Es geht weiter, heißt es auf der Seite des Theaters Ost – und zwar mit der bekannten Qualität, trotz der Aufregung um die abgewendete Zwangsräumung Anfang August. Die nächste Veranstaltung ist ausverkauft – die Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz füllt zuverlässig den großen Saal, aus dem einst die „Aktuelle Kamera“ gesendet wurde. Es wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass sie im Theater Ost mit dem Publikum ins Gespräch kommt.
Der Streit mit dem Immobilienentwickler Stefan Klinkenberg und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist allerdings nicht vom Tisch – es muss eine Lösung gefunden werden, die die Sanierung des Gebäudes erlaubt und das Bestehen des Theaters sichert. „Wir verhandeln“, sagt Theaterdirektorin Kathrin Schülein, und „wir arbeiten“.
Noch immer hoffen die Theaterleute auf eine Verständigung, die eine Sanierung bei laufendem Betrieb ermöglicht. Investor Klinkenberg lehnt das ab. „Für den anderen Fall suchen wir eine Interimsspielstätte“, sagt Kathrin Schülein. Von der SPD-geführten Senatsverwaltung erhält sie dabei keine Unterstützung: „Die verlangen, dass ich einen Vorvertrag unterschreibe, in dem sich das Theater nach Ende der Bauarbeiten zur Rückkehr in das Gebäude in Adlershof verpflichtet.“
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Dass eine solche Vorbedingung gestellt wird, sieht sie als Erpressung, schließlich könne niemand wissen, was bis dahin geschehe und ob die Sanierungsergebnisse zu den Bedürfnissen des Theaters passen. Auf diese Erpressung will sich Schülein nicht einlassen und sagt: „Das unterschreibe ich nicht!“ Im Erbbaupachtvertrag, der Stefan Klinkenberg die Baurechte zuspricht, ist festgelegt, dass der bisherigen Mieterin, Theater Ost, das Recht auf Rückkehr zusteht. Von Pflicht ist nicht die Rede. Dass zudem die Unterstützung beim Finden einer Interimsspielstätte verweigert wird, erscheint ihr als Teil der Erpressung. Sie wiederholt: „Wir hoffen auf Verständigung.“
Die Stimmung im Theater sei gut: „Alle sind kampfbereit. Alle würden am liebsten das Haus sichern, denn sie lieben es.“ Derzeit sieht man zwei Optionen: „Entweder wird uns das Haus übergeben oder wir gehen zum 1. Januar 2027 raus.“
In der Gesprächsreihe „Perspektivwechsel“ saß Verleger Holger Friedrich mit dem FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki im August auf der Bühne des Theater Ost.
© Markus Wächter/Berliner Zeitung
Bis dahin steht der Spielplan: „Der Kartenverkauf läuft, etliche Veranstaltungen sind ausverkauft – oder fast“, sagt die Leiterin und schwärmt von einigen Höhepunkten im Programm: „Da stehen echte Größen auf der Bühne wie der Musiker Thomas Morgenstern. Grandios ist das Gastspiel ,Eisler lost in Hollywood‘.“ Der kommende Freitag steht unter dem Titel „Treuhandblues“ mit Film, Vorträgen, Gesprächen und Musik – auch ein Wiedersehen mit der Kabarettistin Gisela Oechelhäuser wird es geben.
Kommende Woche ist der Schriftsteller Christoph Hein zu Gast. Und am 24. September gibt es Teil vier der Gesprächsreihe „Perspektivwechsel – eine deutsch-deutsche Diskussion“. Diesmal spricht Holger Friedrich, Verleger dieser Zeitung, mit dem Kolumnisten Gunnar Schupelius über das Thema „Was dürfen Ossis, was dürfen Wessis, und was müssen sie gemeinsam regeln“.
Wer also schon immer mal ins Theater Ost wollte und es bisher noch nicht geschafft hat: Jetzt ist der Moment.
Theater Ost: Spielplan und Karten unter Tel.: 23 93 45 79 oder www.theater-ost.de
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