Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen ist zahlungsunfähig. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde ein Insolvenzantrag gestellt. Die 120 Beschäftigten wurden laut Geschäftsführer Daniel Jeschonowski in einer Betriebsversammlung über die Lage informiert. Es ist bereits die zweite Insolvenz des Traditionsbetriebs innerhalb weniger Jahre.
Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Thomas Jacobs soll der Betrieb nicht stillgelegt werden: Die Produktion laufe in vollem Umfang weiter, auch neue Aufträge würden weiterhin angenommen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld gesichert. Ziel sei es, das Unternehmen neu aufzustellen.
„Für uns ist klar: Wir wollen, dass Kahla weiter produziert“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Stefan Schau. „Die Mannschaft steht zusammen und arbeitet jeden Tag dafür, dass Aufträge rausgehen und Kunden zufrieden sind.“ Die Insolvenz sei eine schwierige Situation, aber „sie gibt auch die Chance, das Unternehmen neu aufzustellen“.
Mehrere Faktoren führten zur finanziellen Schieflage
Als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit nennt das Unternehmen eine unerwartet schwache Auftragslage in der laufenden Saison sowie eine spürbare Kaufzurückhaltung im Gastronomiebereich. Zusätzlich belasten die ohnehin hohen Energiekosten den Betrieb, die durch den Krieg im Nahen Osten weiter gestiegen seien. Laut Informationen von MDR Thüringen wurde der Insolvenzantrag bereits am 27. Februar eingereicht.
Für die energieintensive Porzellanherstellung sind die Gaspreise ein entscheidender Kostenfaktor. Bereits zum Jahreswechsel 2022/2023 stand das Unternehmen vor einem Produktionsstopp, weil sich der Gaspreis während der Corona-Krise versechsfacht hatte. Damals musste innerhalb weniger Wochen ein neuer Gaslieferant gefunden werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Vom DDR-Kombinat zur modernen Porzellanmanufaktur
Dabei blickt Kahla auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1844 reicht. Zu DDR-Zeiten bildete die VEB Feinkeramik Kahla das Zentrum der ostdeutschen Porzellanproduktion. 17 Werke mit insgesamt 18.000 Beschäftigten gehörten zum Kombinat, allein am Standort Kahla arbeiteten rund 2400 Menschen. Nach der Wende übernahm die Treuhandanstalt die Privatisierung, strich die Belegschaft massiv zusammen und verkaufte das ehemalige Kombinat an einen branchenfremden Investor. Bereits 1993 folgte die erste Insolvenz.
Den Wiederaufbau übernahm damals Günther Raithel, ein erfahrener Porzellanmanager, der zuvor bei Rosenthal tätig war. Über mehr als 25 Jahre gelang es ihm, das Geschäft am Laufen zu halten. Doch 2020 musste Kahla erneut Insolvenz anmelden. Damals war ein gescheitertes Großprojekt der Auslöser für den finanziellen Engpass. Ein halbes Jahr später übernahm Daniel Jeschonowski das Unternehmen, das zu diesem Zeitpunkt noch rund 250 Mitarbeiter beschäftigte – mehr als doppelt so viele wie heute.
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