Am Montag hat am Landgericht Erfurt ein Prozess begonnen, der erstmals die mutmaßlichen Aktivitäten der kalabrischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta in Thüringen und Sachsen in den Fokus der Justiz rückt. Angeklagt sind zwei italienische Staatsbürger im Alter von 31 und 57 Jahren. Die Staatsanwaltschaft Gera wirft ihnen vor, in erheblichem Umfang mit Kokain gehandelt zu haben. Die Ermittlungen legen zudem eine Verbindung zu einem weitreichenden kriminellen Netzwerk der ’Ndrangheta nahe.
Die beiden Männer sollen zwischen 2022 und 2025 rund 40 Kilogramm Kokain gehandelt haben. Der 31-jährige Angeklagte, dessen familiäre Verbindungen zu einem ’Ndrangheta-Clan aus dem kalabrischen Ort San Luca führen sollen, wird zusätzlich der Mitgliedschaft in der Mafia beschuldigt. Laut Staatsanwaltschaft habe er in Thüringen und Sachsen in von Italienern geführten Gastronomiebetrieben agiert, die möglicherweise zur Geldwäsche genutzt wurden. Sein Verteidiger bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Beweise als unzureichend.
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Die Festnahmen der Angeklagten erfolgten im Februar 2025 während einer groß angelegten Razzia des Thüringer Landeskriminalamts (LKA). Diese Aktion war das Ergebnis jahrelanger verdeckter Ermittlungen, die unter anderem durch einen Drogenkurier angestoßen wurden. Die Beamten konnten dabei auch internationale Schmuggelrouten des Kokains aufdecken, das offenbar über ein weit verzweigtes Netzwerk der ’Ndrangheta nach Deutschland gelangte.
Bereits seit den 1990er-Jahren im Osten aktiv
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Die ’Ndrangheta gilt als eine der mächtigsten Mafia-Organisationen weltweit und ist vor allem im Kokainhandel aktiv. Seit den 1990er-Jahren sollen Clans aus San Luca in Ostdeutschland Fuß gefasst haben. Frühere Ermittlungsversuche der Thüringer Behörden gegen die ’Ndrangheta blieben jedoch erfolglos. Ein prominentes Beispiel ist die Operation „Fido“, die Anfang der 2000er-Jahre gegen acht italienische Verdächtige geführt wurde, aber 2006 mangels Beweisen eingestellt wurde.
Erst durch Berichte von MDR Investigativ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ im Jahr 2021 rückte das Thema erneut in den Fokus. Daraufhin setzte der Thüringer Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, um die Mafia-Aktivitäten im Bundesland zu beleuchten.
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