Krimireihen

„Tatort“-Aus im Osten? Magdeburg und Dresden gehen auf die Barrikaden gegen MDR-Sparpläne

Zwei Oberbürgermeister wenden sich mit einem offenen Brief an den Sender. Auch Schauspielerin Claudia Michelsen meldet sich zu Wort.

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Auch die Dresdner Tatort-Kommissare sind gegen die Sparmaßnahmen.

Auch die Dresdner Tatort-Kommissare sind gegen die Sparmaßnahmen.

© Steffen Junghans/MDR Mitteldeutscher Rundfunk/obs

Die Magdeburger Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) und ihr Dresdner Amtskollege Dirk Hilbert (FDP) fordern den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) auf, das angekündigte Produktionsmoratorium für die Krimireihen „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ zu überprüfen und die Formate langfristig zu sichern. Das geht aus einem gemeinsamen offenen Brief hervor.

Die beiden Stadtoberhäupter betonen darin die Bedeutung der Sendungen für die Sichtbarkeit Ostdeutschlands. Die Krimireihen transportierten Geschichten und Bilder der Region in Millionen Wohnzimmer. Ein Rückzug aus den ostdeutschen Produktionsstandorten würde die mediale Präsenz der neuen Bundesländer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk schwächen, heißt es in dem Schreiben.

Zugleich verweisen Borris und Hilbert auf wirtschaftliche Folgen. Von Filmproduktionen profitierten Kreativwirtschaft, Technikdienstleister, Handwerksbetriebe, Hotels und Gastronomie. Auch der Imagegewinn für die Städte sei erheblich.

MDR verweist auf Sparzwang

Der MDR hatte im Mai angekündigt, die Produktion neuer Folgen von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ für drei Jahre auszusetzen. Als Grund nannte der Sender die aus seiner Sicht fehlende Erhöhung des Rundfunkbeitrags und die daraus entstehende Finanzierungslücke. Bereits fertiggestellte oder vertraglich vereinbarte Folgen sind davon nicht betroffen.

Michelsen sieht „Minimieren des Ostens“

Schauspielerin Claudia Michelsen, die für den „Polizeiruf“ in Magdeburg als Ermittlerin vor der Kamera steht, sieht in den Einsparungen des MDR ein „Minimieren des Ostens“. Die Formate seien „essenziell fürs regionale Selbstbewusstsein, genauso wie andere fiktionale Stoffe auch, die Geschichten emotional transportieren können“, sagte Michelsen der Süddeutschen Zeitung. Sie schüfen eine Verbindung zwischen Ost und West. Bei jedem Dreh spüre man, dass sich die Leute gesehen und ernst genommen fühlten, so Michelsen weiter. „Sachsen und Sachsen-Anhalt finden statt.“ (mit dpa, epd)

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