Krimireihe

Fans empört: Warum ausgerechnet der MDR „Tatort“ und „Polizeiruf“ einstellen muss

Sonntagabend ist Krimi-Zeit in Deutschland. Doch jetzt wird ausgerechnet an den ostdeutschen Folgen gespart. Eine Retourkutsche des MDR wegen des stagnierenden Rundfunkbeitrags?

Claudia Lord
4 Min
Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), Philipp Laupheimer (Yassin Trabelsi) und Peter Schnabel (Martin Brambach) arbeiten als TV-Kommissare zusammen in Dresden.

Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), Philipp Laupheimer (Yassin Trabelsi) und Peter Schnabel (Martin Brambach) arbeiten als TV-Kommissare zusammen in Dresden.

© Steffen Junghans

Cornelia Gröschel ist zum Heulen. Die Schauspielerin aus Dresden und taffe „Tatort“-Kommissarin mit den markanten Locken ist eigentlich nicht zimperlich. Aber die Zwangspause des beliebten „Tatort“ aus Dresden war für sie ein „Schock“ – so steht es in ihrer Instagram-Story. Die Fan-Gemeinde auf der Plattform wiewardertatort.de ist da ganz ihrer Meinung:

„Unfassbar“, „Unglaublich“, „Absolut unverständlich“, „An der guten Unterhaltung des Dresden-Teams zu sparen, ist das falsche Signal“, sind nur einige Netzstimmen, die dann auch gleich konkrete Vorschläge haben, wo der MDR wohl besser sparen könnte. Im Management, bei der Vielzahl an Talkshows oder auch Quiz-Sendungen. Kommissarin Leonie Winkler, alias Cornelia Gröschel, selbst kommentierte die Empörung der Fans mit drei weinenden Emojis.

Millionen-Sparprogramm

Aber sparen muss er, der Mitteldeutsche Rundfunk. Denn die abgelehnte Erhöhung des Rundfunkbeitrages 2025 von 18,36 Euro auf 18,94 Euro/Monat pro Haushalt macht sich in den Kassen bemerkbar. Bereits Ende 2025 erklärte MDR-Intendant Ralf Ludwig: Dem Sender würden allein rund 21 Millionen Euro für 2025 fehlen. Zudem müsse er zusätzlich etwa 30 Millionen Euro bis 2028 einsparen.

Deshalb informierte Ludwig den Rundfunkrat diese Woche über die „einschneidenden Entscheidungen“, um den Sender wirtschaftlich und publizistisch zukunftsfähig aufzustellen. Das sind die spürbarsten Konsequenzen:

Der MDR will die Produktion des „ARD-Mittagsmagazins“ ab 2027 abgeben. Der Norddeutsche Rundfunk hat Bereitschaft signalisiert, das Magazin zu übernehmen.

Die Krimi-Reihen „Tatort“ aus Dresden und der „Polizeiruf“ aus Magdeburg sollen für die nächsten drei Jahre pausieren.  Bereits fertiggestellte Drehs wie der diesjährige Dresden-Tatort „Das, was Du zurücklässt" und die für 2027 vertraglich fixierte Produktionen von „Löschen“ aus Dresden finden noch statt, danach jedoch keine neue Dreharbeiten. Gleiches gilt für den „Polizeiruf 110.“

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Zudem wolle der Sender „konsequent digitale Ausspielwege für jüngere Zielgruppen nutzen“ - „MDR Sputnik“ wird bereits ab 2027 nicht mehr über UKW ausgestrahlt.

Damit „priorisieren wir Regionalität, digitale Nutzung und die Nähe zu den Menschen in Mitteldeutschland“, schreibt die MDR-Zentrale in Leipzig. Dass mit der Nähe zum Zuschauer, sehen dieselben ganz anders: Internet-Nutzer auf der Tatort-Plattform schreiben: „Unmöglich, was machen die Spitzengehälter und sonstigen Ausgaben so?“ Eine andere Nutzerin fragt: „Wofür bezahlen wir eigentlich GEZ-Gebühren “ oder auch der Vorschlag: „Sparen sollte man vielleicht an anderen Stellen. Wir zahlen mit unseren Gebühren dafür (…) und sollten ein Recht darauf haben mitzuentscheiden.“

Eine ähnliche unpopuläre Entscheidung traf der Sender bereits letztes Jahr. Damals sollte die beliebte Bergsteiger- und Abenteuersendung „Biwak“ den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen. Sie kehrte nach massiven Protesten und einer Petition des Sächsischen Bergsteigerbundes mittlerweile ins Programm zurück.

Die beiden Hauptdarsteller des Tatorts aus Sachsen, Cornelia Gröschel und Martin Brambach, beide gebürtige Dresdner, äußerten sich auf Anfrage nicht offiziell zur Entscheidung des MDR. Der Sender selbst beantwortete die Fragen der OAZ nicht, ob die Schauspieler im Vorfeld in die Entscheidung eingeweiht waren bzw. wie es dazu kam, ausgerechnet die beiden ostdeutschen Krimi-Erfolgsformate dem Rotstift zu opfern. MDR-Sprecher Michael Naumann verweist auf die Pressemeldung des Vortages: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt inhaltlich nicht darüber hinaus öffentlich äußern werden.“

Ein vorweggenommenes Ende?

Worin sich Fans und Schauspiel-Agenten einig sind: Tatort-Pause? Das ist der schleichende Tod. Ein Nutzer grübelt auf „wiewardertatort“: „...kann mir kaum vorstellen, dass wir die beiden dann überhaupt nochmal sehen werden (die bereits abgedrehten Folgen mal ausgeklammert).“ Oder die sarkastische Feststellung: „…die Schauspieler werden natürlich aus völliger Loyalität jetzt auch 3 Jahre lang warten. Glaub nicht, dass da jemals noch was kommt.“

Laut Joyn kostet eine „Tatort“-Folge mit rund 30 Drehtagen im Schnitt bis zu knapp zwei Millionen Euro. Die Dresdner Folge soll Medienberichten zufolge deutlich darunter liegen.  Bei 47 Millionen Gebührenzahlern in Deutschland dürfte das pro Tatort-Folge im Cent-Bereich im Vergleich zum Gesamtaufkommen liegen. Im Netz macht unter den verzweifelten Dresden-Fans schon das Wort Crowdfunding die Runde.

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