Neue Studie

T-rex-Baby wog 1,7 Kilo – und riss trotzdem schon große Beute

Ein Fußknochen eines Baby-Tyrannosaurus rex zeigt: Die Dino-Babys verließen das Nest früh und jagten selbst. So eine Studie im Fachjournal Biology.

4 Min
Nachbildung neugeborener Dinosaurier im Paläontologischen Museum von Cuenca in Kastilien-La Mancha, Spanien.

Nachbildung neugeborener Dinosaurier im Paläontologischen Museum von Cuenca in Kastilien-La Mancha, Spanien.

© Imago

Der Knochen lag jahrelang in einer Schublade im Royal Saskatchewan Museum in Kanada. Niemand wusste, was da eigentlich herumlag.

Bis Nicholas Longrich von der University of Bath ihn als Mittelfußknochen eines Tyrannosaurus rex erkannte, der noch kein Jahr alt geworden war. Anfang Juli hat er die Auswertung im Fachjournal „Biology“ veröffentlicht, zusammen mit Eric Snively von der Oklahoma State University, der zuvor die Füße erwachsener Rexe erforscht hatte.

Die Gelenkfläche am Ende dieses Knochens misst 8 mal 7,5 Millimeter. Ungefähr ein Daumennagel.

Und das Tier war damit bereits auf der Jagd.

Was der Synchrotron-Scan sichtbar machte

Die Forscher durchleuchteten den Knochen an einer Teilchenbeschleuniger-Anlage, Auflösung 4,4 Mikrometer. Wachstumsringe fanden sie keine, das Tier war also unter einem Jahr alt.

Dafür fanden sie etwas anderes: winzige Umbaukanäle im Knochengewebe. Solche Kanäle entstehen, wenn Knochen belastet wird. Durch Laufen.

Bei Embryonen im Ei gibt es das nicht. Dieses Baby war unterwegs, und zwar früh.

1,7 Kilo, 60 Zentimeter, schlechte Laune

Beim Schlüpfen wog ein T-rex nach den Berechnungen der Studie rund 1,7 Kilogramm. Das entspricht ungefähr einem Kaninchen.

Bis zu seinem Tod hatte das untersuchte Tier auf etwa 2,5 Kilogramm und 75 Zentimeter Länge zugelegt. Ein erwachsener Rex brachte bis zu 9500 Kilogramm auf die Waage. Das Baby war also weniger als ein Tausendstel seiner Eltern schwer.

Die dazugehörigen Zähne aus derselben Fundschicht erzählen den Rest. Ihre Spitzen sind abgeschliffen, der Zahnschmelz weggescheuert, das Dentin liegt frei.

Solche Abnutzung bekommt man nicht von Insekten. Sie passt zu Wirbeltieren von ordentlicher Größe – und zu Knochen. Snively formuliert es so, dass ein Tyrannosaurus in keiner Größe ungefährlich gewesen sei.

Das Skelett eines ausgewachsenen T-Rex in der Byers Lobby der Academy of Sciences

Das Skelett eines ausgewachsenen T-Rex in der Byers Lobby der Academy of Sciences

© Imago/Nicholas J. Klein

Das kurioseste Detail der Studie

Aus der Größe der Schlüpflinge lässt sich die Eigröße zurückrechnen: rund 2,5 bis 3,8 Kilogramm pro Ei.

Klingt gewaltig. Ist es aber nicht.

Denn ein Ei des ausgestorbenen Elefantenvogels von Madagaskar war schwerer. Und der Elefantenvogel wog keine 500 Kilogramm, der Rex bis zu 9500. Das größte Landraubtier der Erdgeschichte legte kleinere Eier als ein Laufvogel.

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Das Ei eines Elefantenvogels war größer als das des T-Rex.

Das Ei eines Elefantenvogels war größer als das des T-Rex.

© IMAGO/Daniel Heuclin / Avalon

Viele Kinder, wenig Aufwand

Ein Gelege umfasste nach den vorsichtigsten Modellrechnungen 20 bis 30 Eier. Die Autoren halten 50 oder sogar 100 nicht für ausgeschlossen. Kein einziges ihrer Modelle kommt auf kleine Gelege.

Das ist eine klare Strategie: viele Junge, wenig Investition pro Kopf. Biologen nennen das r-Selektion, Krokodile und Schildkröten machen es genauso.

Ganz allein blieben die Kleinen trotzdem vermutlich nicht. Snively vermutet eine Fürsorge im Stil heutiger Krokodile oder Strauße: Nest bewachen, den Nachwuchs eine Weile im Blick behalten. Gefüttert wurde er dabei aber nicht.

Und die Sterblichkeit war hoch. Die Studie nennt einen Grund, der zum Rex passt: Kannibalismus ist bei Tyrannosauriern belegt.

Der Cousin im selben Aufsatz

Beschrieben wird außerdem der Knochen eines geschlüpften Gorgosaurus libratus, eines verwandten Raubsauriers derselben Epoche.

Beide Babys wogen ungefähr gleich viel. Nur wurde aus dem Gorgosaurus später ein Tier von einem Viertel bis einem Drittel der Rex-Masse. Sein Gelege schätzen die Forscher auf etwa 15 Eier, was ihn eine Spur vogelähnlicher macht.

Und jetzt das Beste

Dieser Knochen wurde nicht ausgegraben. Er wurde gefunden – in einer Sammlung, in der er längst lag.

Fossilien von Baby-Tyrannosauriern gelten als extrem selten. Die Autoren vermuten, dass das auch daran liegt, dass niemand hinschaut. Kleine, unscheinbare Knochen werden im Feld übersehen oder landen unbestimmt im Magazin.

Für ein erwachsenes T-rex-Skelett wurden zuletzt 50 Millionen Dollar gezahlt. Was ein Baby brächte, will man sich lieber nicht ausrechnen.

Die Studie ist frei zugänglich.

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