Im Dorf Lüptitz im Landkreis Leipzig soll eine der ersten Tiny-House-Siedlungen Sachsens entstehen, deren Bewohner dort mit ihrem Erstwohnsitz gemeldet sind. Der Gemeinderat der Gemeinde Lossatal stimmte am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit für das Vorhaben. Damit ist der Weg frei für ein in dieser Form bislang einmaliges Wohnprojekt im ländlichen Raum.
Auf einer rund 5.000 Quadratmeter großen Fläche am Dorfrand von Lüptitz sollen bis zu 15 sogenannte Tiny Houses – Kleinsthäuser mit Wohnflächen zwischen 15 und 50 Quadratmetern – errichtet werden. Einige Modelle verfügen über eine zusätzliche Schlafebene. Neben den privaten Parzellen sind gemeinschaftlich genutzte Flächen vorgesehen. Zentraler Bestandteil des Ratsbeschlusses ist die Auflage, dass die Minihäuser ausschließlich als Erstwohnsitze genutzt werden dürfen – eine Nutzung als Ferien- oder Wochenenddomizil ist ausdrücklich ausgeschlossen.
Projektträger ist das Unternehmen TinyVillage Leipzig. Dessen Geschäftsführer Johannes Schubert zeigte sich nach der Abstimmung erleichtert: „Es ist uns ein Stein vom Herzen gefallen, dass es nach der langen Zeit nun doch ziemlich reibungslos durch den Gemeinderat gekommen ist, und jetzt kann es losgehen“, sagte Schubert. Man stehe bereits mit mehreren Partnern im engen Austausch. Die ersten Bewerbergespräche sollen zeitnah beginnen, im Sommer könnte die Erschließung des Geländes starten, sodass im Winter die ersten Bewohner einziehen könnten.
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Mehr als 200 Interessenten
Das Interesse an dem Projekt ist beträchtlich: Nach Angaben der Projektentwickler haben sich bereits mehr als 200 Interessenten gemeldet. Mit dem erfolgten Ratsbeschluss seien nun auch formelle Bewerbungen möglich. Bei der Auswahl der künftigen Bewohner soll nicht allein die finanzielle Tragfähigkeit eine Rolle spielen, sondern auch die Frage, wie das spätere Zusammenleben innerhalb der Siedlung funktionieren kann. Das Konzept setzt auf reduziertes, nachhaltiges Wohnen und ein stärkeres Miteinander unter den Bewohnern. Auf dem vorgesehenen Baufeld am Ortsrand sind laut MDR bereits erste Absperrbänder angebracht. An einem Aushang am künftigen Gemeinschaftshaus – derzeit noch eine baufällige Großgarage – können Passanten den Lageplan der geplanten Siedlung einsehen.
Tiny Houses - wenn die Not als Trend verkauft wird
Das Vorhaben ist auch ein persönliches Anliegen des scheidenden Bürgermeisters Uwe Weigelt (SPD), der das Projekt mit auf den Weg gebracht hat. Der 62 Jahre alte Lüptitzer, der bei der letzten Bürgermeisterwahl nicht mehr kandidiert hat, sagte dem MDR: „Alle reden ja von mangelndem Wohnraum, und das ist eine kleine, smarte Lösung. Und ich drücke den Investoren die Daumen, dass sie auch die Chemie in der Siedlung gut hinbekommen.“ Er habe viel Herzblut in das Projekt gesteckt.
Mit dem Tiny Village will die Gemeinde Lossatal zeigen, dass bezahlbares und zeitgemäßes Wohnen auch im ländlichen Raum möglich ist. Gelingt das Vorhaben, könnte Lüptitz als Modellprojekt über die Region hinaus Aufmerksamkeit auf sich ziehen – als kleiner Ort, der mit einer kompakten Wohnform auf die Herausforderungen des Wohnungsmarkts reagiert.
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