E-Auto-Werk

Tesla Grünheide: Sonderschichten für 7500 Autos pro Woche

Tesla will in Grünheide ab Mitte Oktober 7500 Model Y pro Woche bauen. Noch sind es weniger als 6500. Sonderschichten, Taktzeit, Jobs – der Stand im Überblick.

5 Min
Vor der Gigafactory Berlin-Brandenburg stehen ein Tesla Model Y und der Tesla Cybertruck. Der amerikanische Elektroautobauer Tesla will die Zahl der Beschäftigten in seinem einzigen europäischen Autowerk in Grünheide bei Berlin aufstocken.

Vor der Gigafactory Berlin-Brandenburg stehen ein Tesla Model Y und der Tesla Cybertruck. Der amerikanische Elektroautobauer Tesla will die Zahl der Beschäftigten in seinem einzigen europäischen Autowerk in Grünheide bei Berlin aufstocken.

© Patrick Pleul/dpa

Freitagabend, Grünheide. Wenn in der Gigafactory die Nachtschicht beginnt, ist es keine gewöhnliche. Es ist die dritte und letzte Sonderschicht, die Tesla seinen Beschäftigten für September verordnet hat. Sie ist verpflichtend und mit dem Betriebsrat vereinbart. Nach allem, was bekannt ist, reicht sie trotzdem nicht.

Ab Mitte Oktober will Tesla in Grünheide 7500 Autos pro Woche bauen. Derzeit sind es nach Angaben aus dem Werk weniger als 6500. Die Zahlen stammen aus einer internen Mail an die Belegschaft, die dem Handelsblatt vorliegt. Grünheide ist Teslas einziges Autowerk in Europa, gebaut wird dort ausschließlich das Model Y in seinen verschiedenen Varianten.

Die Sonderschichten verteilten sich auf die Nachtschicht am Freitag, 18. September, die Frühschicht am Samstag, 19. September, und die Nachtschicht am Freitag, 25. September. Jede der drei Schichtgruppen ist genau einmal dran. Betroffen ist die gesamte Fahrzeugfertigung samt Supportbereichen, ausgenommen sind Antriebseinheiten, Batterie- und Zellfertigung. Tesla zahlt laut Bericht grundsätzlich einen Zuschlag von 35 Prozent, außer für Beschäftigte, deren Flexzeitkonto im roten Bereich liegt.

Das Band ist schnell, die Stückzahl zu niedrig

Am Tempo liegt es nicht. Die Taktzeit in großen Teilen der Fahrzeugfertigung sollte von etwa 80 über 60 auf rund 45 Sekunden sinken. Dieses Ziel ist nach Handelsblatt-Informationen weitgehend erreicht, die angestrebte Wochenmenge aber noch nicht. Beschäftigte berichten von umgebauten Prozessen, neu automatisierten Stationen und reorganisierten Abläufen. Nicht jede Umstellung laufe sofort wie geplant.

Die Rechnung ist knapp. Pro Schicht entstehen derzeit rund 450 Fahrzeuge. Selbst mit den Zusatzschichten dürfte das Werk in der stärksten Septemberwoche nur bei etwa 7100 bis 7300 Autos landen.

Im Juni hatte der Werksleiter André Thierig angekündigt, die Produktion binnen weniger Monate von rund 5000 auf 7500 Fahrzeuge pro Woche zu steigern. Schon im April hatte Tesla 1000 Neueinstellungen angekündigt, um auf etwa 6200 Autos pro Woche zu kommen. Für die zweite Stufe ab Oktober sollen erneut 1000 Beschäftigte hinzukommen. In der Batteriezellfertigung sind weitere 1500 Stellen geplant, zusammen 3500.

Rekordtempo nach einem schwachen Jahr

Der Sprung ist groß, weil der Ausgangspunkt niedrig war. 2025 verließen 202.000 Fahrzeuge das Werk, 9000 weniger als im Vorjahr. Die Auslastung lag bei 54 Prozent. Der Jahresüberschuss stieg trotzdem auf 77,1 Millionen Euro, während der Umsatz in Grünheide von 7,7 auf 7,1 Milliarden Euro sank.

Trotzdem: Die Nachfrage zieht an, vor allem in Deutschland. Im August kam Tesla in Deutschland auf 3034 Neuzulassungen, 110,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis August waren es laut Kraftfahrtbundesamt 32.258. Auch der Markt insgesamt wächst: Im August wurden bundesweit 68.930 reine E-Autos neu zugelassen, ein Anteil von 32,4 Prozent. Aus Grünheide werden mehr als 30 Märkte beliefert, darunter Taiwan und Kanada.

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Noch im Frühjahr klang es anders. Vor der Betriebsratswahl sagte Elon Musk in einer Videobotschaft an die Belegschaft, man werde die Fabrik nicht schließen, realistisch gesehen aber auch nicht erweitern. Die IG Metall holte bei der Wahl nur 13 der 37 Sitze. Seitdem investiert Tesla. Für rund 250 Millionen US-Dollar soll ab 2027 eine Zellfertigung mit bis zu 18 Gigawattstunden Jahreskapazität im Format 4680 entstehen.

Warum Grünheide für die Region zählt

Für Brandenburg ist das Werk mehr als eine Fabrik. Tesla ist der größte industrielle Arbeitgeber des Landes. Rund 11.000 Menschen aus mehr als 100 Nationen arbeiten in Grünheide, mit dem Hochlauf sollen bis zu 3500 weitere hinzukommen. Zwischen 1000 und 2000 der Beschäftigten kommen aus Polen, die meisten pendeln täglich über die Grenze. Seit 2020 hat Tesla nach eigenen Angaben mehr als fünf Milliarden Euro in den Standort investiert.

Wie stark das Werk die Region verändert, zeigte sich schon im ersten Jahr. 2022 zog die Gemeinde mehr als doppelt so viele Berufspendler an wie im Jahr zuvor, insgesamt 9225 Menschen. Das war der größte Zuwachs aller Brandenburger Gemeinden. Viele kommen über die A10, mit der Bahn bis Fangschleuse oder mit dem Werkszug ab Erkner.

Auch die Kasse der Gemeinde hängt am Werk. Gewerbe- und Grundsteuer fließen an Grünheide, Umsatz- und Ertragsteuern an Land und Bund. Der Bürgermeister Arne Christiani setzt darauf, dass weitere Unternehmen folgen und die Einnahmen sich verstetigen. Berlin und Brandenburg hoffen auf Zulieferer und Dienstleister, die sich im Umfeld ansiedeln.

Wie abhängig die Region von Entscheidungen in den USA ist, zeigt die Belegschaft. Vor zwei Jahren zählte das Werk noch 12.415 Beschäftigte, bei der Betriebsratswahl im März waren es 10.703. Jetzt wächst es wieder, während klassische Autobauer in Deutschland Stellen streichen. In einer Region, in der neue Großindustrie selten ist, hat kaum ein anderer Betrieb dieses Gewicht. Die Kehrseite kennen die Anwohner: Verkehr auf der A10 und in den Ortsdurchfahrten, Streit ums Wasser im Trinkwasserschutzgebiet, Rodungen.

Was „Kapazitätsgrenze“ in Grünheide heißt

Dauerhaft 7500 Autos pro Woche entsprächen bei 50 Produktionswochen rund 375.000 Model Y im Jahr. Das ist weniger als geplant: Ausgelegt war das Werk auf 500.000 Fahrzeuge jährlich, langfristig sollte es eine Million werden. Dieser Ausbau ist vorerst zurückgestellt.

Ob Grünheide die 7500 schafft, zeigt sich ab Mitte Oktober.

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