Ratgeber

Todesfalle Aufzug: So gefährlich sind Fahrstühle wirklich

In Berlin wird ein Mann im Paternoster zerquetscht und stirbt. Viele haben Angst im Aufzug. Ist das Verkehrsmittel sicher? Sollte man besser die Treppe nehmen?

Jesko zu Dohna
14 Min
Tod im Aufzug: Viele Menschen haben genau davor Angst. Aber ist die Angst wirklich berechtig?

Tod im Aufzug: Viele Menschen haben genau davor Angst. Aber ist die Angst wirklich berechtig?

© Fotoillustration: Pajović/BLZ. Bilder: Michelangelos Jüngstes Gericht, Imago

Jeder, der schon einmal in einem Paternoster-Aufzug gefahren ist, kennt dieses unheimliche Gefühl. Sie, lieber Leserinnen und Leser, wahrscheinlich auch. Was ist, wenn ich den Ausstieg verpasse? Wenn ich beim Ein- oder Ausstieg stolpere und nicht rechtzeitig wieder halt finde. Werde ich dann zerquetscht? Und was ist, wenn ich nicht rechtzeitig aussteige?

Am vergangenen Donnerstag kam es in einem Geschäftsgebäude in der Kleiststraße in Berlin in eben einem solchen Aufzug zu einem tödlichen Unfall. Dabei kam ein älterer Herr ums Leben. Was war passiert? Das Unglück ereignete sich in einem Paternoster (seit 1974 dürfen keine neu gebaut werden) in einem Bürogebäude direkt am Wittenbergplatz. Das Opfer wurde nach Angaben der Feuerwehr zwischen Erdgeschoss und erstem Stock zwischen einer aufwärts- und einer abwärtsfahrenden Kabine eingeklemmt und starb.

Haben Sie Angst im Aufzug? Oder sind Sie, wie diese Frau, total entspannt im Aufzug?

Haben Sie Angst im Aufzug? Oder sind Sie, wie diese Frau, total entspannt im Aufzug?

© Panthermedia/imago

So ein grausiger Unfall ist sicher der Horror vieler Menschen, die täglich Aufzüge benutzen. Nicht nur im Paternoster, sondern in ganz normalen Personenaufzügen fühlen sich die meisten Menschen zumindest unwohl. Bleibe ich stecken? Funktioniert der Notruf? Was ist, wenn ich hier übers Wochenende ohne Wasser und Lebensmittel stecken bleibe? Warum wird der Aufzug aus dem Jahr 1971 noch benutzt? Halten die Stahlseile? Kann der Aufzug abstürzen?

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Ein Unfall: Für die einen unwahrscheinlich, für andere Horror

Was für die einen nur ein harmloses Gedankenspiel ist, ist für andere der blanke Horror. Nach Schätzungen leiden sieben Prozent der Bevölkerung unter klaustrophobischen Ängsten, das heißt: Sie haben panische Phobie vor Enge und dem Gefühl von Eingesperrtsein. Manche andere haben panische Angst vor Unfällen, dass der Fahrstuhl ungebremst in die Tiefe stürzt.

Bei manchen ist die Angst so groß, dass sie von Psychologen behandelt werden müssen. Viele können deswegen überhaupt keine Aufzüge benutzen. Die Frage ist: Ist die Angst berechtigt? Kann ein Aufzug überhaupt abstürzen? Ist der Fahrstuhl ein sicheres Verkehrsmittel und wie viele Menschen verunglücken jährlich im Aufzug?

Millionen Deutsche benutzen täglich einen Aufzug. Und die allermeisten hatten noch nie Probleme. Im Durchschnitt dauert jede Aufzugsfahrt in Deutschland nur 7,96 Sekunden. Und jeder Aufzug legt durchschnittlich 245 Fahrten zurück. Doch sind Aufzüge bei so viel Beanspruchung sicher?

Fahrstuhl des Schreckens: Filmszene aus „The Elevator“, USA 1974.

Fahrstuhl des Schreckens: Filmszene aus „The Elevator“, USA 1974.

