Tierschützer sehen Tausende Rinder aus Uruguay an Bord eines Viehtransportschiffs mit dem Tode bedroht. Das vor zwei Monaten in See gestochene Boot Spiridon II befindet sich nach einer Ablehnung der Türkei offenbar wieder auf dem Rückweg nach Montevideo, wie der Schiffsverfolgungsdienst MarineTraffic zeigt. Offiziell bestätigt ist das nicht.
Das Schiff mit Tausenden Rindern an Bord hatte nach der langen Anreise mehrere Wochen vor der türkischen Küste ausgeharrt und durfte unter anderem wegen fehlender Dokumente nicht in der Türkei ausladen, wie das Kommunikationsdirektorat des Landes mitteilte.
„Gehen davon aus, dass Schiff leer ankommen wird“
„Die Tiere dürften diese Tortur nicht überleben“, erklärte die deutsche Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation. Nach Angaben der Organisation sollen sich etwa 3000 Rinder auf dem „Horror-Schiff“ befinden, von denen fast die Hälfte trächtig sei. Futter und Wasser seien knapp.
58 Rinder sollen bereits verstorben sein, so die Organisation. Außerdem seien 140 Kälber geboren worden, die türkischen Behörden hätten bei einer Inspektion jedoch nur 50 gefunden. Dabei sei unbekannt, in welchem Zustand sich die Kälber befanden und ob sie lebten.
„In dieser Enge und unter diesen unhygienischen Bedingungen sind Fehlgeburten fast unvermeidlich. Und selbst wenn ein Kalb lebend geboren wird, hat es kaum eine Chance“, erklärte die Bordtierärztin Lynn Simpson laut der Animal Welfare Foundation.
Ein weiteres Problem seien fehlende Melkvorrichtungen an Bord und eine nicht für solche Situationen ausgebildete Crew. Die Kühe, deren Kälber gestorben seien, würden über kurz oder lang Euterentzündungen entwickeln. Weiterhin seien die Menschen an Bord nicht ausreichend für die Versorgung der Tiere ausgebildet.
Tiere seit Monaten an Bord des Schiffes
Laut der Organisation kam das Viehtransportschiff am 22. Oktober vor der Küste der türkischen Stadt Bandirma im Marmarameer an. 15 Unternehmen hätten den Import der Tiere beantragt, teilte das türkische Kommunikationsdirektorat mit. Weil aber etwa Chips oder Ohrmarken fehlten und einige Tiere nicht mit zuvor eingereichten Listen übereinstimmten, sei dies abgelehnt worden.
Zu Beginn der vergangenen Woche durfte das Schiff kurz in der Türkei andocken. Auf Bildern war zu sehen, wie dabei etwa Heuballen aufgeladen wurden. Das dürfte aber keineswegs für den langen Rückweg ausreichen, so die Animal Welfare Foundation.
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