Islamischer Staat

Syriens Regierung bestätigt Massenflucht Tausender Dschihadisten-Angehöriger

Syrien kämpft an zwei Fronten gegen Assad-Loyalisten und den IS. Nun flüchteten Tausende Dschihadisten-Angehörige. Gleichzeitig eskaliert die Gewalt im Westen und Osten des Landes.

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Das leere Al-Hol-Camp, das inzwischen von den syrischen Behörden im nordöstlichen Gouvernement Hasakeh Governorate geschlossen wurde.

Das leere Al-Hol-Camp, das inzwischen von den syrischen Behörden im nordöstlichen Gouvernement Hasakeh Governorate geschlossen wurde.

© Bakr Alkasem/AFP

Syriens Innenministerium hat eine Massenflucht von Angehörigen mutmaßlicher IS-Kämpfer aus dem berüchtigten Lager Al-Hol bestätigt. Gleichzeitig sieht sich die Übergangsregierung laut einem Bericht von Al-Jazeera mit koordinierten Angriffen sowohl von Assad-treuen Milizen an der Küste als auch vom IS im Osten des Landes konfrontiert.

Beim Eintreffen syrischer Regierungstruppen in Al-Hol seien „Fälle von kollektiver Flucht“ festgestellt worden, erklärte Ministeriumssprecher Noureddine al-Baba am Mittwoch vor Journalisten. Das Lager sei „willkürlich“ geöffnet worden, nachdem sich die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) im Januar „plötzlich“ und ohne Absprache mit den syrischen Behörden oder der internationalen Anti-IS-Koalition zurückgezogen hätten, wie die Nachrichtenagentur AFP den Sprecher zitiert. In der rund 17 Kilometer langen Außenbegrenzung des Lagers seien mehr als 138 Öffnungen entdeckt worden, die eine organisierte Flucht „mithilfe von Netzwerken“ ermöglicht hätten.

Tausende Frauen und Kinder entkamen demnach aus dem Lager. Die im Lager verbliebenen Menschen wurden laut Regierung in eine andere Einrichtung im Norden Syriens gebracht.

In Al-Hol, dem größten Lager für Familien von IS-Kämpfern in der Region, lebten zuletzt laut Damaskus rund 23.500 Menschen – überwiegend Syrer und Iraker sowie etwa 6500 Ausländer aus 44 Staaten. Das US-Militär hatte nach dem Einrücken der syrischen Regierungstruppen nach eigenen Angaben mehr als 5700 Insassen in den Irak verlegt, um deren weitere Überwachung sicherzustellen.

Tödliche Gefechte an der Küste und im Osten

Parallel zur Lage in Al-Hol eskalierte die Gewalt in anderen Landesteilen. In der Küstenprovinz Latakia, traditionell eine Hochburg der Familie al-Assad, kam es am Dienstag zu Gefechten zwischen Sicherheitskräften und der Miliz „Saraya al-Jawad“ (Al-Jawad-Brigaden). Laut dem staatlichen Sender Al-Ikhbariya wurde dabei mindestens ein Angehöriger der Sicherheitskräfte getötet. Ein führender Kommandeur der Miliz und zwei seiner Mitstreiter seien „neutralisiert“ worden.

Zeitgleich bekannte sich der IS am Dienstag zu Angriffen auf Sicherheitsposten in der Provinz Deir az-Zor. In Al-Mayadin wurde ein Soldat bei einem Hinterhalt getötet, in Al-Sabahiyah starben vier Sicherheitskräfte bei zwei aufeinanderfolgenden Angriffen auf einen Kontrollpunkt.

Innenminister Anas Khattab verknüpfte die Fronten in einer Erklärung auf X: „Überreste des vorherigen Regimes und der IS“ versuchten, „die Sicherheit des Landes zu untergraben und seine Erfolge anzugreifen“, schrieb er.

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Analysten sehen externe Einflussnahme

Der in Amman ansässige Sicherheitsexperte Brigadegeneral Munir al-Hariri sagte gegenüber Al Jazeera, das gleichzeitige Aufflammen der Gewalt sei „verdächtig“. Externe Akteure, insbesondere der Iran, könnten „schlafende Zellen“ innerhalb des früheren Geheimdienstapparats mobilisieren, um die neue Regierung als schwach darzustellen.

Der Damaszener Politikforscher Bassam al-Suleiman führt die Gewalt hingegen auf das Sicherheitsvakuum nach dem Machtwechsel und dem US-Truppenabzug zurück. Der IS nutze die „Sicherheitsimbalance“ aus, sagte al-Suleiman Al Jazeera Mubasher. Er warnte, die syrische Wüste – rund 40 Prozent der Landesfläche – könne ohne schnelles Handeln zu einem Rückzugsgebiet für Militante werden.

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