Wer es intensiv mit dem Ostfußball hält, speziell dem in Thüringen, sollte ab sofort im Internet die Seite „ARD-Sportschau – Tor des Monats“ aufrufen und unbedingt sein Voting abgeben. Entweder per Handy oder per Mail. Das ist bis zum 19. September möglich. Es gibt etwas ganz Besonderes zu beurteilen: Zum ersten Mal seit der Einführung der äußerst populären Wahl zum „Tor des Monats“ vor nunmehr 55 Jahren im März 1971 haben es gleich zwei Profis aus Thüringen in den erlauchten Kreis der fünf Kandidaten der letzten Runde gebracht.
Löder und Hajrulla im Derby um das Tor des Monats
Zur Wahl steht das „Tor des Monats August“. Elias Löder (26) vom FC Carl Zeiss Jena und Romarjo Hajrulla (27) vom Liga-Konkurrenten FC Rot-Weiß Erfurt konnten mit ihren außergewöhnlichen Traumtoren in den exklusiven Zirkel der „Top 5“ vorstoßen. Schon das ist ein riesengroßer Erfolg.
Löder entzückte die Zeiss-Fans am 23. August in Runde eins des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten SV Darmstadt 98 mit einem fulminanten Distanzschuss aus gut 30 Metern Entfernung, nachdem er den Ball elegant angenommen hatte. Viele Augenzeugen sprachen von einem Geniestreich. Das Super-Tor zum 1:1-Ausgleich reichte aber leider nicht zum Sieg. Jena unterlag mit 1:2.
Löders Konkurrent im speziellen „Thüringen-Derby“ der beiden Kunstschützen, der Erfurter Hajrulla, traf am 25. August im Liga-Duell gegen den FSV Luckenwalde (5:0) mit einem artistischen Hackenvolley zum 1:0. Alle Tore laufen per Video auf der ARD-„Sportschau“-Internetseite. Und ich muss zugeben: Man kann sich kaum sattsehen und sollte auch die Zeitlupe genießen.
Beide Thüringer haben aber noch drei Konkurrenten: Andre Leipold (SV Verl/Fernschuss), Tim Skarke (1. FC Union Berlin/Hacke) und Nadiem Amiri (Mainz 05/Freistoß). Für meinen Geschmack besitzt das Trio keine Chance gegen die beiden Protagonisten aus Jena und Erfurt.
Faltermeier war der Erste
Die großartige Idee, die Tore des Monats im deutschen Fußball zu küren, hatte einst der „Sportschau“-Moderator Klaus Schwarze, der im September 2024 im Alter von 83 Jahren gestorben ist.
Das historische erste „Tor des Monats“ aus dem März 1971 gelang einem gewissen Gerhard Faltermeier von Regionalligist Jahn Regensburg. Es war ein großartiger Freistoß. Seitdem konnte man unzählige Treffer bewundern, die es zu TV-Ruhm und den Schützen „ewige“ Anerkennung an den Fußball-Stammtischen von Flensburg bis Aue brachten.
Unterschiedsspieler schießen Top-Tore
Dass Elias Löder und Romarjo Hajrulla nun deutschlandweit zu Fernsehstars werden, ist kein Zufall. Beide bewiesen schon in der Vergangenheit ihre besonderen Qualitäten. Sie haben sich die populäre Bezeichnung „Unterschiedsspieler“ verdient.
Löder, geboren in Wernigerode, schoss bereits in der Saison 2023/24 für Jena 25 Tore und setzte sich die Krone als Torschützenkönig der Regionalliga Nordost auf, ehe er ein Intermezzo beim damaligen Drittligisten SSV Ulm 1846 gab, aber mit Ulm abstieg und nach Jena zurückkehrte. Er aber kennt das Gefühl, wenn man die Medaille für ein „Tor des Monats“ bekommt. Im Juli 2021 traf er für den Regionalligisten Germania Halberstadt gegen Hertha BSC II (4:0) per exzellentem Seitfallzieher und wurde überregional bekannt.
Elias Löder (r.) jubelt nach seinem Treffer zum 1:1 gegen Darmstadt 98.
© Jan Woitas/dpa
Sein Konkurrent, der in Athen geborene albanisch-griechische Angreifer Romarjo Hajrulla, gilt als sehr temperamentvoller Kicker. Vor einem Intermezzo bei Energie Cottbus 2024, wo er in der 3. Liga über den Status eines Edelreservisten nicht hinauskam, hatte er für Erfurt in 58 Spielen bereits 30 Tore geschossen. Seit September 2025 stürmt er wieder für Rot-Weiß.
Wenn sich Fans einen Spaß erlauben
Wenn es um Besonderheiten bei der Tor-Kür geht, wie dem Novum, dass nun zeitgleich zwei Thüringer Profis im Rennen um das „Tor des Monats“ sind, kommt man um eine Story aus dem Kuriositätenkabinett nicht herum. Der ehemalige DDR-Nationalspieler Frank „Wuschi“ Rohde, der mit dem BFC Dynamo neunmal DDR-Meister wurde, spielte nach dem Fall der Mauer erfolgreich beim Bundesligisten Hamburger SV und danach von 1993 bis 1995 bei Hertha BSC.
Beim Zweitligaduell beim FC Carl Zeiss Jena im Juli 1993 spielte Rohde einen Rückpass auf Hertha-Torhüter Walter Junghans. Doch der Ball sprang auf dem holprigen Rasen „blöd“ auf, Junghans säbelte über den Ball, der ins Tor rollte – zum 1:1-Endstand. Die deutschen Fans wählten das Selbsttor tatsächlich zum „Tor des Monats Juli“. Rohde aber verweigerte beleidigt die Annahme der Medaille. Erst viele Jahre später nahm er die „Ehrung“ von Umfrage-Erfinder Klaus Schwarze an und machte seinen Frieden mit dieser Geschichte.
Tickets nur für Mitglieder: Magdeburg mit klarer Ansage vor Spiel des Jahres
So etwas wird Elias Löder und Romarjo Hajrulla auf keinen Fall passieren, sollte einer von beiden die Wahl gewinnen. Die Fußball-Anhänger aus ganz Thüringen können stolz sein auf ihre überragenden Torjäger. Vielleicht schießt einer von beiden seinen Klub sogar zum direkten Aufstieg in die 3. Liga. Im Moment thront Erfurt ungeschlagen an der Spitze der Regionalliga Nordost. Auch dank der Tore von Hajrulla.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]