt zu, damals von Schwarzenegger geträumt zu haben. Heute sind beide befreundet, drehten gemeinsam „The Expendables“, Stallone machte sogar Wahlkampf für ihn.

Nach dem Oscar für „Rocky“ sei er ohnehin unerträglich geworden. Sogar vor Journalisten der Zeitung habe er getönt, „Madame Bovary“ hätte doch jeder schreiben können.

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Früher hätte er es mit ihm nicht in einem Raum ausgehalten: Stallone (r.) mit Arnold Schwarzenegger 2015 bei der „Terminator: Genisys“-Premiere in Hollywood.

Früher hätte er es mit ihm nicht in einem Raum ausgehalten: Stallone (r.) mit Arnold Schwarzenegger 2015 bei der „Terminator: Genisys“-Premiere in Hollywood.

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Tod von Sohn Sage: Ein Schrei nach einer Woche

Am schwersten wiegt der Verlust seines ältesten Sohnes. Sage Stallone starb 2012 mit 36 Jahren an einer unerkannten Herzerkrankung. Die Nachricht kam per Telefon, vom neuen Ehemann seiner Mutter, den er nie getroffen hatte.

Eine Woche lang habe er funktioniert. Dann sei, allein in seinem Zimmer, ein Schrei aus ihm herausgebrochen, wie er ihn nie wieder gehört habe.

Seit er 36 ist, plagen ihn zudem Panikattacken, etwa kurz vor Fernsehauftritten oder auf vollen Ausstellungen. Eine Therapie hat er nie gemacht.

Stallone mit 80: Reue wegen Rambo

Auch sein Werk sieht er kritisch. Rambo sei im ersten Film ein traumatisierter Vietnamveteran gewesen, später nur noch eine Comicfigur mit Muskeln. Das sei allein seine Schuld, Muskeln spielen falle eben leichter, als die Seele zu zeigen.

Die wahre Liebe habe er erst mit 70 gefunden, sagt der Vater von fünf Kindern über seine Frau Jennifer. Die durchschnittliche Lebenserwartung habe er schon überschritten, jetzt wolle er gutmachen, was noch geht.

Wer Stallone bisher für einen Muskelberg mit Sonnenbrille hielt, sollte dieses Gespräch lesen. Es ist das Ehrlichste, was er seit dem Zusammenbruch am Ende des ersten „Rambo“-Films gezeigt hat.

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