Industriedenkmal

Altmark: Stadt Tangerhütte bietet 16.000 Quadratmeter großes Industrieareal für einen Euro an

Die historische Gießereianlage in Tangerhütte wird versteigert, das denkmalgeschützte Gebäude soll irgendwie erhalten werden. Auf den Käufer würden umfassende Sanierungsarbeiten zukomen.

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Die Gießereihallen in Tangerhütte stehen zum Verkauf.

Die Gießereihallen in Tangerhütte stehen zum Verkauf.

© Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte

Ein 16.000 Quadratmeter großes Areal für die Geldbörse: Die Stadt Tangerhütte in Sachsen-Anhalt versteigert ein geschichtsträchtiges Stück Industriekultur. Die denkmalgeschützten Gießereihallen der Kommune werden mit einem Symbol-Mindestgebot von nur einem Euro ausgeschrieben.

Was verlockend klingt, hat jedoch einen triftigen Grund: Das traditionsreiche Areal von 1842 befindet sich in einem weitgehend ruinösen Zustand und verlangt vom neuen Eigentümer ein millionenschweres Sanierungskonzept.

Einstieg ab 1 Euro: Das steckt hinter der ungewöhnlichen Auktion

Gesucht werden Käufer mit tragfähigen Ideen für ein rund 16.000 Quadratmeter großes Areal, dessen Zustand die Stadt selbst als ruinös bezeichnet. Wie die Stadt in einer Pressemitteilung erklärte, umfasst das ausgeschriebene Grundstück zwischen Industriestraße und Gießereistraße insgesamt 16.089 Quadratmeter.

Gebote können bis zum 30. September 2026 abgegeben werden. Neben dem Kaufpreis erwartet die Kommune eine aussagekräftige Beschreibung der geplanten Nutzung.

Von Weltrang-Fabrik zum Lost Place: Die Geschichte der Gießerei Tangerhütte

Die sechs Backsteinhallen wurden 1842 errichtet und gelten als Ursprung der Industriestadt Tangerhütte. Unter der Fabrikantenfamilie Wagenführ erlangte das Eisenwerk um 1900 mit mehr als 1500 Beschäftigten internationale Bekanntheit für Kunst- und Maschinenguss. Die Hallen mit ihren historischen Gusseisen-Konstruktionen sind Teil eines geschützten Ensembles, zu dem auch ein angrenzender Landschaftspark und die Fabrikantenschlösser gehören.

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Nach Angaben des Senders MDR wurden die Auflagen des Denkmalschutzes bereits gelockert, um einen Verkauf zu ermöglichen. Der Stadt gehe es vorrangig um den Erhalt der Bausubstanz.

Eingestürzte Dächer und Überwucherung: Der Haken am Schnäppchen-Preis

Die Einheitsgemeinde weist ausdrücklich auf den schlechten Zustand hin. Nach jahrzehntelangem Leerstand seien überwiegende Teile der Dächer eingestürzt, Fassadengiebel instabil. Das Gelände ist aus Sicherheitsgründen gesperrt und stark mit Bäumen und Sträuchern überwuchert. Seit 2006 setzt sich Förderverein für Industriegeschichte und Gartenkunst „Aus einem Guss“ e.V. für den Erhalt des Geländes ein.

„Die alten Gießereihallen sind mehr als ein Grundstück. Sie erzählen die Geschichte Tangerhüttes als Industriestadt“, erklärte Bürgermeister Andreas Brohm. Der Zustand sei schwierig, gerade deshalb suche man Interessenten, die darin auch eine Chance sähen, dem Ort eine neue Perspektive zu geben.

Als denkbare Nutzungen nennt die Stadt Projekte im Bereich Industriekultur, Event- oder Kreativstandorte sowie moderne Gewerbekonzepte. Angesprochen werden sollen Unternehmen, Projektentwickler und Initiativen, die sich intensiv mit Denkmal und Standort auseinandersetzen wollen.

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