Wilde Tiere

Tauben, Igel, Spatzen: Brauchen Berliner Stadttiere im Winter unsere Hilfe?

Ist es verboten, Tauben zu füttern? Sollte man einem Igel etwas zu fressen hinstellen? Wo ist das Problem bei Meisenknödeln? Der Senats-Wildtierexperte weiß es.

Nicole Schulze
5 Min
Eichhörnchen halten Winterruhe, die sie täglich zur Nahrungsaufnahme für ein bis zwei Stunden unterbrechen.

Eichhörnchen halten Winterruhe, die sie täglich zur Nahrungsaufnahme für ein bis zwei Stunden unterbrechen.

© imago

Der Winter ist für Wildtiere immer eine harte Zeit: Das Futterangebot ist karg, Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten sind rarer, als wenn alles grünt und blüht, mitunter finden sie auch nicht ausreichend zu trinken.

Viele Menschen stellen Futterhäuschen auf, hängen Meisenknödel in Sträucher, stellen Schälchen in den Garten. Allerdings kann man mit der falschen Fütterung auch viel Schaden anrichten. Worauf man achten sollte, verrät Wildtier-Experte Derk Ehlert von der Senatsumweltverwaltung.

Wie kommen Wildtiere durch den Winter?

„Tiere haben sich im Laufe der Evolution die verschiedensten Strategien angeeignet, um den Winter zu überstehen“, weiß Derk Ehlert. „Viele heimische Singvögel ziehen beispielsweise in den Süden, wo es nicht nur wärmer, sondern auch das Nahrungsangebot üppiger ist.“

Viele Vögel, die hierbleiben, seien Generalisten, wie der Experte erklärt: „Die bei uns überwinternden Vögel sind häufig nicht allein auf Insekten angewiesen, sondern fressen vor allem Früchte und Beeren, die es auch jetzt noch an vielen Sträuchern gibt.“

Andere Tiere wie Igel und Fledermaus halten Winterschlaf. Sie verharren monatelang reglos in einem Versteck, ihre Temperatur senkt sich ab, die Atmung wird reduziert. „Sie wachen auf, wenn die Temperaturen steigen und die Tageslänge, also die Lichtintensität, zunimmt“, so Ehlert. „Wenn es also im Winter Phasen gibt, in denen es ungewöhnlich warm ist, wachen gesunde Tiere in der Regel nicht gleich auf, unter anderem weil das Licht nicht ausreicht.“

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Eichhörnchen und Waschbär gehen in eine Winterruhe. Sie schlafen nicht, sondern sind quasi auf Abruf. Jene Tiere, die Winterruhe halten, haben eigene Wege gefunden, die dunkle Jahreszeit zu überstehen. „Eichhörnchen legen sich vorher unterirdische Futterdepots an, und Waschbären fressen sich über Monate ein Fettdepot an, von dem sie zehren.“

Es gibt aber auch viele Insekten, die den Winter überdauern. Nicht alle sterben ab. Einige überleben im Ei oder Kokon, in Ritzen und Spalten. „Honigbienen überdauern den Winter in ihrem Bau, sie sorgen durch ihre Bewegung für Wärme und halten so ihr Volk am Leben“, sagt der Wildtier-Fachmann.

Sollte man Wildtiere im Winter füttern?

Wildschweine und Füchse sollten auf gar keinen Fall gefüttert oder mit Futter angelockt werden. Mülltonnen sollten gut verschlossen und Lebensmittelreste nirgends liegen gelassen werden. Das gilt im Übrigen insbesondere im Sommer nach dem Grillen.

Und auch die meisten anderen Wildtiere „bräuchten im Prinzip keine Zufütterung durch den Menschen, sofern ausreichend Nahrung in der Natur zur Verfügung steht“, stellt Derk Ehlert klar. „Die meisten in der Stadt überwinternden Vögel beispielsweise suchen instinktiv in der Natur die benötigte Nahrung. Sofern im Winter keine hohe Schneelage oder tiefer Bodenfrost die Nahrungsaufnahme erschweren, kommen die meisten Vogelarten dann auch entsprechend alleine gut durch den Winter.“

Den meisten Stadtvögeln schadet es andererseits aber auch nicht, wenn man sie füttert. Wasservögel sollte man hingegen auf keinen Fall füttern, schon gar nicht mit Brot. Das kann tödlich enden. Gleiches gilt für die diversen Wildgehege in Berlin, wo Ziegen, Esel oder Schafe leben. Die dürfen tatsächlich auch nicht gefüttert werden, weil verarbeitete Lebensmittel – und dazu gehören auch Nudeln – dazu führen können, dass die Tiere schwerste Magen-Darm-Probleme bekommen, an denen sie sterben können.

Falls Sie derzeit einen Igel beobachten, könnte es sein, dass er nicht ganz gesund ist beziehungsweise sich zu wenig Fettreserven im Sommer angefressen hat. „Das zwischenzeitliche Aufwachen im Winter kostet Tiere, die eigentlich Winterschlaf halten, sehr viel Energie“, so Ehlert. Insofern ist es okay, einen Igel „mit hochwertigem Feucht- oder Trockenfutter für Katzen mit hohem Fleischanteil“ zu versorgen, wie der Nabu schreibt.

Über eine Schale frisches Wasser freut sich ein Igel auch. Die Schalen sollten Sie jedoch täglich reinigen und nicht lange stehen lassen, weil das Futter auch Ratten anlocken könnte und das Wasser verunreinigt werden kann und sich so Krankheiten schnell verbreiten könnten. Verfüttern Sie keine Speisereste an Igel oder andere Wildtiere.

Gleichwohl hatten die Igel es in den letzten Sommern, in denen es so heiß war, nicht leicht. Sie fressen gerne Regenwürmer, Schnecken und Insekten. Aufgrund der langen Trockenperioden fanden Igel nicht so viel Nahrung wie benötigt, weshalb der Winterspeck im Zweifel nicht so dick ist, wie er sein sollte.

Für Vögel können Sie ruhig Fettknödel aufhängen oder Körner auslegen. Das ist in Ordnung, aber nicht zwingend nötig, weil es den Singvögeln in Berlin gut geht. „Bei Meisenknödeln sollten Sie darauf achten, dass die Netze nicht aus Kunststoff sind, weil sich die kleinen Beinchen darin verfangen könnten“, warnt Derk Ehlert.

Ist es in Berlin verboten, Tauben zu füttern?

In Berlin ist es nicht verboten, Tauben zu füttern. Aber: „Es gibt Menschen, die unsere Stadttauben leidenschaftlich gern füttern“, so Ehlert. Allerdings gilt die Berliner Taubenpopulation als stabil und „zeigt keine auffälligen Mortalitätsraten, die eine aktive Unterstützung begründen würden. Ähnlich verhält es sich mit Amseln, Finken und Meisen. Andererseits ist das Füttern von Singvögeln aber auch eine Möglichkeit, die Tiere kennen und lieben zu lernen.“

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