"Tatort"-Kommissar Boris Aljinovic spielt wieder Theater und segelt gerne über die Meere

Stadtmensch und Frischfisch

Andreas Kurtz
3 Min

Theatervorstellungen nach langen Aufführungspausen können für alle Beteiligten besonders spannend und manchmal auch extra lustig werden. Boris Aljinovic, den Fernsehzuschauern als Kommissar Til Ritter aus den Berliner "Tatort"-Folgen und Kinogängern aus den Zwergen-Filmen von Otto Waalkes gut bekannt, erlebt das an diesem Wochenende mal wieder. Nach einem halben Jahr Pause gibt es drei Vorstellungen von "Mondlicht und Magnolien" mit ihm sowie Jürgen Tarrach, Guntbert Warns und Barbara Kowa am Renaissance-Theater. Aljinovic erinnert sich an eine Vorstellung dieses Stücks nach einer ähnlich langen Pause. Darin geht es um die Entstehung des Drehbuchs zum Hollywoodfilm "Vom Winde verweht": "Ich musste im Stück nacheinander zwei verschiedene Leute anrufen, deren Stimmen von der Technik eingespielt wurden. Da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben richtig gehangen." Aljinovic verwechselte die Namen, die Einspielungen kamen allerdings in der geplanten, nun falschen Reihenfolge, was für ein außerplanmäßiges Gelächter sorgte. Nicht jede Irritation auf der Bühne hat mit einem Fehler zu tun. Aljinovic vergleicht es mit dem Improvisieren beim Jazz: "Manchmal baut man auch Sachen ein, die nicht zur Inszenierung gehören. Das hält alle schön wach."Die Aufteilung seiner Zeit zwischen Film und Theater schwankt jedes Jahr, zuletzt waren es zwei Monate Dreharbeiten und sechs Monate auf der Bühne. Wenn es Aljinovic nur um das Auskommen seiner Familie, zu der Schauspielerin Antje Westermann und der gemeinsame Sohn Anatol gehören, ginge, könnte er auch zehn von zwölf Monaten pro Jahr faulenzen: "Die zwei Tatorte pro Jahr würden schon reichen", sagt er ehrlich. Doch schon sind für Oktober bis Mai neue Projekte mit Regisseur Michael Bogdanov in Hamburg geplant.Aljinovic gehört zur Minderheit in seiner Berufsgruppe, die sich nach dem Studium noch nie etwas anderweitig dazuverdienen mussten: "Ich hatte schon im ersten Studienjahr ein Theaterengagement in Schwerin." Bafög nahm er nur ein Jahr lang in Anspruch: "Und weil ich gleich nach dem Studium vor der Kamera stand, konnte ich das Bafög auf einen Schlag zurückzahlen." Aljinovic weiß, dass es auch anders hätte laufen können: "Ich habe richtig Glück gehabt. Es war nicht immer viel, aber finanzielle Sorgen musste ich mir nie machen."Wenn der 42-Jährige mal richtig abschalten will, geht er segeln: Kanaren, Nordsee, Adria - entweder mit der Familie oder mit Freunden. Als Freizeitkapitän, Skipper genannt, versucht der Schauspieler weder sich noch andere in Gefahr zu bringen: "Es gibt wagemutige Skipper und es gibt alte Skipper. Es gibt aber keine wagemutigen alten Skipper." Das Leben an Bord hat seine Vorteile, erzählt er: "Man muss nicht so schön aussehen." Versuche der Selbstversorgung ("In der Adria hängt man eine Angel raus, und sofort beißt eine Makrele oder ein Thunfisch an") bringen den gebürtigen Charlottenburger aber auch immer wieder in Bewährungssituationen: "Einen Fisch tot machen ist man als Stadtmensch ja auch nicht gewöhnt." Das anschließende Mahl gerät dann immer ganz besonders: "Diesen Fisch isst man anders. Das ist kein anonymes Tiefkühlfilet. Man hat mit dem ja noch geredet!"------------------------------Foto: Boris Aljinovic im Café Savigny in Charlottenburg. Dort schwänzte er immer den Unterricht des um die Ecke gelegenen Schiller-Gymnasiums.

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