Tage der jüdisch-muslimischen Leitkultur

Wir haben mehr verdient als biodeutsche National-Wurstsuppe

Der Autor Max Czollek will die Jubelfeierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit multikulturell aufmischen. Was für ein Glück!

2 Min
Der Autor Max Czollek.<br>

Der Autor Max Czollek.

©
Sebastian Wells/OSTKREUZ

Dass uns weder das Wort „deutsch“ noch das Wort „Einheit“ ein Grund zum Feiern sein sollte, daran erinnert uns der streitlustige Schriftsteller Max Czollek. Er hebelt dieses peinlich aus der Zeit gefallene Nationalgefühl aus, indem er den runden Jahrestag der Wiedervereinigung kombiniert mit der vor zwanzig Jahren angestoßenen Leitkulturdebatte und der vor zehn Jahren erschienenen Kampfschrift von den Deutschen, die sich abschaffen. Ein Dreiklang, bei dem Würgegefühle auftreten.

Czollek spuckt nicht nur in diese Wurstsuppe, sondern setzt einen Kongress dagegen, die „Tage der jüdisch-muslimischen Leitkultur“, das Programm wurde am Mittwoch veröffentlicht. Czollek: „Die jüdisch-muslimische Leitkultur stellt die Frage, wie eine Alternative zu den jetzigen Vorstellungen von Gesellschaft aussehen könnte – eine, die Gesellschaft als Ort der radikalen Vielfalt denkt. Und zwar keinesfalls nur als jüdische oder muslimische, sondern auch als queere, kurdische, afrodeutsche, atheistische, jesidische ...“ Vom 3. Oktober bis zum 9. November tourt er mit dem von der Leo-Baeck-Stiftung getragenen, weitgehend streambaren Programm durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Gespräche, Diskussionen, Lesungen und Performances, die schon beim Durchsehen durch Vielfalt beglücken. Das Motto lautet: „Aus der Bubble in die Charts“, und beispielhaft wurde das Video der israelisch-jemenitischen Band A-WA verlinkt. Da wird dem Patriarchen noch der Fuß gewaschen, aber auch der Gebrauch des Hackebeiles geübt. So geht man mit Wurzeln um!

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