© United Archives/imago

In Leipzig tötete ein einziger Aufzug drei Menschen

Wer Presseberichte studiert, der stößt auf schaurige Unfälle. 2017 wurde in Sevilla, Spanien, eine Frau in einem Krankenhaus, kurz nachdem sie ihr drittes Baby entbunden hatte, von einem plötzlich hochfahrenden Aufzug in ihrem Krankenhausbett in zwei Teile gerissen und starb.

In Leipzig tötete ein einzelner Aufzug in einem Plattenbau 1999, 2005 und 2013 jeweils einen Menschen. Einmal stürzte ein 3-jähriges Mädchen zwölf Meter in den Tod, dann verlor eine Rentnerin beide Beine und verblutete und schließlich wurde 2013 die Leiche eines jungen Mannes eingeklemmt zwischen Aufzugskabine und Schachtwand gefunden. Und das alles trotz eines gültigen Prüfsiegels vom Tüv.

Der jüngste Anlagensicherheitsreport des Tüv gibt einen ersten statistischen Einblick in das Thema Aufzugssicherheit. 650.000 Aufzugsanlagen überprüfte die Organisation im Jahr 2021 in Deutschland. Ihr Urteil: Weniger als die Hälfte (45,5 Prozent) der geprüften Aufzugsanlagen sind „mängelfrei“. Und noch schlimmer: Bei 14,4 Prozent der kontrollierten Fahrstühle entdeckten die Sachverständigen „erhebliche Mängel“.

Panikattacken und Angst vor dem Absturz: Für einen hohen Prozentsatz unserer Mitbürger ist diese Angst ganz real.

Panikattacken und Angst vor dem Absturz: Für einen hohen Prozentsatz unserer Mitbürger ist diese Angst ganz real.

© Fotoillustration: Roshanak Amini für Berliner Zeitung. Bilder: Imago, Wikimedia Commons.

Tüv: Verschlissene Tragseile, ausgefallene Notrufsysteme

Bei weiteren rund 4550 Anlagen wurden sogar „gefährliche Mängel“ beanstandet. 2600 Aufzüge mussten gar „sofort stillgelegt“ werden. Klassische Mängel waren verschlissene Tragseile, defekte Steuerungen oder ausgefallene Notrufsysteme. Das Urteil des Tüv: „Herabfallende Kabinen, in Aufzugstüren eingeklemmte Finger oder Stürze in den offenen Aufzugsschacht: Immer wieder kommt es bei Aufzugsanlagen in Gebäuden zu schweren Unfällen mit Verletzten oder sogar Toten.“

Nach jüngsten Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung gab es allein 2020 in Deutschland 645 Vorfälle mit Aufzügen, bei denen Menschen im gewerblichen Umfeld zu Schaden gekommen sind (2019 waren es 913 Unfälle). Zwei Unfälle endeten hierzulande tödlich. Die Dunkelziffer nicht erfasster Vorfälle dürfte erheblich höher sein, so der Tüv-Bericht.

Sind Aufzüge sicher? Das sagt der Experte

Aber wir wollten es genauer wissen und haben einen Berliner Experten gefragt, der sich beruflich mit Aufzügen beschäftigt. Ludwig von Busse ist Geschäftsführer der Firma Simplifa, die sich für Aufzugsbetreiber um Management, Wartung und alle Belange rund um den Betrieb eines Aufzugs kümmert, bis hin zur energetischen Optimierung. „Klassisches Flotten-Management vom Paternoster über den uralten Aufzug im Jugendstil-Mietshaus bis zur modernen Aufzugsanlage im Bürogebäude“, präzisiert von Busse.

Aufzugsexperte Ludwig von Busse hat keine Angst im Aufzug.

Aufzugsexperte Ludwig von Busse hat keine Angst im Aufzug.

© privat

Von Busse ist mit der emotionalen Beziehung der Menschen zum Aufzug bestens vertraut und ist einer der kompetentesten Experten zu diesem Thema. Der Aufzug sei eines der sichersten Verkehrsmittel, sagt von Busse, schließlich würde alle zwei Tage die gesamte Weltbevölkerung in einem Aufzug befördert, ohne Aufzüge gehe auf dieser Welt wirtschaftlich gar nichts mehr: „Keine Skyline, kein Porsche, keine Coca-Cola, keine Fertigpizza ohne Aufzug.“

Aber von Busse merkt auch an, dass in Deutschland nicht klar sei, wie viele Aufzüge es genau gibt. Er geht von rund 800.000 aus. Zudem sei im europäischen Vergleich die Umsetzung der deutschen Gesetzgebung und die Verordnungen erstaunlicherweise nicht so klar und konkret wie in zum Beispiel südeuropäischen Ländern.

Defekte Aufzüge auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff.

Defekte Aufzüge auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff.

© Jens Koehler/imago

Rund 100.000 Aufzüge werden nicht auf ihre Sicherheit überprüft

„Bis Anfang der 2000er war der Tüv staatlich, seit der Privatisierung prüfen einzelne private Unternehmen regionale Tüvs, die Dekra und / oder die GTÜ. Alle haben ein paar Zahlen“, sagt von Busse, „es gibt wie bei Autos kein zentrales Register, und das ist ein Problem.“ Von Busse schätzt, dass bis zu 100.000 Aufzüge bundesweit jährlich dadurch einfach nicht auf ihre Sicherheit geprüft würden.

Solange nichts passiere, würde sich auch keiner bei dem Aufzugsbetreiber melden. Das sei natürlich ein gewisses Risiko, sagt der Experte. Sein Unternehmen will dafür Abhilfe schaffen. Ein weiteres Problem sei, dass die betriebenen Aufzüge in Deutschland sehr alt seien. Es gäbe Aufzüge von 1898. Im Schnitt sind die deutschen Aufzüge 30 Jahre und älter.

Technisch gesehen sei die Hälfte der Aufzüge in Deutschland an ihrem Lebensende, eine völlige Überalterung im Markt. Wenn solche Aufzüge gewartet und technisch upgedatet seien, sei das kein Problem. Aber das sei nicht immer der Fall. Manche Eigentümer kümmerten sich, oft auch aus Unwissenheit, nicht um solche Fragen. „Und da kann es dann leider gefährlich werden“, so von Busses schonungsloses Urteil.

Sicherheitsstandards sind nur eine Haftungsfrage

Aber steht nun die Angst in einem Verhältnis zur Sicherheit der Aufzüge in Deutschland? Ludwig von Busse jedenfalls vertraut dem Aufzug, auch wenn er leider weiß, dass der Zustand der Aufzüge in Deutschland in der Masse nicht besonders gut ist. In Frankreich, Italien oder Benelux ist es heute gesetzeswidrig, wenn ein Aufzug bestimmte Sicherheitskomponenten nicht hat, hierzulande zwar auch, aber das werde nicht so scharf kontrolliert und geahndet.

Ob Sicherheitsstandards eingehalten wurden, ist in Deutschland bisher nur eine Haftungsfrage. Bei der Aufzugssicherheit ist es wie damals mit den Sommerreifen beim Auto. Ich kann damit fahren, baue ich allerdings bei Schnee damit einen Unfall, übernimmt keine Versicherung den Schaden. Solange nichts passiert, gibt es kein Problem. „Geschieht ein Unfall sind Eigentümer und Betreiber in der Haftung. Es gibt bei Aufzügen kein H-Kennzeichen wie bei Autos. Es gibt de facto also keinen Bestandsschutz für alte Aufzüge“, so von Busse.

Benutzen Aufzugsbauer Aufzüge oder nehmen sie die Treppe?

Eine Frage an den Experten muss erlaubt sein: Benutzt er jeden Aufzug? Oder nimmt er im Zweifel die Treppe, wenn er sich unsicher fühlt? Die knappe Antwort: „Nein.“ Denn das Alter alleine sorge nicht dafür, dass man steckenbleibe. „Bei einem alten Aufzug klemmt irgendwo die Mechanik, bei einem neuen die Elektronik. Neue Autos sind ja auch nicht per se störungsfreier als alte. Eine Abwrackprämie für Aufzüge gab es nicht, würde aber dem allgemeinen Zustand der Aufzüge im Bestand gut tun.“

Und was sagt der Experte zu den Horrorgeschichten aus Sevilla und Leipzig? „All diese extrem seltenen Unfälle, wie der ‚Serienkiller in Leipzig‘, sind oft Verkettungen von menschlichem oder technischem Versagen: Bei den Besitzern fehlt oft Wissen um die Betreiberpflichten und manchmal haben sich eben auch die Fahrgäste oder die Aufzugstechniker zusätzlich unglücklich oder regelwidrig verhalten oder die Arbeitsschutzvorgaben nicht eingehalten.“

Und dann wollen wir noch wissen: Stimmen die Mythen über Aufzüge, die bei vielen Menschen Angst, Panik und Phobien auslösen?

Kann der Aufzug abstürzen?

Dass ein Aufzug abstürzt, sei technisch heute nicht mehr möglich, sagt von Busse. Die Horrorvorstellung aus dem Kino, dass ein Aufzug 80 Stockwerke ungebremst in die tiefe stürzt und unten mit den Fahrgästen drin zerschelle, ist also ein reines Klischee. „Ein moderner Aufzug hat eine Art Anschnallgurtsystem wie beim Auto. Wenn du schnell dran ziehst, dann fängt der Aufzug an zu bremsen“, sagt von Busse.

Erfunden hat das System der amerikanische Weltmarktführer Otis schon 1853. Bei einem runterfahrenden Aufzug mit überhöhter Geschwindigkeit fräsen sich Bremsklötze in die Profile der Schienen und stoppen so den freien Fall der Kabine. Sie bringen den Aufzug zum Stehen. Alle zwei Jahre überprüfen die zentralen Überwachungsstellen, etwa der Tüv, dies in einer Fangprobe. Es sei denn, man beauftragt eine Prüfstelle.

2018 riss im Hancock Center in Chicago ein Tragseil. Ein Aufzug raste ungebremst 80 Stockwerke in die Tiefe und wurde erst in der elften Etage aufgefangen, sagt von Busse. Keiner der Fahrgäste wurde ernstlich verletzt. Angenehm sei so was nicht, denn Aufzugskabinen wögen teilweise zig Tonnen. Es dauert in jedem Fall ein paar Stockwerke bis zum Halt. „Auch dabei kann man sich verletzen, außerdem ist es unfassbar laut“, sagt von Busse.

Panik in der Blechbüchse Aufzug: Bei Imago gibt es Dutzende Stockfotos zu dem Thema.

Panik in der Blechbüchse Aufzug: Bei Imago gibt es Dutzende Stockfotos zu dem Thema.

© McPHOTO/imago

Kein Absturz nach unten – aber nach oben!

Was es aber gibt, ist der sogenannte „Absturz nach oben“. Denn Aufzüge haben Gegengewichte in Form von Beton- oder Bleiklötzen. „In den vergangenen Jahren sind solche unkontrollierten Abstürze unter bestimmten Lastbedingungen häufiger passiert bei bestimmten Typen in Deutschland“, sagt von Busse. Heute werde das bei vielen Aufzügen nachgerüstet, noch nicht alle Aufzüge hätten diesen sogenannten UCM/A3-Schutz. „Das ist ein Thema“, sagt von Busse.

Kann man ein Wochenende im Aufzug steckenbleiben?

In der kleinen „Blechbüchse“ Aufzug stecken zu bleiben, ist unangenehm. Es wird schnell warm, der Sauerstoff wird rasch weniger, vor allem, wenn man mit mehreren Fahrgästen steckenbleibt. Und wo gehe ich aufs Klo, wenn nicht gleich Hilfe kommt?

