Die Nacht zum Sonntag, 27. September, Autobahn A40 im Arve-Tal. Ein Porsche 911 rast an einer Kontrolle der französischen Gendarmerie vorbei. Das Messgerät zeigt 312 Kilometer pro Stunde. Erlaubt sind 130.
Nach einem Bericht des französischen Radiosenders Ici ist es der größte Tempoverstoß, der je in Frankreich gemessen wurde. Der Fahrer stammt demnach aus der Schweiz und muss sich demnächst vor Gericht verantworten.
Porsche 911 bei Bonneville in Hochsavoyen geblitzt
Die A40 führt von Genf ins Tal Richtung Chamonix. Geblitzt wurde laut der Schweizer Zeitung Le Matin unweit von Bonneville, gut 20 Kilometer hinter der Genfer Grenze.
Die Zeitung nennt unter Berufung auf das Portal actu.fr einen 911 GT3 RS im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. Offiziell bestätigt ist das Modell nicht.
Gestoppt haben den Wagen eine schnelle Eingreiftruppe und die Motorradbrigade von Bonneville. Die Gendarmerie des Départements Haute-Savoie zeigte auf Facebook ein Foto ihres Messgeräts.
87 Meter pro Sekunde im fließenden Verkehr
Nach Abzug der Messtoleranz setzt die Behörde 300 km/h an. Damit war der Porsche 170 km/h schneller als erlaubt.
Bei diesem Tempo legte der Fahrer laut Gendarmerie knapp 87 Meter pro Sekunde zurück, mitten zwischen anderen Autos. Ob Leichtsinn oder Lust auf Adrenalin dahinterstecke, sei egal, schreibt die Behörde. Die Straße sei keine Rennstrecke.
Zum Vergleich: Vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor bräuchte man so knapp eine halbe Minute. Wer eine Sekunde aufs Handy schaut, fährt 87 Meter blind.
Führerschein weg, Porsche abgeschleppt
Die Beamten zogen den Führerschein sofort ein und ließen den Porsche abschleppen. Bis zum Prozess musste der Mann eine Sicherheitsleistung von 1500 Euro hinterlegen.
Laut Gendarmerie drohen ihm bis zu drei Monate Haft und eine Geldstrafe von bis zu 3750 Euro. Das Gericht kann außerdem die Fahrerlaubnis entziehen und den Wagen einziehen. Ein Urteil gibt es noch nicht.
Schweizer Rekord liegt noch höher
In seiner Heimat hätte der Fahrer den Negativrekord verfehlt. Den hält laut dem Blatt weiterhin ein Mann, der im April 2011 auf der A1 bei Genf mit einem Bentley Continental und 325 km/h geblitzt wurde.
Tempo 312 auf deutscher Autobahn: Das droht
Auf einem deutschen Abschnitt mit Tempo 130 wäre das eine Ordnungswidrigkeit. Der Bußgeldkatalog sieht außerorts für mehr als 70 km/h zu viel 700 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot vor.
Wer mehr als doppelt so schnell fährt wie erlaubt, dem kann Vorsatz unterstellt werden. Dann ist eine Verdopplung auf 1400 Euro möglich. Zusätzlich kann die Staatsanwaltschaft ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs prüfen. Darauf stehen bis zu zwei Jahre Haft.
Bugatti mit 417 km/h auf der A2: Verfahren eingestellt
Ohne Tempolimit sieht die Sache anders aus. Im Juli 2021 fuhr der tschechische Unternehmer Radim Passer mit einem Bugatti Chiron bis zu 417 km/h auf der A2 zwischen Berlin und Hannover. Das Video stellte er später ins Netz.
Die Staatsanwaltschaft Stendal ermittelte wegen eines möglichen illegalen Alleinrennens und stellte das Verfahren 2022 ein, wie das Rechtsportal LTO berichtete. Auf dem Abschnitt galt kein Limit, Sicht und Wetter waren gut, eine unsichere Fahrweise erkannte die Behörde nicht.
Strafbar macht in Deutschland also nicht die Zahl auf dem Tacho, sondern die Rücksichtslosigkeit dahinter. Auf der A40 in Hochsavoyen gilt dagegen eine klare Grenze: 130.
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