Testversuche für den Abriß der alten Havel-Schleuse verliefen ohne Komplikationen

Probesprengungen an der Zitadelle

Lothar Münner
2 Min

SPANDAU Drei Sprengladungen explodierten gestern vormittag direkt neben der Zitadelle. Das Wasserstraßen-Neubauamt nahm Probesprengungen für den Abriß der 85 Jahre alten Spandauer Schleuse vor. Kurz nach zehn Uhr zündeten die Sprengmeister Winfried Rosenstock und Guido Gröhlich die erste Ladung "Ammon Gilit 2". Dazu hatten sie den hochexplosiven Stoff an einer Boje in jeweils 20 Meter Entfernung von dem Bauwerk und dem Havelufer ins Wasser gelassen. "Die Druckwelle breitet sich in einem Radius von 5 000 Quadratmetern pro Sekunde aus", erklärte Rosenstock. Zunächst benutzten sie 50 Gramm, dann - in einem Abstand von 30 Minuten - 100 Gramm und beim letzten Versuch 150 Gramm."Eine Sprengung ist nach erster Einschätzung machbar, ohne daß Menschen und Bauwerke in der Umgebung gefährdet werden", so das Fazit Rosenstocks. Zum gleichen Ergebnis kam auch Bauoberrat Hans-Jürgen Heymann vom Berliner Wasserstraßen-Neubauamt. Trotzdem sollen in den kommenden Wochen sämtliche Meßergebnisse von 64 unterschiedlichen geografischen Punkten per Computer exakt ausgewertet werden. Allein auf der Zitadelle hatte das Wasserstraßen-Neubauamt 24 hochempfindliche Sensoren angebracht. Für die mittelalterliche Festung gilt ein Schwingungs-Grenzwert von einem Millimeter pro Sekunde. "Wir haben bei der stärksten Sprengung nur 40 Prozent dieses Wertes erreicht", sagte der Leiter der Projektgruppe Baugrunddynamik, Werner Palloks.Oberrat Heymann rechnet damit, daß die Bauarbeiten der neuen Schleuse - trotz Protesten von Spandauer Bürgern und Parteien an dem 80 Millionen Mark teuren Vorhaben des Bundes - Mitte des kommenden Jahres beginnen. Dafür müßte das marode Bauwerk inmitten der Havel zuvor durch kleinere Sprengungen stückchenweise abgetragen werden. Geplant ist, die 67 Meter lange Schleuse durch eine 115 Meter lange und 12,5 Meter breite Kammer - gemäß der Euronorm - zu ersetzen.Die Gegner dieses Projektes wie der Koordinationskreis Bürgerbegehren Schleuse Spandau argumentieren unter anderem damit, daß für größere Schiffe auch Kurven begradigt und damit ökologisch wertvolle Uferlandschaften geopfert werden müßten. +++

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner