Tobias Vogt segelte auf dem Potsdamer Platz

"Die Hochhäuser wirken wie ein Kamin"

Birgitt Eltzel
3 Min

Herr Voigt, Ihr Modellschiff hat Platz zwei geschafft. Zufrieden?Eigentlich hatte ich mir Chancen auf den Sieg ausgerechnet. Aber Thomas Dreyer, der die Regatta organisiert hat, konnte sich gegenüber allen 18 Teilnehmern durchsetzen. Enttäuscht bin ich über meinen zweiten Platz aber nicht.War der Kurs zwischen den Hochhäusern auf dem Potsdamer Platz sehr schwierig?Der Wind dort ist kompliziert. Er dreht sehr und ist böig. Die Hochhäuser wirken manchmal wie ein Kamin. Da muss man beim Steuern besonders aufpassen. Gekentert ist aber keiner. Und obwohl es auch ein paar Mal geregnet hat, hat es großen Spaß gemacht, in der neuen Berliner Mitte zu segeln.Wo segeln Sie denn sonst?Meist auf dem See im früheren Buga-Gelände und auf Badegewässern in Cottbus. Im Winter aber auch auf der Spree.Sie haben Ihr Boot "Tobis M+M's" genannt. Warum?Es ist total im M+M-Design gestaltet: gelber Untergrund, blaue Aufbauten und dazu die Buchstaben M und M in Kreisen.Werden Sie etwa vom Süßwarenhersteller gesponsert?Leider nicht. Das war nur so eine Assoziation. Die hat sich aus der Abkürzung für Micro Magic ergeben. Die nennen wir kurz "M M". Aber ich habe beim Bau des Bootes auch jede Menge Süßigkeiten genascht.Wie lange dauert denn der Bau eines Micro Magic-Segelbootes?Kommt darauf an, wie geübt man im Modellbau ist. Etwa 40 Einzelteile hat der Bausatz. Ein mäßig geübter Bastler braucht etwa 25 Arbeitsstunden. Ich habe 16 Stunden benötigt. Aber ich habe auch schon mit zwölf Jahren mit Modellbau begonnen.So ein Boot ist 53 Zentimeter groß und wiegt knapp ein Kilogramm. Trotzdem verstehen sich die Skipper durchaus als echte Segler ...Die Regeln bei einer Regatta sind die selben: Keiner darf den anderen behindern oder ihm die Vorfahrt nehmen. Es werden olympische Dreieckskurse gesegelt wie bei den Großen. Und auch gesteuert wird ähnlich, nur dass man das Boot vom Ufer aus mit einer Fernbedienung bedient. Dabei ersetzen die Daumen am Reglerknopf praktisch die Hände an Schot und Pinne.Sie haben jahrelang Segeln als Leistungssport betrieben. Wie sind Sie zu den Modellbooten gekommen?Ich wollte zunächst nur ein Hobby für den Winter. Im Internet bin ich dann auf Micro Magic gestoßen, unter www.micromagic-rc-segeln.de . Das Modellsegeln fand ich auch deshalb attraktiv, weil man nur etwa 200 Euro für den Bausatz und die Fernbedienung benötigt. Inzwischen betreibe ich den Sport das ganze Jahr über, immer mal ein paar Stunden in der Woche.Und was sagt Ihre Freundin dazu?Die macht mit. Zum Geburtstag habe ich ihr ein eigenes Boot gebaut. Die "Magic Star", ein weißes mit blauen Sternen. Nun können wir gemeinsam Regatten segeln.Das Gespräch führte Birgitt Eltzel.------------------------------Foto: Der Architekturstudent Tobias Voigt (30) aus Cottbus wurde am Sonnabend auf dem Pianosee am Potsdamer Platz Zweiter bei der Regatta der Micro Magics. Das ist die kleinste deutsche Segelbootklasse.

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