Medizingeschichte

Das letzte Tobhaus Deutschlands öffnet für einen Nachmittag

Martin Gropius baute das Tobhaus in Eberswalde als Teil seines ersten Krankenhausbaus. Am Tag des offenen Denkmals ist es erstmals wieder zu besichtigen.

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Blick in das Tobhaus auf dem Gelände des Martin-Gropius-Krankenhauses in Eberswalde

Blick in das Tobhaus auf dem Gelände des Martin-Gropius-Krankenhauses in Eberswalde

© GLG/Andreas Gericke

Tobhaus, schon dieses Wort fasziniert. Der Ort selbst auf dem Gelände des Martin-Gropius-Krankenhauses in Eberswalde tut es auch. Schon die Bilder erzeugen eine unheimlich Aura, vergitterte Fenster, massive Türen.

Seit Mitte Juli arbeiten Restauratorinnen hier daran, Details zu bewahren. Und nun, zum Tag des offenen Denkmals, steht es allen Interessierten offen. Das Tobhaus lässt einen tief in die Medizingeschichte blicken.

Erbaut wurde es in den Jahren 1862 bis 1865 als Teil der damaligen Landes-Irrenheil- und Pflegeanstalt, der Architekt ist Martin Gropius, nach dem das Krankenhaus benannt ist. Es ist sein erster Krankenhausbau. Hier wurden einst unruhige oder gefährdete Patienten aus der Psychiatrie isoliert. Es ist das einzige in vielen Teilen im Originalzustand erhaltene Tobhaus in Deutschland und steht unter Denkmalschutz.

Kranke wurden zu Patienten

„Man muss dazu wissen, dass Tobhäuser, die uns heute furchteinflößend erscheinen, zu ihrer Zeit klar eine Verbesserung darstellten“, sagt Christine Keller, die ehemalige Oberärztin des Hauses und seit 2021 Vorsitzende des Vereins Historisches Tobhaus Eberswalde.

Vor den Tobhäusern gab es Käfige, Verliese und Narrentürme, in denen psychisch Kranke manchmal gemeinsam mit Straftätern angekettet wurden. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts setzte ein Wandel ein, und das Tobhaus ist architektonischer Ausdruck dafür. Die Kranken wurden zu Patienten. Die zeitweise Isolierung galt oft als einziger Weg, die Leidenden vor sich selbst zu schützen – und andere vor ihnen. Martin Gropius wollte Räume, die einerseits beruhigen, andererseits Isolierung ohne unnötige Grausamkeit ermöglichen.

Was unter der Farbe liegt

Bei der Restaurierung konnte man an den Wänden Fragmente originaler Ornamente freilegen. Einen besseren Beweis dafür, dass dieses Tobhaus für einen sich wandelnden Umgang mit psychisch Kranken steht, gibt es nicht. Wer eine Verwahrstelle baut, schmückt sie nicht. Die Ornamente belegen, was die Bauherren mit dem Tobhaus erschaffen wollten: kein Gefängnis, sondern einen Ort der Behandlung.

Der Verein stellt sich vor, dass das Haus einmal nicht nur Geschichte bewahren, sondern Teil des Krankenhausbetriebs werden könnte. Am Konzept wird noch gearbeitet.

Tag des offenen Denkmals: 13. September, 14 bis 17 Uhr, Gelände des GLG Martin-Gropius-Krankenhauses, Oderberger Straße 8, Eberswalde. Kleine Ausstellung, Musik vom Duo Niederfrequenz. Eintritt frei.

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