Die AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat will den städtischen Zuschuss für das Theater Magdeburg deutlich senken. Ihr Antrag A0211/26 verlangt von der Oberbürgermeisterin drei Sparmodelle, die den Haushalt um drei, fünf oder sieben Millionen Euro im Jahr entlasten sollen. Der Stadtrat berät am 5. November darüber, die Fraktion bittet um Überweisung in drei Ausschüsse. Das Haus, 2025 zum Theater des Jahres gewählt, warnt vor der Schließung ganzer Sparten.
Was der AfD-Antrag zum Theater Magdeburg verlangt
Die Oberbürgermeisterin soll prüfen, mit welchen Maßnahmen der städtische Zuschuss deutlich sinken kann. Für jede Sparte sollen Kosten und Erlöse, Personal, Vorstellungen, Auslastung, Werkstätten und Kooperationsmöglichkeiten untersucht werden. Anschließend soll dem Stadtrat ein „Zukunftskonzept Theater Magdeburg 2030“ mit drei Modellen vorliegen, jeweils mit den Folgen für Sparten, Personal, Vorstellungen und Besucher. Welche Maßnahmen das wären, nennt der Antrag nicht.
Beim weitestgehenden Modell würde der städtische Zuschuss von rund 21,8 auf etwa 14,8 Millionen Euro im Jahr sinken, also um ein knappes Drittel. Die drei Varianten entsprächen 14, 23 und 32 Prozent des städtischen Zuschusses. In der Begründung heißt es, Ziel dürfe nicht die Schließung des Theaters sein, doch müsse die Frage erlaubt sein, ob die heutige Struktur des Mehrspartenhauses auf Dauer finanzierbar sei. Ein Teil des Angebots könne über Kooperationen, Koproduktionen und Gastspiele gesichert werden.
Theater Magdeburg warnt vor Spartenschließungen
Das Theater sieht die Pläne mit Sorge. Verwaltungsdirektorin Bettina Pesch sagte, der Antrag ziele auf eine wesentliche Veränderung des Mehrspartenhauses mit einschneidenden Konsequenzen. „Strukturelle Kürzungen würden unweigerlich die Schließung ganzer Sparten bedeuten“, so Pesch. Einsparungen dieser Größenordnung seien ohne massiven Personalabbau nicht möglich. Das hätte Folgen für Publikumsresonanz, Zuschauerzahlen und die künstlerische Weiterentwicklung der Sparten. Mehr als 80 Prozent der Aufwendungen entfielen auf Personal, das überwiegend tariflich gebunden sei.
Die Argumente der AfD-Fraktion
Fraktionschef Ronny Kumpf begründet den Vorstoß mit der Haushaltslage: „Bevor die Stadt die Kita-Beiträge erhöht, gibt es noch große Einsparpotenziale.“ Das Theater koste die Steuerzahler jährlich 37 Millionen Euro und nehme selbst nur vier Millionen ein. Für 2026 sind laut Wirtschaftsplan rund 21,8 Millionen Euro städtischer Zuschuss und 15,2 Millionen Euro vom Land vorgesehen, bei einem Gesamtbedarf von 41 Millionen Euro. Seit 2024 ist der städtische Zuschuss laut Antrag um zwei Millionen Euro gestiegen.
Widerstand im Magdeburger Stadtrat
Der Linken-Fraktionsvorsitzende Noah Biswanger nannte den Antrag „Sinnbild ihrer Kultur-Kahlschlaghammer-Politik“. Die Fraktion aus SPD, Tierschutzallianz und Volt sieht das Theater in seiner Existenz bedroht und verweist auf die überregionale Wertschätzung durch die Auszeichnung Theater des Jahres 2025. Die Gartenpartei teilte mit, sie werde Einsparungen bei Kultur und Sport nicht zustimmen.
Frühere AfD-Anträge zur Kulturförderung
Es ist nicht der erste Vorstoß der Partei im Bereich Kulturförderung. Vor gut einem Jahr scheiterte die AfD-Fraktion im Stadtrat damit, Fördermittel nur an Projekte zu vergeben, die eine Erklärung zu parteipolitischer Neutralität abgeben. Im Sommer wurde auch der Antrag der AfD-Landtagsfraktion abgelehnt, staatliche Fördergelder an ein Bekenntnis zu „Staat, Demokratie und deutscher Kultur“ zu binden. Beide Anträge betrafen die Kulturförderung allgemein. Generalintendant Julien Chavaz hatte nach der Landtagswahl vor politischem Druck auf öffentlich finanzierte Häuser gewarnt, einen vorauseilenden Kurswechsel aber ausgeschlossen.
Tillschneider und das AfD-Regierungsprogramm
Hinter der kulturpolitischen Linie der Landespartei steht Hans-Thomas Tillschneider. Der kulturpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, seit Oktober Vizepräsident des Landtags, hat das „Regierungsprogramm“ zur Landtagswahl maßgeblich mitgestaltet. Es sieht eine „patriotische“ Kulturpolitik vor: mehr deutsche Stücke an den Theatern, Förderung vor allem für Kunst, die zur deutschen Identität beiträgt, und kein Staatsgeld für „antideutsche Kunst“. Tillschneider sagt, Kunst habe im Einklang mit der Nationalkultur zu stehen. Kritiker sehen darin einen Eingriff in die Kunstfreiheit.
Theatervertrag mit dem Land läuft bis 2028
Neben der Stadt fördert das Land das Theater. Der laufende Vertrag gilt laut Staatskanzlei bis Ende 2028. Eine Sprecherin verwies darauf, dass Grundgesetz, Landesverfassung und Kulturfördergesetz gewahrt bleiben müssen und das Landesinteresse gegeben sein muss. Angaben dazu, ob der Vertrag der Stadt Mindestbeiträge vorschreibt, liegen bislang nicht vor.
Haushaltslage: 47 Millionen Euro fehlen
Der Vorstoß fällt in eine Haushaltsdebatte. Magdeburg kämpft seit Jahren mit einem nicht ausgeglichenen Haushalt, im Planentwurf fehlen derzeit 47 Millionen Euro. Der Stadtrat soll am 5. November über das Konsolidierungskonzept und am 7. Dezember über den Haushalt 2027 entscheiden. (mit dpa)
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