Die Angaben für die zulässige Tragkraft oder Personenanzahl seien sehr knapp bemessen und stammten oft aus einer Zeit, in der die Menschen viel kleiner waren, sagt von Busse. „Eine Überlast ist daher heute sehr schnell erreicht.“

Und wie lange dauert es, bis man gerettet wird? Die Notrufsache sei geregelt, sagt der Experte. Ein Notrufknopf sei Pflicht, auch wenn es sicher ganz vereinzelt Aufzüge ohne eine solche Anlage gäbe. In der Kette kann es aber technisches und menschliches Versagen geben. Beispiele: Das Telefonsignal kommt nicht durch, die Retter stehen im Stau oder haben einen Unfall, die Hausnotrufanlage ist defekt oder die Knöpfe sind durch Vandalismus unbrauchbar. Ein paar Stunden könnten leider vorkommen.

Aufzug-Manager Ludwig von Busse: „Alte Aufzüge sind nicht unbedingt gefährlicher.“

Aufzug-Manager Ludwig von Busse: „Alte Aufzüge sind nicht unbedingt gefährlicher.“

© Panthermedia/imago

Wie muss ich mich verhalten, wenn der Aufzug steckenbleibt?

„Man sollte auf keinen Fall versuchen, sich selbst aus der Situation zu befreien“, sagt von Busse, „ sondern warten Sie auf professionelle Hilfe.“ Fürchterliche Unfälle mit Todesfolge könnten nämlich passieren, wenn sich Menschen versuchen, selbst zu helfen.

„Versuchen Sie nicht, die Türen mit Gewalt zu öffnen, denn das kann dazu führen, dass sich der Aufzug plötzlich wieder in Betrieb setzt und Sie verletzt werden.“ Wichtig ist die Notruftaste. Oft reicht es allerdings nicht, da mal nur kurz draufzudrücken. Den Notrufknopf sollte man immer drei bis fünf Sekunden gedrückt halten. Häufig höre man ein Rufsignal, wie beim Telefon.

Ist es gefährlich, im Aufzug zu hüpfen?

Springen sollte man nicht, sagt der Experte, denn wenn etwa mehrere Jugendliche gemeinsam im Aufzug hüpfen, könnte die Aufzugssteuerung das als Anomalie oder Fehlbetrieb deuten und den Aufzug aus Sicherheitsgründen außer Betrieb setzen. Das Risiko, stecken zu bleiben, werde dadurch deutlich erhöht und das passiere auch gelegentlich.

Knöppe drücken ist geil: Der Pfeil nach oben steht für nach oben fahren und umgekehrt.

Knöppe drücken ist geil: Der Pfeil nach oben steht für nach oben fahren und umgekehrt.

© Westend61/imago

Ist es gefährlich, wild auf den Knöpfen rumzudrücken?

Nein, sagt der Experte, aber es sei eben nicht zielführend. „Viele Menschen drücken alle Knöpfe, die es gibt“, sagt von Busse, „weil Knöppe drücken offensichtlich Spaß bringt.“ Vieles verzögere sich dadurch aber, weil der Aufzug alle Befehle stumpf nacheinander abarbeitet.

Auch die Pfeiltasten außen am Aufzug. Viele verstünden die nicht sinngemäß. „Wenn der Aufzug in der 10. Etage ist und ich im 2. Stock und ich will nach oben, sollte ich nicht auf den Pfeil nach unten drücken, denn wenn ich im Aufzug bin, fährt der erst mal nach unten“, sagt von Busse, „Pfeil nach oben steht für nach oben fahren und umgekehrt.“

Stimmt es, dass die Türschließknöpfe keine Funktion haben? „Nein“, sagt von Busse. In den USA ist dieser Knopf oft ein Placebo-Knopf, aber in Deutschland funktioniert er und die Tür schließt sich wirklich schneller.

Sex im Aufzug: Eine klassische Fantasie vieler?

Sex im Aufzug: Eine klassische Fantasie vieler?

© Gueffroy/imago

Haben Menschen gerne Sex im Aufzug?

„Eine spannende Frage. Das könnte man sicherlich einmal empirisch prüfen“, lacht von Busse. Die Aufzugskabine sei nun mal zumindest für ein paar Sekunden ein stiller Ort, der, ähnlich wie die Flugzeugtoilette, für manche Menschen möglicherweise sehr reizvoll sei. Allerdings werde das störungsfreie Erleben dieses sexuellen Erlebnisses durch die Sicherheitsvorschriften immer seltener.

