Flüchtlingsdebatte

Syrer in Deutschland: Warum gehen sie nicht zurück in ihre Heimat?

Bilder aus Damaskus und Tartus zeigen Mittelmeeridylle, es gibt also durchaus eine Möglichkeit, in Syrien menschenwürdig zu leben. Man fragt sich, warum noch fast eine Million Syrer hier sind.

4 Min
Lebendig: Die Altstadt der syrischen Metropole Damaskus

Lebendig: Die Altstadt der syrischen Metropole Damaskus

© john wreford/Imago

Menschen sitzen in den Straßencafés in der Altstadt von Damaskus, trinken, essen, lachen – Aufnahmen, die man für Impressionen aus einem x-beliebigen Ferienort am Mittelmeer halten könnte. Auch die Hafenstadt Tartus wirkt entspannt: Strand, Urlaub, Alltag. Das ZDF zeigte diese Bilder Ende August in einem Beitrag mit dem Titel „Syrien zwischen Trümmern und Tourismus“ und schrieb dazu, Tartus liege „weit entfernt von den aktuellen Konfliktregionen des Landes“.

Wer vor Krieg flieht, bekommt Schutz

Dieser eine Satz sagt mehr über die Situation in Syrien aus als manche Grundsatzrede, die in Berlin zur Lage des Landes am östlichen Mittelmeer gehalten wurde. Natürlich ist Syrien nicht über Nacht ein sicheres Ferienland geworden, es gibt weiterhin Gewalt, regionale Konflikte und Gefahren für Minderheiten. Aber ebenso offensichtlich ist: Syrien ist nicht mehr das Land, das es während des Bürgerkriegs war. Nur in der deutschen Debatte tut man weiterhin so, als ob es unzumutbar wäre, nach Syrien zurückzukehren. Es ist auch viel bequemer, denn der Steuerzahler kommt ja auf für die Versorgung der Geflüchteten, von denen nur rund ein Drittel einer geregelten Arbeit nachgeht.

Dabei war der Grundsatz einmal selbstverständlich: Wer vor Krieg und Verfolgung flieht, bekommt Schutz, dieser ist aber seinem Wesen nach vorübergehend.

Für einen Teil der Syrer ist der Zeitpunkt nun näher gerückt: Die bereinigte Schutzquote lag 2025 nur noch bei 5,3 Prozent, 2026 lag die Gesamtschutzquote bei rund 19 Prozent. Das heißt nicht, dass vier von fünf Syrern sofort ausreisen müssten, aber es zeigt, wie drastisch sich die Lage seit dem Sturz Assads verändert hat.

Auch auf der politischen Bühne wird offen darüber gesprochen: Kanzler Merz verwies im März auf den Wunsch des syrischen Interimspräsidenten al-Scharaa, binnen drei Jahren sollten rund 80 Prozent der hier lebenden Syrer zurückkehren. Über die Urheberschaft dieser Zahl wurde gestritten, über die Notwendigkeit einer erheblichen Rückkehrbewegung immer weniger.

Und trotzdem kommt sie nur schleppend in Gang. Man hat den Eindruck, das Thema gelte als zu delikate Angelegenheit und werde unter den Tisch gekehrt, was natürlich der AfD zugutekommt. Zur Verdeutlichung: Seit dem Machtwechsel sind rund 1,6 Millionen Syrer aus den Nachbarstaaten heimgekehrt. Aus Deutschland wurden bis Ende Juni 2026 gerade einmal 4426 freiwillige Ausreisen registriert. Fast 9900 Syrer waren ausreisepflichtig, abgeschoben wurden ganze vier.

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Dabei ist auch die deutsche Gesellschaft nicht unendlich belastbar. Ende 2025 bezogen rund 444.000 syrische Staatsangehörige Grundsicherung, während etwa 317.000 erwerbstätig waren, davon 266.000 sozialversicherungspflichtig. Wer vor Folter und Krieg floh, hat Anspruch auf Schutz und eine faire Chance. Aber daraus darf kein dauerhafter Versorgungsanspruch werden, wenn der Schutzgrund entfallen ist. Schulen, Brücken, Wohnungen – jeder Euro lässt sich nur einmal ausgeben.

Vor allem aber: Wer soll Syrien wieder aufbauen, wenn diejenigen, die es könnten, dauerhaft in Deutschland bleiben? Das Land braucht Ärzte und Handwerker, Unternehmer und Ingenieure, Lehrer und Techniker – Menschen, die Wohnungen renovieren, Geschäfte eröffnen, Städte wiederbeleben. Diese Arbeit müssen die Syrer selbst leisten.

Natürlich: Wer konkret verfolgt wird, wem wegen Religion oder Herkunft Gefahr droht oder wer aus einer instabilen Region kommt – die Gewalt gegen Minderheiten an der Küste zeigt, dass solche Gefahren real sind –, braucht weiter Schutz, individuell geprüft. Etwas anderes ist die Fiktion, Syrien bestehe weiterhin aus einem einzigen großen Kriegsgebiet. Wenn Damaskus, Tartus und andere Landesteile wieder ziviles Alltagsleben ermöglichen, muss sich die deutsche Flüchtlingspolitik daran messen lassen. Die Frage ist nicht mehr, ob Syrien irgendwann sicher genug sein wird, sondern für wen und unter welchen Bedingungen eine Rückkehr heute schon möglich ist.

Wer in Deutschland Schutz fand, soll sich sicher fühlen dürfen, aber wenn der Schutzgrund entfällt, darf daraus kein stillschweigendes Dauerbleiberecht auf Kosten der Allgemeinheit werden.

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