Das Theaterüberflugwesen, es entwickelt sich ... Inge Keller (ehemals Deutsches Theater), eine Berlinerin aus Ost-Berlin, wird im Berliner Ensemble auftreten, neben Cornelia Froboess, einer Berlinerin aus München (Residenztheater, noch immer in Erinnerung mit "Pack die Badehose ein und dann nischt wie raus an n Wannsee"). Beide Aktricen hätte man früher am Schiffbauerdamm aus unterschiedlichen Gründen kaum antreffen können. Frau Keller nicht, weil es für sie eine gewisse Herablassung bedeutet hätte, als Wolfgang Langhoffs Schauspielerin dem abgespaltenen, vorzeige-schauspielenden Brecht-Unternehmen die Ehre der Aufmerksamkeit zu geben. Frau Froboess konnte man nicht erleben, weil niemand auf die Idee gekommen war, sie einzuladen.Zusammen mit Lambert Hamel gastieren die Keller und die Froboess in Thomas Langhoffs Münchner Strindberg-Inszenierung "Der Vater" auf Claus Peymanns alternativem Theatertreffen, das wie das Original zwischen dem 2. und 26. Mai anhebt. Nach dem Motto, es lautet, wie könnte es anders lauten, "Das einzig wahre Berliner Theatertreffen".Der einzig wahre Peymann, so wahr der einzige wahre Peymann, wie die DDR die größte DDR der Welt war, hat zehn Inszenierungen "nominiert", dabei höchstselbst in den Spiegel blickend. Wen sah er da im Spiegel, wenn ihn die Jury des Theatertreffens schon nicht sehen wollte, als sie zehn Inszenierungen nominierte für das unwahre, richtige Berliner Theatertreffen in der Schaperstraße?An sich selbst denkt das Gute dieser Welt bekanntlich zuerst, und das Gute dieser Welt ist die in vierzig Jahren altbundesrepublikanischer Theatermühsal zugestoßene Fähigkeit, sich selbst zu sehen. So nominierte der wahre Claus Peymann als wahre Alternative seinen wahren Spielplan: Luc Bondys Inszenierungen "Auf dem Lande" und "Unerwartete Rückkehr", Edith Clevers Inszenierung "Glückliche Tage", Peymanns "Nathan", Leander Haußmanns "Sommernachtstraum". Noch nicht fertig, also gar nicht zu beurteilen, sind auch zwei BE-Projekte "nominiert" worden: Cornelia Crombholz "Biedermann und die Brandstifter" und George Taboris "Erdbeben Concerto".Eingeladen wurden, mit dem Strindberg aus München, drei Aufführungen, und dafür herzlicher Beifall: "Warten auf Godot" (Regie Matthias Hartmann) aus Bochum und "Bernarda Albas Haus" (Regie Roberto Ciulli) aus Mülheim an der Ruhr. Aus der Pressemitteilung, österreichisch Presseaussendung zitiert: "Es gibt bereits Alternative Nobelpreise, nun also erstmals ein Alternatives Theatertreffen." Wann gibt es das alternative BE?
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