Früher gab es in Aufzügen oft einen Kippschalter, mit dem man den Aufzug zwischen den Geschossen stoppen konnte. „Das kennt man aus einigen Filmen. In den USA findet man das noch häufiger. Eigentlich findet man diesen Schalter in Deutschland nicht mehr“, sagt von Busse. Schlechte Nachrichten also für Sexwütige.

Können Hacker Aufzüge steuern? 

Dass Hacker sich in die – zumeist mit dem Internet verbundenen – Aufzugsanlagen von Unternehmen hacken und Lösegeld in Form etwa von Bitcoins fordern, sei die neueste „Gefahr“ der Aufzugswirtschaft. Dadurch könnten die Aufzüge außer Betrieb gesetzt, Stockwerke gezielt angefahren und Menschen eingeschlossen werden.

Aber Dinge wie den Aufzug bei geöffneter Tür einfach hochschnellen zu lassen oder Situationen zu provozieren, bei denen Menschen körperlich zu Schaden kommen, sei extrem schwierig und wahrscheinlich fast unmöglich, sagt der Aufzugsmanager, schließlich gäbe es Sicherheitskreise, die das verhindern sollen und die dazu überbrückt werden müssten. Das sei hochgradig kriminell.

Fazit: Ist es gefährlich, Aufzug zu fahren?

Ob Sie sich nun entscheiden, den Aufzug zu benutzen, oder die Treppe nehmen, ist natürlich Ihre Entscheidung. Der Aufzugs-Manager Ludwig von Busse versteht die Ängste der Leute, er selber hat keine Angst in Aufzügen. Auch nicht in alten Aufzügen. Auch wenn er weiß, dass nicht alle Aufzüge sicher sind.

Allerdings, das sagt auch er, ist es sicherer, statt der Treppe den Aufzug zu benutzen. Der Grund: Experten gehen davon aus, dass in Deutschland täglich zehn Menschen in der Folge von Treppenstürzen ums Leben kommen. In den vergangenen Jahren hat das Bundesamt für Statistik die einzelnen Todesursachen bei Unfällen nicht mehr genau aufgeschlüsselt. 2015 starben innerhalb eines Jahres bundesweit 1271 Menschen aufgrund von Treppenstürzen. Weitere 126 stürzten von Leitern in den Tod.

Auch aus diesem Grund übersetzen die Mitarbeiter des Aufzugsweltmarktführers Otis (mehr als 28 Prozent Marktanteil weltweit) die vier Buchstaben ihres Firmennamens so: „Ohne Treppe ist sicherer.“

Berliner Fernsehturm „Alex“: Wenn sie auf 200 Meter Höhe im Restaurant speisen, wird Ihr Essen unten im Erdgeschoss zubereitet.

Berliner Fernsehturm „Alex“: Wenn sie auf 200 Meter Höhe im Restaurant speisen, wird Ihr Essen unten im Erdgeschoss zubereitet.

© Emmanuele Contini


Weitere Fakten zu Aufzügen: Weltweit gibt es vier große Aufzugsunternehmen, die in Deutschland Aufzüge verbauen: Otis (USA) ist mit Abstand der größte Aufzugbauer. Thyssenkrupp (Deutschland), Kone (Finnland) und Schindler (Schweiz). Zusammen haben diese vier Konzerne einen Marktanteil von rund 70 Prozent in Deutschland. Im asiatischen Markt ist vor allem Mitsubishi relevant. Jährlich werden allein in China so viele Aufzüge neu gebaut, wie in Deutschland in Betrieb sind.

Der höchste Aufzug weltweit befindet sich im Burj Khalifa in Dubai, er ist mehr als 800 Meter hoch. Der schnellste Aufzug in Berlin befindet sich im Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz. Wer im rotierenden Panorama-Restaurant des Berliner Fernsehturms Alex isst, dessen Speisen werden nicht auf 208 Meter Höhe gekocht, sondern im Erdgeschoss. Jedes Schnitzel gelangt fertig zubereitet und heiß über einen Aufzug zum Gast.


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