In einem sind sich Rainer Schaller und Maurice Maué mit Dr. Motte einig: Die Love Parade wird stattfinden, am 15. Juli. Doch damit ist es mit den Gemeinsamkeiten zwischen den neuen Chefs der Love Parade GmbH und dem Gründer schon vorbei. Der massenhafte Techno-Umzug durch den Tiergarten wird nicht mehr so sein wie früher.Vorige Woche teilten Dr. Motte und die neuen Chefs mit, man gehe getrennte Wege. "Inhaltlich und organisatorisch bin ich raus", sagt Matthias Roeingh, wie Dr. Motte mit bürgerlichem Namen heißt. Der spirituelle Kopf des weltbekannten Riesen-Raves wird am 15. Juli nicht in Berlin sein und auf der Abschlusskundgebung an der Siegessäule keine Rede halten. Trotzdem, ein Sechstel der Anteile an der GmbH hält er noch. "Soll mich Schaller auszahlen, dann bin ich auch da raus", sagt Roeingh.Rainer Schaller ist Chef der Fitnesskette McFit aus Franken. Er hat nach eigenen Angaben eine Million Euro in die Love Parade GmbH gesteckt und die Geschäftsführung übernommen. Und offenbar haben er und sein Stellvertreter Maué andere Vorstellungen von der Parade und wie sie ablaufen soll als Dr. Motte. "Mein Interesse war immer, die kulturelle Entwicklung der elektronischen Tanzmusik darzustellen", sagt Roeingh. Jetzt aber liege der Fokus allein auf der gelben Banane, sagte er. Die Parade verkomme zur Werbeveranstaltung. Mit der gelben Banane wirbt Schaller für seine Fitnesskette.Roeingh ist vor allem damit nicht einverstanden, dass seit Montag Fans im Internet darüber abstimmen dürfen, welche der 420 Bewerber die 40 Musik-Wagen bespielen sollen. "Das ist mir zu beliebig, wie soll man denn 420 Bewerber beurteilen?" Maué sieht gerade darin eine Maßnahme, den Ruf der Raves zu verbessern. "Wir wollen mehr Transparenz und den Leuten das bieten, was sie wollen." Also können die Fans bis zum 7. Mai darüber entscheiden, ob sie lieber den Plattenaufleger ihres Lieblingsclubs oder einen aus Indien hören wollen. In der ersten Stunde haben bereits 1 000 abgestimmt, sagt Maué. Weitere Neuerungen, mit denen eine Million Besucher angelockt werden sollen: Statt Techno pur soll die ganze Bandbreite elektronischer Tanzmusik laufen, die Wagen finanziert die Parade mit Hilfe von Sponsoren, die dafür größere Werbeplakate anbringen dürfen als bisher. Außerdem gibt es zehn Bühnen für Nachwuchs- und Underground DJs.Die Club Commission, ein Zusammenschluss Berliner Clubs, steht den neuen Veranstaltern zwiespältig gegenüber. "Auf jeden Fall ist es gut, dass etwas passiert", sagt Sprecher Olaf Kretschmar. Das breitere Musikspektrum sei positiv, das habe man jahrelang gefordert. "Und wenn die das gut organisieren, dann ist das mit der Banane nicht so dramatisch", sagt er. Kretschmar hat zuletzt aber schon so viele große Worte gehört, dass er skeptisch ist, ob die Neuen in der knappen Zeit wirklich genug Geld für den Techno-Umzug zusammenbekommen. Keinesfalls dürfe die Parade nur dieses eine Mal stattfinden. "Dann wäre es wirklich nur ein Werbegag."Maué ist optimistisch, genügend Sponsoren zu finden. Konkretes zu Namen oder Summen kann er noch nicht nennen. "Aber selbst wenn wir keine finden, die Trucks werden trotzdem starten." Schaller werde das finanzieren. Dann würde die neue Love Parade aber wohl eine Eintagsfliege bleiben, denn Maué nennt eine schwarze Null als Voraussetzung, dass sie auch nächstes Jahr wieder stattfindet.------------------------------Foto: Dr. Motte ist raus aus der Love Parade.------------------------------Foto: Im Jahr 2003 tanzten zum letzten Mal in großem Maßstab Raver rund um die Siegessäule. Am 15. Juli soll es dort wieder nackte Haut geben.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]