Metal

Till Lindemanns Ex-Gitarristin startet mit eigener Band durch: „Genieß deinen Absturz, fliegender Affe!“

Danielle „Dani“ Sophia ist nun Teil der neuen Metal-Band Blue Medusa. Ihre zweite Single „Flying Monkey“ handelt von mächtigen Narzissten und deren Mitläufern. Geht es auch um Trump?

4 Min
Dani Sophia fegt im Song über ihre Gitarre, als gäbe es kein Morgen.

Dani Sophia fegt im Song über ihre Gitarre, als gäbe es kein Morgen.

© danisophia.official/instagram

Dani Sophia hat eine neue Band. Letzten Sommer war die in Denver beheimatete Gitarristin auf großer Festival-Tournee quer durch Europa mit Till Lindemann. Danach ging man wieder getrennte Wege: Auf Lindemanns ausgedehnter Solo-„Meine Welt“-Konzertreise (39 Shows in 24 Ländern, ohne Rammstein) war Sophia nicht mehr mit von der Partie.

Doch nun hat Sophia ganz offensichtlich neue Mitstreiterinnen gefunden: Blue Medusa heißt ihre frisch im Februar dieses Jahres gegründete Extreme-Metal-Band, die von der kanadischen Sängerin Alissa White-Gluz initiiert wurde, nachdem sie im Vorjahr die schwedische Melodic-Death-Metal-Band namens Arch Enemy verlassen hatte. Neben White-Gluz und Sophia zählt auch die Gitarristin Alyssa Day zur permanenten Band-Besetzung.

Und nun haben Blue Medusa (nach „Checkmate“) bereits ihre zweite Single am Start: „Flying Monkey“ heißt der Song, zu Deutsch: fliegender Affe. Im amerikanischen Englisch ist das allerdings eine stehende Redewendung, eine Referenz auf „Der Zauberer von Oz“, wo geflügelte Affen der „bösen Hexe des Westens“ dienen.

In Anspielung auf diesen insbesondere in den USA enorm populären Stoffes meint „flying monkeys“: loyale Handlanger eines tyrannischen Narzissten oder Manipulators. Der Blue-Medusa-Song greift schwer verkennbar Leute an, die ihre Moral für Macht, Zugehörigkeit oder Anerkennung zu opfern bereit sind.

„Du hast deinen Stolz aufgegeben/ deine Würde verkauft/ für ein Paar ausgestopfte Flügel“, grollt Alissa White-Gluz schon zu Beginn der ersten Strophe in einem Sound wie direkt aus der Hölle – um dann zynisch zu kommentieren: „Wie praktisch.“ Das lyrische Du habe seine Handflächen wundgeschlagen beim Applaudieren „für einen König, der dein Gesicht ausgelöscht hat“. Von Papier-Heiligenschein und hohlem Rückgrat ist die Rede. Dani Sophia wiederum fegt über ihre Elektrische, als gäbe es kein Morgen.

In einem narrativen Twist wird dieser „flying monkey“ allerdings zu Fall gebracht. Es gibt also doch noch Rettung für die Anständigen: „Genieß deinen Absturz, fliegender Affe!“ heißt die kraftvolle Schlüsselzeile dieses (zumindest fürs lyrische Ich) erbaulichen Extreme-Metal-Liedes. Ein Sturz, der sich sowohl körperlich, moralisch, psychologisch als auch sozial verstehen lässt.

Wenn man auf hohem Niveau jammern wollte, könnte man sagen: Das Gitarren-Solo von Dani Sophia hätte ruhig noch etwas länger sein dürfen - und lauter abgemischt. Denn die Jazz-geschulte und Klassik-affine Sophia bringt eine Klangfarbe in den Blue-Medusa-Sound ein, die (zumal inmitten des brachialen Sound-Tornados) von einer Subtilität ist, die nicht nur im Genre ihresgleichen sucht. Hinter White-Gluzens Vocals sollte man sie mitnichten verstecken.

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Bezieht sich das Lied auf queere Menschen unter Trump?

Wen genau die drei Metal-Damen da nun anprangern, wird übrigens nicht so recht klar. Allerdings hat Dani Sophia, die selbstbewusst zu ihrer Identität als trans Frau steht, in den letzten Monaten des Öfteren kritisch über die queerphobe, insbesondere transfeindliche Politik von Donald Trump gepostet.

Übrigens hatten auch Rammstein schon sehr queere Momente in ihren opulenten Bühnenshows: Man denke etwa an den Kuss der Rammstein-Gitarristen Richard Kruspe und Paul Landers 2019 in Moskau. In Polen schwenkten Landers und Rammstein-Schlagzeuger Christoph Schneider in einem Schlauchboot eine Regenbogenflagge.

Die Eröffnungszeile „gave up your pride/ for a pair of taxidermic wings“ der neuen Blue-Medusa-Single ließe sich beispielsweise auf queere Menschen beziehen, die ihren „pride“, also ihren Stolz zu opfern bereit sind für anderweitige Vorteile – möglicherweise sogar, indem sie sich selbst in die Dienste des Präsidenten stellen.

Selbstverständlich ist das nur eine mögliche Lesart, denn auch ein Extreme-Metal-Song ist, wie jedes gute Gedicht, offen für Interpretation. Eines ist jedenfalls klar: Die Flügel-Affen sollten sich gut anschnallen.


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